Berliner Perlen

In Friedrichshain gibt es Design-Klassiker aus aller Welt

Klare Linien zeichnen Möbel im „Mid-century modern“-Stil aus. Lars Triesch verkauft sie in seinem Geschäft „Original in Berlin“.

Inhaber Lars Triesch hat aus seinem anfänglichen Hobby ein florierendes Geschäft gemacht. Er sammelt und verkauft Möbel im „Mid-century modern“-Stil an Design-Liebhaber aus aller Welt.

Inhaber Lars Triesch hat aus seinem anfänglichen Hobby ein florierendes Geschäft gemacht. Er sammelt und verkauft Möbel im „Mid-century modern“-Stil an Design-Liebhaber aus aller Welt.

Foto: Moritz Stengel

Das Geschäft mit modernen Designer-Stücken aus den 1940er- bis 1970er-Jahren hätte gar nicht „Original in Berlin“ heißen müssen. Inhaber Lars Triesch stammt aus Koblenz. Dort hatte er früher mit seiner Rockband Profession Reporter Erfolg, und dort hat auch seine Sammelleidenschaft begonnen. Aus Liebe ist er in die Hauptstadt gezogen: 2009 wurde seiner Frau eine interessante Arbeitsstelle in Berlin angeboten, und Koblenz war passé.

Als Triesch 2010 seine Firma für außergewöhnliche Möbel, Lampen und Einrichtungsgegenstände von vornehmlich US-amerikanischen, australischen, skandinavischen und westeuropäischen Designern gründete, verfügte er zwar nur über 50 Quadratmeter Ladenfläche – aber schon über eine beachtliche Sammlung an „Mid-century modern“-Möbeln. Denn schon mit 18 Jahren fing er an, sich mit Design zu beschäftigen und auf die Jagd nach gut Gestaltetem zu gehen.

Dieses Hobby hat Triesch zum Beruf gemacht. Mit dem Erlös aus einem Hausverkauf begann Triesch, kontinuierlich seine Bestände aufzustocken. Seit 2012 gibt es das Geschäft mit Werkstatt an der Karl-Marx-Allee. Zu DDR-Zeiten befand sich dort ein Geschäft für Jugendmode. Nach dem Mauerfall zog ein Küchenstudio ein. Und mit Triesch hielt „Original in Berlin“ Einzug. Zusammen mit dem Fundus sind etwa 2000 der besonderen Stücke auf insgesamt 1000 Quadratmetern untergebracht – vom kleinen Lämpchen bis zur ausladenden Sitzgarnitur. Vieles kann im Showroom des denkmalgeschützten Ladens direkt besichtigt werden.

Triesch hat Fans auf der ganzen Welt. Berlin sieht er als Drehkreuz

Ein Großteil der Produkte wird auch im Internet angeboten, weil es Liebhaber des Triesch-Sortiments rund um den Globus gibt. Somit ist Berlin vor allem das Drehkreuz im Handel mit Stücken international renommierter Designer wie Charlotte Perriand, Hans J. Wegner, Pierre Chapo, Gio Ponti, Paul McCobb, Jens Risom oder George Nelson. Die Fundstücke kommen aus aller Welt. Agenten der Firma sichten, kaufen und sammeln die Gegenstände. Ihre Reise nach Deutschland treten die Möbel zumeist auf Containerschiffen an.

„Den Stücken ist ihr bewegtes Leben zumeist anzusehen – mit einem Alter von bis zu 80 Jahren“, erzählt Lars Triesch. Folglich müssen sie vor dem Verkauf originalgetreu restauriert werden. Zu diesem Zweck hat der Design-Experte eine Werkstatt eingerichtet. Dort werden von einem Diplomrestaurator, einem Polsterer und Herrenschneider Jörg Müller die betagten Teile so auf Vordermann gebracht, dass sie wieder richtige Schmuckstücke sind. Wie neu wirken sie dann. Und bloß die besondere Handschrift ihrer Gestalter weist dann noch darauf hin, dass die Stücke bisweilen in den 1940er-Jahren entstanden sind.

Berliner geben eher wenig Geld für hochwertiges Interieur aus

Da es sich bei allen Teilen um Unikate, ja geradezu museale Kunstwerke handelt, haben sie natürlich ihren Preis. Die Spanne beginnt bei einigen hundert Euro für eine Lampe und geht in den fünfstelligen Bereich für besonders aufwendig restaurierte Sitzmöbel. Schließlich werden für diese manchmal ganz neue Bezüge aus Stoff oder Leder angefertigt.

„Bei uns gibt es sowohl Sammlerstücke für Design-Liebhaber als auch Einrichtungsgegenstände für das besondere Wohnambiente“, sagt Triesch. Das ist natürlich – gerade finanziell – nicht jedermanns Sache. Denn Berliner geben eher wenig Geld für hochwertiges Interieur aus. Daher treten viele der in Friedrichshain versammelten Stücke nach der Restauration wieder die Reise in die Welt an. „Aber es gibt auch hier zunehmend Design-Liebhaber, die sich ihre Wohnungen und Häuser komplett von Innenarchitekten einrichten lassen. Bei uns werden sie dann fündig“, verspricht Triesch.

Mit seiner Frau und den beiden Kindern lebt er noch in Kreuzberg. Doch bald zieht es den 39 Jahre alten Geschäftsmann vor die Tore der Stadt: ins Berliner Umland nach Kleinmachnow. Dort entsteht in diesem Jahr – eine Premiere in Deutschland – ein Haus nach Entwürfen des im vergangenen Jahr verstorbenen US-Architekten Ray Kappe. Dessen Anspruch war es stets, modernistische Architektur alltagstauglich, geradezu gemütlich zu machen. Viel Glas, viel Holz, viel Licht – das sind die Elemente der in Modularbauweise errichteten Kappe-Domizile. Und was für Möbel passen dazu am besten? Triesch schaut sich still lächelnd im Laden um. Die Frage beantwortet sich von selbst.

Original in Berlin, Karl-Marx-Allee 83, Friedrichshain, Tel. 609 60 46, Di.–Fr. 12–19 Uhr, Sbd. 12–16 Uhr, www.originalinberlin.de