Berliner Perlen

Warum Bonsais in Berlin immer mehr Liebhaber finden

Sie sind ungewöhnlich und oft sehr alt: Bonsais. Das Fachgeschäft „Boomki“ an der Kantstraße weiht in die Welt der Mini-Bäume ein.

Der Umgang mit den Mini-Bäumen erfordert Know-How.

Der Umgang mit den Mini-Bäumen erfordert Know-How.

Foto: Maximilian Glas

Bonsais gehören zu den interessantesten und zugleich dekorativsten Pflanzenkunstwerken. Der japanische Begriff bedeutet so viel wie „Anpflanzung in der Schale“. Die Geschichte dieser Technik begann allerdings vor mehr als 2000 Jahren in China mit Miniaturlandschaften auf einem Tablett.

Je kleiner das Abbild im Vergleich zum Original war, desto mehr magische Macht wurde dem kleinen Kunstwerk zugeschrieben. Erst vor etwa 700 Jahren begannen die Japaner, diese Kunstform zu kopieren, und entwickelten einen eigenen Stil. Statt ganzer Landschaften gestalteten sie nur einzelne Bäume.

In der Bonsaikunst sind gärtnerische Techniken und asiatische Ästhetik auf einzigartige Weise vereint. Ende des 19. Jahrhunderts gelangte diese Pflanzkunst auch nach Europa.

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Bonsais in Berlin: Bei "Boomki" kommen Kunst und Handwerk zusammen

„Boomki“ an der Charlottenburger Kantstraße ist ein Fachgeschäft speziell für Bonsais. „Wir sind ein richtiger Handwerksbetrieb, in dem die Bonsaikunst zelebriert wird. Wir versuchen, auch unseren Kunden die Liebe und die Technik dafür zu vermitteln“, sagt Andrea, der lieber nicht mit seinem Nachnamen erwähnt werden möchte. „Wir wollen den Menschen vermitteln, dass es nicht nur darauf ankommt, die Pflanzen klein zu halten, sondern dass sie auch zu ihrer Schale passen. Es soll ein harmonisches Gesamtbild entstehen.“

Seit drei Jahren arbeitet der junge Mann bei „Boomki“ und ist vor allem für die Kurse zuständig. Denn in dem Geschäft werden auch Workshops für Anfänger bis Profis angeboten.

Im Alter von 14 Jahren hat Andrea in Italien von seinem Vater einen Bonsai als Weihnachtsgeschenk bekommen und wollte gleich in einem Kurs alles zu seiner Pflege lernen. „Da erwachte dann auch meine Leidenschaft für diese Pflanzenkunst. Letztlich ist es so: Wenn die ersten Erfahrungen gut waren, bleibt man dabei. Aber man braucht gute Beratung.“

Für die Miniaturversionen großer Bäume braucht man viel Geduld

„Boomki“ wurde 2016 von einer südafrikanischen Künstlerin eröffnet. Der Name stammt aus dem Afrikaans und heißt übersetzt „Bäumchen“. In Form und Wuchs ähneln Bonsais ihren ausgewachsenen Verwandten – sind allerdings in der Regel nicht größer als einen Meter. Das Aussehen der kleinen Bäume ist das Ergebnis jahrelanger Pflege, Fingerspitzengefühls und viel Geduld.

Die Regel – auch in der Natur – ist: je kleiner der Wurzelballen, desto kleiner bleibt auch die Krone. „Das erreichen wir dadurch, dass der Platz in der Schale begrenzt ist“, sagt der Fachmann und fügt hinzu: „Wenn man die Bäume auspflanzen würde, würden sie wieder anfangen zu wachsen.“ Allerdings werden Bonsais in der Regel deutlich älter als ihre Brüder in der freien Natur.

Anfängern empfiehlt Andrea, bereits gestaltete Bäume von Fachleuten zu kaufen und diese regelmäßig in Form zu halten. Eine Aufzucht aus Samen sei schwierig und erfordere viel Geduld. Bei guter Pflege können Bonsais viele Hundert Jahre alt werden – und sehr wertvoll.

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Bonsais stillen Sehnsucht nach Natur

Aber was macht den Reiz dieser kleinen Pflanzen aus? „Bäume und Pflanzen haben schon durch ihre Präsenz eine positive Wirkung auf den Menschen. Und gerade in großen Städten herrscht oft eine große Sehnsucht nach mehr Natur. Mit Bonsais bekommt man ein kleines Stück Natur für zuhause, ohne Platzprobleme zu haben“, erläutert Andrea. Zudem würden die Mini-Bäumchen Ruhe ausstrahlen, ein Rückzugsort in stressigen Zeiten. „Es tut vielen Menschen gut, ein anderes Zeitgefühl zu entwickeln, sich nicht getrieben zu fühlen – sie können mit der Pflege ihre Geduld trainieren.“

Waldkiefern, Wildoliven, Johannesbrotbäume, Pinien oder Ficuspflanzen: Bei „Boomki“ gibt es die unterschiedlichsten Baumarten als Miniatur. Viele sind noch mit Drähten versehen, um sie in Form zu bringen. Die Formhilfe muss etwa ein Jahr lang dranbleiben. Neu im Sortiment sind Landschaften in großen Gläsern, die durch ihr Mikroklima pflegeleicht sind. Und sie versuchen gerade, Kräuter in Schalen oder Korkstämmen zu züchten. Das ist ideal für alle, die weder über einen Garten noch über einen Balkon verfügen. Dass die Fachleute von „Boomki“ ihr Handwerk verstehen, wird auch gewürdigt: Im vergangenen Jahr haben sie 13 Medaillen auf der Bundesgartenschau gewonnen.

In der Anschaffung sind Bonsais recht teuer, und auch die Pflege ist nicht umsonst. Fachleute rechnen mit etwa 15 Euro Pflegekosten pro Jahr. Aber die Bonsaikunst liegt im Trend – in Berlin gibt es mittlerweile sogar eigene Fanclubs.

Boomki, Kantstraße 141, Charlottenburg, Mo. 12–18 Uhr, Di.–Sbd. 12–19 Uhr, Tel. 55 60 78 81, www.boomki.de