Literatur

"Alex Rider hat mein Leben verändert"

Anthony Horowitz erfand den James Bond für Kinder. Nach der Vorstellung von Band 8 stellte er sich den Fragen seiner Leser. Das Interview

Foto: Sergej Glanze

Kinderreporter: Wie bekommen Sie die Idee für ein Buch?

Anthony Horowitz: Ich habe viele Ideen, die sich in meinem Kopf sammeln. Diese Ideen schreibe ich auf ein Blatt. Nach und nach wird aus diesen Informationen ein Buch.

Kinderreporter: Bekommen Sie von Ihrer Familie Tipps für Ihre Bücher?

Anthony Horowitz: Meine beiden Söhne geben mir Tipps. Mein älterer Sohn gibt mir Informationen über die gefährlicheren Dinge, er macht all die wilden Sportarten. Mein jüngerer Sohn bewertet den Inhalt und sagt mir, wenn etwas zu langweilig geworden ist

Kinderreporter: Es gibt auf ihrer Homepage ein Film über Sie in Ihrem Haus. Dort zeigen Sie einen Geheimgang, der in Ihr Büro führt. Gibt es diesen Geheimgang wirklich?

Anthony Horowitz: Ja, den gibt es wirklich. Mir gefällt so etwas. Ich hätte gerne ein Haus, indem es zu jedem Raum einen Geheimgang gäbe. Das wäre echt cool.

Kinderreporter: Wie kommen Sie mit ihrem Ruhm zurecht?

Anthony Horowitz: Ich finde es toll, dass alle meine Bücher und meinen Namen kennen, aber nicht mein Gesicht. Ich würde es hassen, auf der Straße immer nach einem Autogramm gefragt zu werden wie George Clooney, der nicht einmal in Ruhe einkaufen gehen kann.

Kinderreporter: Sind Sie auch mit anderen Schriftstellern befreundet?

Anthony Horowitz: Ja, ich bin mit vielen englischen Schriftstellern befreundet wie z.B. Philip Pullman, der den Goldenen Kompass geschrieben hat. Auch J.K. Rowling habe ich schon getroffen. Wir sind eine kleine Gemeinde.

Kinderreporter: Was wollen Sie mit Ihren Büchern aussagen?

Anthony Horowitz: Eigentlich nichts bestimmtes, ich möchte, dass die Kinder Spaß beim Lesen haben. Aber man muss auch immer ein bisschen was aussagen, wie zum Beispiel jetzt im achten Band (Crocodile Teers) etwas über Gentechnik oder über Atomkraftwerke.

Kinderreporter: Welches der Alex-Rider-Bücher ist Ihr Lieblingsbuch?

Anthony Horowitz: "Stormbreaker", das war das erste. Es hat mein Leben verändert. Aber davon abgesehen ist das Beste "Scorpia".

Kinderreporter: Wie kamen Sie auf die Idee mit den ganzen Geheimwaffen?

Anthony Horowitz: Ich wollte eigentlich gar keine Geheimwaffen, aber dann habe ich einmal Kinder in England befragt und diese sagten, dass Alex unbedingt Geheimwaffen bräuchte. Die Idee von Alex Rider habe ich ja von James Bond. Doch die Geheimwaffen dort sind total verrückt: Uhren die Laser schießen und Autos die unsichtbar werden, totaler Quatsch. Ich ließ mir also etwas Realistisches einfallen, was man in etwas unterbringen kann, das 14-jährige Jungen benutzen. Und da es Vieles gibt, was 14-jährige Jungen heutzutage benutzen, fallen mir natürlich auch viele Geheimwaffen ein. Getötet wird damit nie!

Kinderreporter: Sind Sie auch ein Chelsea-Fan wie Alex Rider?

Anthony Horowitz: Nein. Ich bin Arsenalfan. Aber ich habe bei Chelsea die Duschen und Umkleiden besichtigt, damit die Stelle im 4. Alex-Rider-Band glaubwürdig ist.

Kinderreporter: Was haben Sie gedacht, als ihre Mutter ihnen zum 13. Geburtstag einen Totenschädel schenkte?

Anthony Horowitz: Ich hatte ihn mir gewünscht. Ich habe mich sehr dafür interessiert. Ich dachte immer: Bald bin ich das. Meine Idee war, wenn ich später tot bin, könnte mein Kopf zusammen mit dem anderen als Buchstütze genutzt werden.

Kinderreporter: Wie kommen Sie auf Ihre Verbrecherorganisationen?

Anthony Horowitz: Ich fange mit der Zeitung an, da finde ich Ideen. Über die Bösen nachzudenken, macht am meisten Spaß: Was wollen sie, wie versuchen sie das zu erreichen, wie kann ich sie umbringen?

Kinderreporter: Mögen Sie Ihre Arbeit?

Anthony Horowitz: Ich liebe meine Arbeit. Als Schriftsteller muss man das lieben was man tut. Schreiben ist wie Telepathie, wenn du begeistert bist während du schreibst, wird der Leser das fühlen. Lehrer kennen das: Wenn du deine Hausaufgaben widerwillig und gelangweilt herunterreißt, wird sich der Lehrer beim Korrigieren später auch zu Tode langweilen.

Kinderreporter: Wollten Sie als Kind schon Schriftsteller werden?

Anthony Horowitz: Ich wusste das schon mit acht Jahren. Ich war das blödeste Kind in der Schule. Es war furchtbar im Jungen-Internat, ich war da sehr unglücklich. Nur wenn ich Geschichten erzählen konnte, ging es mir gut.

Kinderreporter: Wie sind Sie auf Alex Rider gekommen?

Anthony Horowitz: Alex trat spät in mein Leben. Ich hatte vorher schon 15 Bücher geschrieben aber ihn hatte immer im Kopf. Ich bin als Kind immer in James-Bond-Filme gegangen, hab mich jedes Jahr darauf gefreut, aber ich hatte auch ein Problem damit. Der 1. James Bond war für mich der beste, aber er wurde immer älter! Da hatte ich die Idee, wie wäre es, wenn Bond ein Teenager wäre? Als ich dann den ersten Satz aufschrieb, veränderte sich mein Leben.

Kinderreporter: Glauben Sie, dass die Alex-Rider-Geschichten wahr sein könnten?

Anthony Horowitz: Ja, gute Frage! Ich glaube schon.

Kinderreporter: Würden Sie gern mit Alex tauschen?

Anthony Horowitz: Nein, denn Alex will ja eigentlich kein Spion sein, er gerät da rein obwohl er lieber ganz normal zur Schule ginge, Freunde und Freundinnen haben will und Spaß. Wie ein ganz normaler Teenager eben. Das ist das Geheimnis des Buchs. Wenn Alex das alles ganz toll fände, wäre das Buch ziemlich langweilig.

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