Berliner Perlen

Wunderschöne Geschenk-Ideen aus dem Atelierladen in Mitte

Im Atelierladen „Fortschritt-Berlin“ in Mitte finden Design-Aficionados Geschenk-Ideen aus hochwertigen Stoffen.

Christiane Grafe und Robert Löffler liefern ihre Designer-Stoffe auch an Museumsshops.

Christiane Grafe und Robert Löffler liefern ihre Designer-Stoffe auch an Museumsshops.

Foto: Franz Michael Rohm

Berlin. Steil fällt an dieser Stelle die Christinenstraße vom Prenzlauer Berg hinunter nach Mitte. An der Ecke Lottumstraße erlauben zwei schmale Fenster den Blick in den Atelierladen von Christiane Grafe und Robert Löffler. Seit 2004 betreiben die beiden zwei Steinwürfe von der Schönhauser entfernt ihr Geschäft „Fortschritt-Berlin“.

Gleich beim Betreten des etwa 25 Quadratmeter großen Schauraumes werden zwei Sinne angesprochen. Unverwechselbar riecht es nach Stoffen, herb und trocken. Schals in verschiedenen Breiten, Handstulpen, Mützen aus hochwertiger Öko-Merinowolle, teilweise mit Seide verarbeitet, leuchten in faszinierenden Mustern. Sie decken ein Spektrum ab von archaischen Muster aus der Eisenzeit über die geometrischen Linien der Ureinwohner Amerikas, Asiens und Ozeaniens bis zu Adaptionen von Mustern der US-amerikanischen Designerin Marion Dorn, des Konstruktivismus und Bauhaus-Geometrien.

Fast dreidimensional wirken besonders schwarz-weiße Muster, sie erinnern an die optischen Täuschungen eines E. C. Escher, andere erinnern an Fußbodenmuster gotischer Kirchen. Es gibt sie in schmal und breit, in extrafeinem Merino, Baumwolle und Seide. Für einen Schal variieren die Preise zwischen 79 und 189 Euro. Der Clou: Hauptsächlich werden die Stoffe in zwei Lagen gestrickt, Jacquard-Doubleface heißt die Technik in der Fachsprache. Wärmende Stulpen als Handschuh-Ergänzung kosten 39 Euro, ausgefallene Mützen im Beanie- und Barett-Stil 64 Euro.

"Fortschritt-Berlin": Die Muster für ihre Stoffe entwerfen sie selbst

Bekleidungsdesign an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft hat die aus Niemegk im Fläming stammende Christiane Grafe studiert, nach ihrer Ausbildung als Industrieschneiderin noch zu DDR-Zeiten. Daran schloss die heute 53-Jährige ein Studium für Künstlerische Textilgestaltung an der HdK an. „Doch Mitte der 1990er-Jahre gab es keine Jobs für Stoff-Designer in Deutschland, viele Textilbetriebe wurden abgewickelt“, berichtet sie.

Ein Fairtrade-Projekt in Südindien brachte sie in Kontakt mit einer Frauen-Kooperative. Zurück in Berlin entwarf sie mit ihrem Geschäftspartner Robert Löffler Designs und Muster, nach denen die indischen Frauen Einkaufstaschen aus Fischnetzgarn häkelten, die die beiden „Plastetasche“ nannten. Darauf wurde 2006 das japanische Designlabel Comme des Garçons aufmerksam und nahm sie in ihre Kollektion auf.

Löffler, in Friedrichshain aufgewachsen, siedelte 1985 nach Köln über und kam nach dem Mauerfall zurück. Der gelernte Elektroniker studierte Mitte der 90-Jahre Grafikdesign. Grafische Muster, „klar und schnörkellos“, interessierten den heute 55-Jährigen. Nach dem Anfangserfolg mit den Plastetaschen und Comme des Garçons entstand die Geschäftsidee, andere Muster wie das mittlerweile als Klassiker geltende Schwarz-Weiß-Muster„Meander“ zu entwerfen und bei Traditionsfirmen wie der Thüringer Firma Peterseim produzieren zu lassen. Christiane Grafe zeichnet mit Bleistift erste Entwürfe, Robert Löffler überträgt sie per Computer als Muster für die Produzenten.

Ökologische und soziale Standards sind ihnen wichtig

Schon bei der Firmengründung legten die beiden fest, dass nur ökologisch zertifizierte Merinowolle, Baumwolle und Seide verarbeitet werden und mit Firmen kooperiert werden sollte, die soziale Standards erfüllen und in Deutschland produzieren. Seither lassen sie in manufaktur-ähnlicher Produktionsweise Schals, Stulpen, Mützen, Decken und Bekleidung fertigen, aber auch Tisch- und Bettwäsche aus Leinendamast, sowie Frottierwaren aus Baumwolle/Leinen herstellen.

„Wir mussten uns auf exklusive Vertriebswege spezialisieren und haben früh als Nische Museumsshops ausgemacht, für die wir teilweise exklusive Designs entwerfen“, erzählt Robert Löffler. Zu den Kunden zählen das Berliner Palais Populaire, Unter den Linden, das Potsdamer Museum Barberini, das Museum für angewandte Kunst (MAK) und das Leopold-Museum in Wien und die Fondation Beyeler bei Basel. Allerdings: „Seit Corona ist dieses Geschäft um mehr als 50 Prozent eingebrochen“, berichtet Christiane Grafe.

Fortschritt-Berlin, Lottumstraße 7, Mitte, Tel. 47 37 44 46, Mo.-Fr. 12–19 Uhr, Winterfeldtmarkt, Sbd. 8–16 Uhr. www.fortschritt-berlin.de