Meteorologie

Wie arbeitet ein Wetterfrosch?

Meteorologen verbringen die meiste Zeit am Computer - und müssen gut in Mathe und Physik sein

Foto: David Heerde

"Endlich mal wieder blauer Himmel!" Thomas Dümmel, Diplom-Meteorologe an der Freien Universität (FU) in Dahlem, betritt den Garten seines Instituts. Er macht einen kleinen Kontrollgang, denn hier stehen die Messinstrumente, die fast alles über die aktuelle Wetterlage mitteilen. Bei stabiler Wetterlage kann er Prognosen von bis zu 14 Tagen wagen, bei labiler Wetterlage, also zum Beispiel bei Westwind, sind es nur drei Tage. Dümmel sieht nach, ob sich Regenwasser im Niederschlagsmesser gesammelt hat. Negativ. Jeden Morgen nach dem Frühstück guckt er schon zu Hause schnell in seinen Computer, wie das Wetter heute wird. "Erstens ist es spannend und zweitens will ich wissen, ob ich einen Schirm brauche", sagt er.

Der 57-jährige Steglitzer forscht und unterrichtet am Meteorologischen Institut der FU. Das Studium ist sehr begehrt: 140 Studenten bewerben sich jedes Jahr, 70 können genommen werden. Etwa die Hälfte hört jedoch mittendrin wieder auf, denn Meteorologie hat fast ausschließlich mit Mathe, Physik und Arbeit am Computer zu tun. Und das stellen sich viele anders vor.

Thomas Dümmel und seine Kollegen finden ihre Arbeit dennoch spannend. Wie viele Sonnenstunden gibt es, wie ist das Wolkenbild, wie stark weht der Wind? Das sind nur einige ihrer Fragen. Früher machte das Institut als Wetterdienst auch Vorhersagen für Funk und Fernsehen. Heute wird hier hauptsächlich gelehrt und geforscht, um mithilfe von Klimamodellen herauszufinden, wie sich das Wetter und die Temperatur in den nächsten 100 Jahren entwickeln.

Wichtig ist auch zu wissen, wann und wo es gefährlich werden könnte. An seine kleinen grünen "Kollegen" glaubt der Wissenschaftler nicht, trotzdem steht in der Wetterstation eine Sammlung von 14 Plastikfröschen als Maskottchen.

Das Institut hat seinen Sitz in einem alten Wasserturm auf dem Fichtenberg. Von ganz oben haben die Wissenschaftler durch ein 360-Grad-Fenster einen Rundumblick auf das Wetter - sie sehen mit eigenen Augen, was ihre Wettermodelle im Computer abbilden. "Als ich einmal am Wochenende zu Hause ein besonders starkes Hagelunwetter aufziehen sah", erzählt Thomas Dümmel, "fuhr ich ins Institut und fand im sechsten Stock etwa 20 Kollegen, die genau wie ich erleben wollten, was sich auf den Bildschirmen und vor unseren Fenstern abspielte." Für die Forscher interessant sind auch Wetterkapriolen, die Naturkatastrophen auslösen. Wie zuletzt in Australien und Brasilien. "Es gibt auf der Südhalbkugel Strömungssysteme wie El Niño oder La Niña, die immer wieder Unheil anrichten können." Von Einzelereignissen solle man aber nicht gleich Rückschlüsse auf den Klimawandel ziehen, sagt Thomas Dümmel. "Das ist ein Prozess, der über Jahrzehnte beobachtet werden muss." Rund 10 000 Wetterstationen weltweit tragen dazu bei. Sie bilden unter anderem Temperatur, Wind, Luftfeuchte und -druck ab. In Berlin gibt es acht - und einen Wetterballon in Brandenburg, der alle sechs bis zwölf Stunden aufsteigt und Daten sendet. Abgelesen werden sie meistens von Wetterdiensttechnikern und ausgewertet von Meteorologen. Sie alle helfen dabei, dass die Menschen ein bisschen in die Zukunft blicken können.