Neue Bücher für den Herbst

Lesen, Lauschen und Träumen

Echte Bücherwürmer kommen in der Bibliothek Kreuzberg auf ihre Kosten

Beyza (7) ist umringt von riesigen Regalen mit Büchern voller Geschichten – mal spannend, mal lustig, mal traurig. Zwischen so vielen Büchern wie in der Kinderabteilung der Mittelpunktbibliothek Adalbertstraße in Kreuzberg fühlt sie sich richtig wohl. "Ich lese sehr gerne in der Bücherei", sagt sie. Heute lässt Beyza sich allerdings etwas vorlesen – von Gisela Künzel. Zusammen mit Azra (5), Ece Nur (8) und ihrem Bruder Mohammed (5) sitzt sie an einem kleinen Tisch neben der 71-Jährigen und lauscht ihren Worten.

Seit zwölf Jahren liest Gisela Künzel zusammen mit anderen freiwilligen Vorlesern des Vereins Lesewelt Berlin einmal pro Woche Kindern etwas vor – jeden Dienstag zwischen 16.15 und 17.15 Uhr in der Bibliothek in Kreuzberg. Mit Büchern kennt sich Gisela Künzel schließlich bestens aus, denn als sie noch gearbeitet hat, war sie Bibliothekarin.

Etwas vorgelesen zu bekommen, das fand sie als Kind auch selbst ganz toll. "Bücher, wie ,Pippi Langstrumpf' habe ich geliebt. Mein Lieblingsbuch war ,Pu, der Bär'", sagt sie. Die Geschichte über den kleinen Bären war eines der ersten Kinderbücher nach dem Zweiten Weltkrieg, an das sie sich erinnern kann.

Lesestoff für Kinder gibt es aber schon sehr lange. Bereits zur Zeit der Ritter, Mitte des 15. Jahrhunderts, nachdem der Buchdruck erfunden wurde, wurden immer mehr Bücher für Kinder gedruckt. Und die Märchen der Gebrüder Grimm wie Rotkäppchen oder Aschenputtel haben sich schon die Kinder vor 200 Jahren vorlesen lassen. Die Kinder in der Vorlesestunde haben sich heute allerdings ein neueres Buch ausgesucht – "Mick und Mo im Weltraum" von Cornelia Funke.

Nirupan liest vor, weil er sich verbessern will

Ein paar Tische weiter lauschen alle dem elfjährigen Nirupan. Dabei ist eigentlich Waltraud Käß (72) in die Bibliothek gekommen, um den Kindern etwas vorzulesen. Aber Nirupan hilft ihr öfters, denn: "Ich will mich verbessern und lese deswegen oft vor", sagt er.

Das gefällt besonders seiner kleinen Schwester Nijithaa (5), denn sie kann noch nicht lesen. Und deswegen hat sie einen ganzen Stapel Bücher aus den Regalen gefischt, die ihr Bruder vorlesen soll. Waltraud Käß hilft ihm, wenn er mal nicht genau weiß, was ein Wort bedeutet.

Warum Nirupan so gerne liest? "Man hat dann so viel Fantasie und kann danach gut schlafen", sagt er. Am liebsten liest er aber nicht in der Bücherei am Tisch, sondern gemütlich in seinem Bett. Da stehen zwar nicht so viele Bücher wie in der Bibliothek, aber die Entscheidung welches Buch er lesen soll, fällt ihm trotzdem nicht leicht. Denn er hat nicht nur ein Lieblingsbuch. "Am besten gefallen mit aber ,Gregs Tagebuch', die ,Die Drei???' und die ,Drei PiranhaPiraten'", sagt er nach langem Überlegen.

Mehr zu den Vorlesestunden in Berlin unter: www.lesewelt-berlin.org

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