Literatur

Eine Medaille für eine Geschichte

Die zwölfjährige Autorin Josepha Gollanek aus Reinickendorf überzeugte beim Theo Literaturwettbewerb 2013 zum Thema „Verwurzelt“

Foto: Massimo Rodari

Auf den ersten Blick wirkt Josepha ein bisschen schüchtern. Als sie im Großen Saal des Roten Rathauses ihre Geschichte vorliest, braucht sie eine Weile, bis der Vortrag fest und sicher klingt. Aber die Geschichte ist so gut, dass das Publikum gebannt zuhört. Am Ende gibt es viel Applaus und einen Preis.

"Meine Straße" heißt die Geschichte, die die Zwölfjährige aus Reinickendorf beim Theo-Wettbewerb eingereicht hatte. Darin erzählt ein Mädchen, wie es in die Straße zurückkehrt, in der es als kleines Kind gelebt hat. Die Gegend ist völlig verfallen – das Mädchen muss aber alles noch einmal genau ansehen und sich erinnern. Erst dann kann sie von der Vergangenheit Abschied nehmen und glücklich weiterleben.

Begeisterung für kreatives Schreiben wecken

Der Theo ist der Berlin-Brandenburgische Preis für Junge Literatur, der jedes Jahr vom Verein Schreibende Schüler und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels verliehen wird. Er soll bei Schülern bis 18 Jahren die Begeisterung für Bücher und für das kreative Schreiben wecken. Die Schirmherren sind Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD).

Der Preis wird in den Alterskategorien 10–12, 13–15 und 16–18 Jahre für je eine Geschichte verliehen sowie in der Kategorie Lyrik, also für ein Gedicht. Das diesjährige Motto war "Verwurzelt", dazu konnte jeder schreiben was er wollte.

450 Kinder und Jugendliche machten mit

450 Kinder und Jugendliche aus Berlin, Brandenburg und anderen Bundesländern haben Beiträge eingeschickt. Am Ende räumten die Berliner in den Hauptkategorien alle Preise ab. Josepha hat zum ersten Mal mitgemacht und gleich in ihrer Altersklasse gewonnen. Ihre Liebe zur Sprache musste nicht erst geweckt werden. Josepha schreibt schon Geschichten, seit sie Buchstaben zusammensetzen kann. Meist "einfach für sich allein", wie sie sagt. Manchmal verschenkt sie auch eine Geschichte. In ihrer Familie wird viel gelesen, Schriftsteller gibt es da allerdings noch keine. Ihre beiden Drillingsbrüder interessieren sich mehr für Judo und Musik als fürs Schreiben, erzählt Josepha, die neben der Schriftstellerei auch noch gern Klavier spielt.

Die Siebtklässlerin der Ev. Schule Frohnau ist eine gute Beobachterin und mag es, in die Haut anderer Leute zu schlüpfen. Das spürt man, wenn man "Meine Straße" liest. Es gelingt Josepha, alles so genau zu schildern, dass Bilder im Kopf entstehen. Auch die Gefühle des Mädchens kann der Leser gut nachempfinden. Das haben die anderen acht Nominierten in ihren Geschichten ebenfalls sehr gut hinbekommen. Die Preisträger auszuwählen war also keine leichte Aufgabe für die Fach-Jury.

Sonderpreis für junge Autoren unter zehn Jahren

Zum ersten Mal gab es in diesem Jahr auch einen Sonderpreis für Kinder unter zehn Jahren – den Junior-Theo. Die neunjährige Luca Leonore Grüsser aus Wandlitz erhielt ihn für ihre Geschichte "Wie die nickende Distel zu ihrem Namen kam". Die Drittklässlerin liebt den Klang der Worte, seit sie denken kann und schreibt für ihr Leben gern. Ihre Geschichten liest sie dann Freunden und Verwandten vor. Und obwohl sie vielleicht einmal Kinderbuchautorin werden will, hat sie auch noch Zeit für andere Hobbys. Zum Beispiel Klettern, Theater und Schlagzeug spielen.

Mehr Infos gibt es im Internet unter:

www.schreibende-schueler.de

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