Wettbewerb

Mehr als ein Hobby: Schreiben

Viktoria ist elf Jahre alt und verfasst Geschichten. Nun ist sie für den „Theo“ nominiert

Foto: Marion Hunger

Wenn Viktoria über ihren Schreibtisch aus dem Fenster schaut, sieht sie oft den Fuchs durch den Parkgarten hinter dem Haus streichen. "Einmal flog sogar ein Pelikan über unsere Terrasse", sagt die Elfjährige. Da fällt das Eichhörnchen kaum ins Gewicht, das sich regelmäßig an der Tür der Familie Herold sein Futter holt. Viktoria schaut den Tieren nicht nur gern zu. Tiere regen auch ihre Fantasie an. Dann setzt sie sich hin und schreibt Abenteuer. "Ich schreib' gerne süße Geschichten, in denen Tiere oder Dinge sprechen. Und die erleben dann Sachen."

Viktoria schreibt nicht nur für sich. Sie nimmt mit ihren Geschichten seit Jahren an Schreibwettbewerben teil. Aktuell bewirbt sie sich unter dem Thema "Maschinen" um einen "Theo", den Preis des Vereins "Schreibende Schüler", der jährlich in verschiedenen Altersklassen zwischen neun und 19 Jahren vergeben wird. Schon im letzten Jahr hatte Viktoria teilgenommen, und es, wie jetzt, unter die besten 14 geschafft. Ein Erfolg, der mit einer ganzen Woche Schreib-Camp im Sommer belohnt wurde: "Letztes Jahr hieß das Thema 'Kopf über' und ich habe eine Geschichte über eine Spinne mit Herz geschrieben", sagt die Sechstklässlerin. In der Hand hält sie eine gedruckte Sammlung der besten Geschichten des letzten Jahres. Ihre ist dabei. "Leider hat es nicht zu einem Theo gereicht", sagt sie. "Dieses Jahr trete ich mit einer Geschichte um einen Drucker an. Meine Mutter ärgert sich oft über den Drucker im Büro. So kam mir die Idee. Aber die Konkurrenz ist wirklich gut", sagt die junge Autorin.

Wer beim "Theo" und den "Schreibenden Schülern" mitmacht, der muss einem Publikum vorlesen. Zuerst vor den Mitstreitern, beim großen Finale am Sonntag in der Potsdamer Staatskanzlei dann vor Politikern und Künstlern. Das erfordert Mut und Übung.

Wie Viktoria zum Schreiben kam? Am Anfang steht eine Literatur-AG in der Schule. Mit der besucht sie die Buchmesse in Leipzig. Sie nimmt am Schreibwettbewerb der evangelischen Grundschule Wilmersdorf teil – und gewinnt. "Da war ich so neun Jahre alt", erinnert sie sich. Wenn die Schule es zulässt, schreibt sie regelmäßig. "In den Ferien mehr. Manchmal Geschichten, manchmal auch meine Träume." Einen Beruf möchte sie daraus nicht machen. Sie möchte Pfarrerin werden.

Ihr Schreiben wirkt ansteckend. Bruder Florian ist acht und fängt nun auch an. Viktoria schreibt mittlerweile ziemlich anspruchsvoll. Wie das geht, lernt sie auch an den Schreibnachmittagen, die der Verein der Schreibenden Schüler anbietet. Wie formuliert man zum Beispiel einen spannenden ersten Satz für eine Geschichte? "Ich bin, was weltweit viele Menschen schon immer zu wissen geglaubt haben, lebendig", beginnt Viktoria ihren Wettbewerbstext. Da steckt alles drin. Hier ein sprechender Drucker. Dort eine Ahnung, die jeden beschleicht, der an einem Elektrogerät verzweifelt. Da liest man gerne weiter. Dieses Jahr will Viktoria unbedingt gewinnen. Und immerhin: das Lateinische "Victoria" heißt ja "Sieg".

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