Berliner Perlen

Kreative Flicken und Bügelbilder - made in Berlin

Applikationen zum Aufnähen oder Aufbügeln sind die Passion von Kathrin und Steffen Jahnes. Kaufen kann man sie in Friedrichshain.

Steffen Jahnes greift in die Vollen - die Auswahl an Bügelflicken ist riesig.

Steffen Jahnes greift in die Vollen - die Auswahl an Bügelflicken ist riesig.

Foto: Katrin Starke

Berlin. Das Spielfeld mit dem sattgrünen „Rasen“ ist gerade mal acht Zentimeter lang, der Ball mit den schwarzen und weißen Sechsecken hat einen Durchmesser von etwa vier Zentimetern. In der Wühlkiste in der Ladenmitte finden sich diese beiden Motive ziemlich häufig – neben zahlreichen weiteren kleinen Stoffstücken, bestickt mit kleinen Gespenstern, Raketen, Flugzeugen oder putzigen Tiermotiven.

„Die kleinen Bügelbilder mit Fußballbezug sind der Renner – gerade wenn eine Welt- oder Europameisterschaft ansteht“, sagt Steffen Jahnes. So werden in den nächsten Monaten wohl wieder verstärkt kleine und große Fans des runden Leders mit den lustigen Applikationen auf ihren Jeansjacken durch Berlin laufen, die sie im „Wertstück Flickli“ gekauft haben.

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Jeder angebotene Stoffteil entstand nach eigenen Entwürfen

Seit 2012 betreiben Kathrin und Steffen Jahnes in Friedrichshain ihren Laden für Applikationen zum Aufbügeln, Aufnäher und Bügelflicken mit den verschiedensten Motiven. „1000 werden es sicher sein“, schätzt Steffen Jahnes, während er den Blick über die vielen Tütchen mit den „Wertstücken“ schweifen lässt, die überall an den Ladenwänden aufgereiht sind.

Das Besondere: Jeden einzelnen Flicken hat Kathrin Jahnes selbst entworfen. Schon während ihres Studiums der Bildenden Kunst in Luzern und später an der Berliner Universität der Künste entdeckte die gebürtige Schweizerin ihr Faible für die Handstickerei, erst mit Nadel und Faden, später mit der Stickmaschine. Nach dem Studium kam ihr die Idee, mittels Kleinkunst Kleidung wieder nutzbar zu machen, die zum Wegwerfen zu gut, aber langweilig geworden war. So entstanden die ersten Applikationen – die kleinen Schwalben als Schulterstücke für die Jeansjacke, die großen Patches für den Jackenrücken, die Astronauten zum Aufbügeln oder die verschmitzt dreinschauenden Wikinger und die dekorativen Anker mit dem roten Herz in der Mitte.

„Im Laden gab es dann häufig die Nachfrage, ob die Stoff-Applikationen auch als Flicken geeignet seien“, erzählt Steffen Jahnes. Was das Paar auf den Gedanken brachte, spezielle Flicken aus robustem Stoff zum Aufbügeln zu entwickeln. „Inzwischen arbeiten wir weitgehend mit Bio-Jeansstoff aus Baumwolle, aber auch mit Bio-Nessel. Guter, natürlich und fair produzierter Stoff – das ist uns wichtig.“

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Streetart als Inspiration

Kauften anfangs zumeist Eltern die „Flicklis“ für die zerrissenen Jeans ihrer Kinder, erwerben die Erwachsenen sie heute zunehmend für ihre eigenen Kleidungsstücke. „Die entscheiden sich meist für nicht so verspielte, sondern eher grafische Motive“, sagt Kathrin Jahnes.

Mitunter lässt sich die Künstlerin von Berliner Streetart zu einem neuen Muster inspirieren, mal fallen ihr bei einem Spaziergang neue Motive ein. Schnell skizziert sie dann einen ersten Entwurf in ihr Heft, bevor sie das Design in ihre Stickmaschine programmiert. Gerade erst hat sie neue Knieflicken kreiert, elfeinhalb Zentimeter breit für Damengrößen, 20 Zentimeter breit für Herrengrößen.

„Die Breite ist entscheidend, damit beim Beugen des Knies keine Wulst entsteht“, erläutert ihr Mann. Meist seien es die gleichen Stellen, an denen Hosenstoff durchgescheuert sei: „Bei Radfahrern ist es die Gesäßfalte. Bei Leuten, die ihr Portemonnaie in der Hosentasche tragen, ist es deren untere Kante.“

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Auch Autositze kann man mit den Flicken aufpeppen

Die Kunden würden die Flicken längst nicht mehr nur auf ihre Kleidung bügeln oder nähen, sondern auch auf Sofas oder Autositze. „Wir sind ein richtiger Flickenfachhandel“, sagt Steffen Jahnes. Das Paar empfiehlt seinen Kunden, Flicken lieber aufzunähen statt aufzubügeln. „Ist aufwendiger, aber nachhaltiger.“ Weil sich der Flicken problemlos von der Kleidung ablösen lässt, wenn Hose oder Jacke irgendwann doch hinüber sind.

In den Anfangsjahren hat Kathrin Jahnes die „Flicklis“ im Geschäft hergestellt, jetzt produziert sie diese in ihrer Werkstatt in der Prignitz, wohin das Paar 2016 mit den beiden Kindern zog. Im Laden ist dadurch mehr Platz fürs Bügelbrett: „Will jemand einen Flicken sofort auf seine Jacke gebügelt haben, mache ich das gern“, sagt Steffen Jahnes.

Wertstück Flickli, Gärtnerstraße 22, Friedrichshain, Mi.–Fr. 11–18 Uhr und Sbd. 11–16 Uhr, Tel. 12 02 22 23, www.flickli.de