Berliner Perlen

Höllisch scharf: Besuch im "Pfefferhaus" in Friedrichshain

Das „Pfefferhaus“ in Friedrichshain ist ein beliebter Ort für alle jene, die es etwas pikanter mögen - oder höllisch scharf.

Achtung, diese Fläschchen im „Pfefferhaus“ haben es von der Schärfe her mitunter buchstäblich in sich. Wobei Schärfegrad und Geschmacksrichtung bei den Hot Saucen, Marinaden, Barbecue-Saucen und Dips sehr stark variieren.

Achtung, diese Fläschchen im „Pfefferhaus“ haben es von der Schärfe her mitunter buchstäblich in sich. Wobei Schärfegrad und Geschmacksrichtung bei den Hot Saucen, Marinaden, Barbecue-Saucen und Dips sehr stark variieren.

Foto: Martin Schwarz

Berlin. Wenn Felix Eichholtz auf das Thema Chili zu sprechen kommt, beginnen seine Augen zu leuchten. Man spürt, das ist bei ihm nicht nur eine Geschmacks-, sondern auch eine ­Herzensangelegenheit. Was ihn besonders nervt, das sei das ewige Gerücht, Chili sei schädlich für den Körper. „Das Gegenteil ist der Fall!“, sagt er, „scharfes Essen regt die Durchblutung und den Speichelfluss an, dadurch schmeckt man mehr, wenn die Chili-Dosis stimmt. Außerdem macht Chili glücklich und hat einen antibakteriellen ­Effekt.“ Dies sei auch der Grund, warum in heißen Ländern, wo die Kühlung von Essbarem mitunter schwierig ist, scharf gegessen werde.

Der 41-Jährige weiß, wovon er spricht, schließlich beschäftigt er sich schon seit mehr als einem Jahrzehnt beruflich mit Chili und anderen scharfen Sachen. Seit 2009 ist Eichholtz der Geschäftsführer im „Pfefferhaus“, einem Laden an der Friedrichshainer Niederbarnimstraße, der sich auf scharfe Gewürze spezialisiert hat. Betritt man das kleine Geschäft, dann stehen im Regal rechts kleine und große Fläschchen, gefüllt mit Barbecue-Saucen, Chili-Saucen und Salsas, darunter viele aus der eigenen Manufaktur, in allen Geschmacksrichtungen und Schärfegraden, mal recht würzig, mal mit Schmackes. Im linken Regal hingegen stehen hübsch aufgereiht getrocknete Gewürzmischungen wie „Harissa“ oder „Tandoori Masala“ und Pfeffersorten wie der „Acht Pfeffer Pfefferhaus Spezial Mix“ oder „Szechuan Pfeffer“.

Wobei sich vom Gebrauch her das rechte und das linke Regal nicht so sehr unterscheiden, erklärt Eichholtz. Ob nun getrocknet oder flüssig – es gehe letztlich immer um das Würzen von Gerichten.

Pfefferhaus: Die Sauce „Lemon Drop“ hat eine Orangensaft-Basis

Und da hat das „Pfefferhaus“ für jeden Gaumen das Passende parat. Ein Test: Viele Menschen mögen es zwar scharf, bekommen aber in herkömmlichen Hot Saucen aus dem Supermarkt immer auch einen unerwünschten sauren Geschmack mitgeliefert. Was tun? „Ja, dieses Problem bekommen wir öfter zu hören“, sagt Felix Eichholtz, „das liegt daran, dass Essig bevorzugt zur Konservierung benutzt wird und das Gegengewicht in der Rezeptur fehlt.“ Er hat sofort ein Fläschchen parat, das der Anforderung „scharf, aber nicht sauer“ entspricht, etwa „Lemon Drop“-Sauce, hergestellt auf Basis von Orangensaft und fruchtigen Lemon Drop Chilis.

Im „Pfefferhaus“ gibt es Scharfes von überall her, aber auch Gewürzwaren, die von der „Pfefferhaus“-Manufaktur in Hannover hergestellt werden. In Niedersachsen entstand 2007 der erste „Pfefferhaus“-Laden – den gibt es nicht mehr, dennoch werden Produktion und Onlinehandel weiterhin dort vollzogen.

Nicht nur mit dem Handel im Internet hat man sich im Coronajahr 2020 gut über Wasser gehalten. Felix Eichholtz ist es wichtig zu betonen: „Wir gehören nicht zu den Verlierern!“ Im Gegenteil, im Lockdown habe so mancher sein Interesse für den heimischen Herd und das Ausprobieren der eigenen Kochkünste zum Leben erweckt. „Da war etwas, das hat darauf gewartet, wachgerufen zu werden“, sinniert der Chef, „und es haben auch Menschen aus unserer direkten Nachbarschaft den Weg ins ,Pfefferhaus‘ gefunden. Man hatte plötzlich Zeit und Lust, den eigenen Kiez besser kennenzulernen. “ Nämlich immer dann, wenn dem geplanten heimischen Menü der gewisse Pfiff fehlte. Das „Pfefferhaus“ musste als Lebensmittelgeschäft im Lockdown nicht schließen.

Namen wie "Suicide Sauce" und "Slaughter" geben eindeutige Warnung

Jeder muss selbst entscheiden, wie viel Scoville – das ist die Maßeinheit für Schärfe – er seinem Körper zumuten möchte. Das „Pfefferhaus“ hat auch Konsumgüter wie die „Suicide Sauce“ oder Chiliextrakte im Angebot, die für die meisten Menschen viel zu scharf sind. Einem Bekannten, der immer betont hat, ihm sei nie etwas scharf genug, wurde mit der „Suicide Sauce“ der Zahn gezogen – das Fläschchen steht nach einem Jahr noch gut gefüllt im Kühlschrank. Bei der Namensgebung der Saucen wird oft mit martialischen englischen Begriffen wie „Slaughter“, „Mark of the Beast“ oder „Black Mamba“ hantiert – was als Warnung vor der enthaltenen Schärfe vielleicht gar nicht so schlecht ist.

Schließlich die eine Frage an Eichholtz: Welche Sauce im „Pfefferhaus“ ist seine liebste? Ohne zu zögern geht er zum Regal mit den selbst hergestellten Saucen und greift nach einer Flasche, auf der eine Wespe abgebildet ist und die den Schriftzug „Stinger“ trägt: „Das hier ist mein Favorit, und zwar nicht nur in der scharfen Version mit Honig und Knoblauch, sondern auch in der ,Suave‘-Vari­ante ohne jede Schärfe. Die ,Stinger‘ passt zu allen Speisen, und mit der nicht-scharfen Variante kommen auch Chili-Neulinge in den Genuss des einzigartigen Eigengeschmacks von Habanero Chili, etwa zum Salat.“

Wer noch tiefer in die Welt der Chilis einsteigen möchte, der sollte dem „Pfefferhaus“ einen Besuch abstatten, denn Felix Eichholtz ist Spezialist und hat auf jede „scharfe“ Frage eine Antwort. Genau wie seine Mitarbeiter. Spice Up Your Life!

Pfefferhaus, Niederbarnimstraße 11, Friedrichshain, Tel. 23 53 24 28, Mo.–Fr. 12–20 Uhr, Sbd. 11–20 Uhr, www.pfefferhaus.de

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