Berliner Perlen

"Zauberkönig": Willkommen in der wunderbaren Welt der Magie

Im Geschäft „Zauberkönig“ in Neukölln bringen Karen German und Kirsi Hinze ihre Kunden zum Staunen und Lachen.

Die beiden Chefinnen vom „Zauberkönig“: Karen German (l.) und Kirsi Hinze.

Die beiden Chefinnen vom „Zauberkönig“: Karen German (l.) und Kirsi Hinze.

Foto: Ina Hildebrandt

Wenn man den „Zauberkönig“ an der Herrfurthstraße zum ersten Mal betritt, weiß man gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll: An der Decke hängen Tier-und Gruselmasken, in den großen Regalen drängen sich Gläser mit bunten Clownsnasen an Zauberkästen, „Nachtigall-Flöten“, „Wurm-Pillen“ und falsche Schnurrbärte. Kein Fleck, wo einem nicht etwas Sonderbares oder Lustiges ins Auge fällt. Man will nicht weg, bevor man sich nicht all diese Dinge angeschaut hat.

„Der Laden lebt vom Staunen und der Begeisterung der Kunden“, sagt Kirsi Hinze über das Geheimnis und die Faszination des „Zauberkönig“. Gemeinsam mit Karen German führt sie den kultigen Laden für Zauberei-und Scherzartikel mit seiner 136-jährige Geschichte und einigen Orts- und Inhaberwechseln. Einer von ihnen war Germans Großvater, Günter Klepke, der den Laden 1978 am alten Standort in der Hermannstraße in Neukölln übernommen hatte. Noch im hohen Alter verzauberte der leiden­schaftliche Magier seine Kundschaft, als bereits seine Tochter das ­Geschäft weiterführte.

"Zauberkönig": Mehr als 2500 Artikel zum Zaubern und Scherzen

German hatte aber nicht geplant, in diese Fußstapfen zu treten. Es war eher eine Schnapsidee, die sich die Freundinnen mal durch den Kopf hatten gehen lassen. Als Germans Tante den „Zauberkönig“ nicht mehr weiterführen wollte, griffen die jungen Frauen die Idee wieder auf. „Es wäre schade, wenn es kein Juckpulver mehr zu kaufen gäbe. Das war der einzige Gedanke. Das, was da alles auf uns zukam, ahnten wir nicht“, sagt Hinze.

Der Sprung ins kalte Wasser bedeutete zunächst: zaubern lernen. Günter Klepke ­brachte seinen Lehrlingen bei, wie die Zauberartikel funktionieren, damit sie ­sowohl Anfänger als auch Profis kompetent beraten können. Die Welt der Zauberei ist nicht nur ein eigenes Fachgebiet, sondern auch eine Männerdomäne. Da müsse man sich erstmal etwas erarbeiten, so German. Mit Offenheit und Freude an der Sache fahren sie einen guten Kurs und haben bisher keine unangenehmen Erfahrungen gemacht. Die beiden Geschäftsfrauen lernen viel aus den Gesprächen mit ihren Kunden. Für anspruchsvolle Zaubertricks auf Profi-Niveau stehen ihnen auch kompetente Mitarbeiter zur Seite.

Mittlerweile umfasst das Sortiment des „Zauberkönigs“ mehr als 2500 Artikel. Besonders gefragt seien Kartenspiele und die künstlichen Kackhaufen. Ein Dauerbrenner sei auch die Ballvase, erzählt Hinze und holt einen Gegenstand hervor, der aussieht wie ein Eierbecher mit Standfuß. Darin befindet sich ein kleiner Ball, den man verschwinden und wieder hervorzaubern kann. Wie der Trick genau funktioniert, wird jedoch nicht verraten. Denn die Erklärung gibt es erst, wenn man den Artikel kauft. „Unser Geschäft lebt von Geheimnissen“, sagt German. Deswegen kann man die gekauften Zauberartikel auch nicht ­zurückbringen, es sei denn, sie weisen ­Materialfehler auf.

"Zauberkönig": Bald soll es Workshops im eigenen Zauberkabinett geben

Mit dem Umzug in den Schillerkiez Anfang 2019 erlebte der „Zauberkönig“ eine erneute Veränderung: Die Ladenfläche ist mit 120 Quadratmetern mehr als doppelt so groß wie zuvor. Das ermöglichte es den Frauen, sich einen kleinen Traum zu erfüllen und ein Zauberkabinett einzurichten. In einem Seitenraum möchten sie Zauberworkshops und Shows veranstalten. Auch die Kundschaft habe sich etwas gewandelt. Es kämen vornehmlich Leute aus der neuen Nachbarschaft auf der Suche nach Geschenken, aber auch nach wie vor die Zauberinteressierten aus der ganzen Stadt. Nur die Ur-Neuköllner, die aus Britz und Rudow angefahren kamen, um im alten Laden vorbeizuschauen, kommen jetzt seltenener vorbei, ­bedauert Hinze.

Zurzeit sei jedoch überhaupt viel ­weniger los im „Zauberkönig“ im Vergleich zu ­Anfang des Jahres. Ob es an der Pandemie liegt oder daran, dass jeder schon mal hier war, wissen die beiden nicht. Das Ausbleiben der Touristen und ­internationalen Zauberfans sei jedoch deutlich spürbar. Auch die ausgefallenen Feiern und Festivals haben dazu geführt, dass kaum Schminke und Kostüme verkauft wurden.

Dennoch schauen die Frauen optimistisch in die Zukunft. Demnächst wollen sie mit Workshops im Zauberkabinett anfangen und setzen auf ein besseres Geschäft zu Halloween und Weihnachten. „Wir hoffen, wir schaffen es einfach“, sagt German.

Wo, wenn nicht im „Zauberkönig“, könnten wundersame Dinge geschehen. So etwa, wie German erzählt, dass ihr Großvater vorige Woche verstorben sei und sich noch gewünscht hatte, in der Berliner Morgenpost erwähnt zu werden, deren treuer Leser er war.

Zauberkönig, Herrfurthstr. 6A, Neukölln, Mo.–Sbd., 11–19 Uhr, Tel. 49 20 57 51, www.zauberkoenig-berlin.de

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