Natur

Die geheime Sprache der Pflanzen

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Foto: dpa-infografik/A. Schäfer / Kina

Bäume, Blumen und Büsche „sprechen“ miteinander und rufen, wenn sie von Schädlingen angegriffen werden, auch die Feinde ihrer Feinde herbei.

Stumm und still stehen sie herum: Blumen, Büsche oder Bäume. Denkste! Auch Pflanzen können sich unterhalten. Sie sprechen nicht deutsch oder englisch – sie sprechen „chemisch“. Nur wenige Menschen verstehen die Sprache der Pflanzen. Eine von ihnen ist die Biologin Monika Hilker. Reporterin Anja Garms hat die Forscherin von der Freien Universität Berlin gefragt, was sich das Grünzeug so erzählt.

Kinderpost: Mit wem unterhalten sich Pflanzen denn so? Und worüber?

Monika Hilker: Die Pflanzen „sprechen“ zum Teil mit anderen Pflanzen. Sie können sie zum Beispiel warnen, wenn pflanzenfressende Feinde in der Nähe sind. Vor allem rufen die Pflanzen sich aber Hilfe herbei, wenn sie selbst von Schädlingen befallen sind. Pflanzen, die von Läusen befallen sind, können zum Beispiel Insekten anlocken, die gerne Läuse fressen. So werden sie ihre Schädlinge dann los.

Kinderpost: Und wie machen sie das?

Monika Hilker: Pflanzen sprechen mit Düften. Wir Fachleute sagen auch: mit chemischen Signalen. Wenn also zum Beispiel die Läuse an den Blättern saugen, bildet die Pflanze schnell bestimmte Duftstoffe. Und diesen Duft können die läusefressenden Insekten riechen. Sie eilen dann heran.

Kinderpost: Wie merkt denn eine Pflanze, dass ein Insekt an ihr frisst?

Monika Hilker: Beim Fressen bemerkt die Pflanze zum einen die Verwundung an sich. Zum anderen geben die Schädlinge etwas Spucke in die Blattwunde ab – und das merkt die Pflanze auch. Sie kann sogar zwischen der Spucke verschiedener Schädlinge unterscheiden! Sie kann dann genau die passenden Helfer herbeirufen. Manche Pflanzen merken sogar schon, wenn ein Insekt nur ein Ei auf ihrem Blatt ablegt. Sie erkennen den Kleber, mit dem die Eier festgeklebt werden.

Kinderpost: Und dann?

Monika Hilker: Das Ei selbst schadet den Pflanzen ja nicht. Aber irgendwann schlüpft daraus eine hungrige Larve, die dann vielleicht die Pflanze anfrisst. Es ist gut, so eine Gefahr möglichst früh zu erkennen. Die Pflanzen können dann frühzeitig Alarm schlagen, indem sie ihre Blattdüfte so verändern, dass sie andere Insekten anlocken. Diese befallen die Eier, sodass daraus keine hungrigen Larven mehr schlüpfen können. Und falls doch noch ein paar Larven schlüpfen, haben manche Pflanzen auch noch eine zweite Möglichkeit zur Verteidigung: Sie bilden Gift, sobald die Larven an ihren Blättern knabbern. Das fressen die Larven dann mit.

Kinderpost: Lohnt sich denn der Aufwand?

Monika Hilker: Auf jeden Fall. In Experimenten konnten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zeigen, dass Pflanzen besser wachsen, wenn sie sich gegen Schädlinge zur Wehr setzen. Also etwa indem sie die Feinde ihrer Feinde zur Hilfe herbeilocken. Sie bildeten zum Beispiel mehr Samen, vermehrten sich also stärker.

( dpa/gs )