Berliner Perlen

Märchenhafte Mosaike aus dem Schöneberger Akazienkiez

Im Akazienkiez verkaufen Sissi Hüetlin und Heiner Senfft gebrannte Fliesen in vielen Variationen. Gefertigt werden sie in Marokko.

Heiner Senfft und Sissi Hüetlin präsentieren Muster in ihrem Geschäft „Habibi Interiors“.

Heiner Senfft und Sissi Hüetlin präsentieren Muster in ihrem Geschäft „Habibi Interiors“.

Foto: Franz Michael Rohm

Eine Aura von Behaglichkeit, Geschmack und Understatement verströmen die großen Räume im Erdgeschoss von „Habibi Interiors“. An den Wänden hängen Dutzende Muster von Mosaikfliesen: schlichte einfarbige, solche, die an die Täuschungsbilder des für seine unmöglichen Figuren bekannten niederländischen Zeichners M. C. Escher erinnern, und auch besonders farbenfrohe Fliesen. Diese könnten einige Berlinerinnen und Berliner möglicherweise schon auf Reisen gesehen haben – etwa in der andalusischen Alhambra in Granada oder in der Medina, der Altstadt der uralten marokkanischen Stadt Fès.

In Fès sind sie auch Sissi Hüetlin vor vielen Jahren aufgefallen. Die 53 Jahre alte Filmemacherin sah sie beim Dreh einer Reportage für Arte über Hippies und „war sofort in Bann gezogen von dieser einmaligen Kunstfertigkeit“. Ihr Partner Heiner Senfft hatte bereits einige Jahre zuvor die Idee, die jahrhundertealte Handwerkstradition wieder aufleben zu lassen. In London baute er im Stadtteil Westminster den Keller eines viktorianischen Hauses mit einem Mosaikbad aus.

„Darüber berichtete sogar CNN, und die Nachfrage nach marokkanischen Fliesen stieg enorm“, erzählt der 54-Jährige. Mit einem marokkanischen Bekannten begann er, Fliesen und Mosaike zu importieren. Und er besuchte die traditionellen Arbeitsstätten in der zentralmarokkanischen Stadt Fès. Mittlerweile gibt es dort eine eigene Manufaktur. 2015 wurde schließlich das Geschäft „Habibi Interiors“ im Akazienkiez eröffnet.

Keine Fliese gleicht der anderen, wenn sie aus dem Ofen kommt

In Fès brennen die Handwerker wie in alter Zeit die bunten, lasierten Fliesen im holzbefeuerten Ofen. Was zur Folge hat, dass auch Fliesen, die zuvor dieselbe Farbe hatten, hinterher unterschiedlich aussehen. „Das liegt an den unterschiedlichen Temperaturen im Ofen. Jeder Hitzeunterschied sorgt für eine andere Nuance der Farbe auf den Fliesen. Pedantische Menschen mögen so etwas nicht. Wir finden, diese Fliesen leben erst dadurch“, erklärt Sissi Hüetlin.

Wenn sie und ihr Partner von ihren Besuchen in der Manufaktur berichten, leuchten ihre Augen. 20 Menschen arbeiten dort mittlerweile – zu fairen Bedingungen. Das bedeutet, dass 20 Familien versorgt werden. Und es bedeutet auch ein Weiterleben einer uralten Kunstform.

Wenn die Kacheln gebrannt sind, werden mit einem scharfen Hammer Figuren und Formen herausgeschlagen und anschließend in Mosaiken zusammengesetzt. Je komplexer die Muster sind, desto teurer werden auch die Mosaike in der Herstellung. Für einen Quadratmeter können mehrere Tausend Teile verwendet werden.

Quadratmeter kostet zwischen 150 und 1000 Euro

Die Preisspanne bei „Habibi Interiors“ liegt zwischen 150 und 1000 Euro je Quadratmeter. „Dazu kommen noch Kosten für Transport und die Kosten des Fliesenlegers hier in Berlin“, ergänzt Heiner Senfft. Es sind überwiegend Liebhaber, die in das Geschäft kommen, sich beraten lassen und die luxuriösen Bäder besichtigen, die im hinteren Teil des Geschäfts als Showroom vollständig mit unterschiedlichen Mosaiken gefliest sind.

Im Eingangsbereich des Ladens steht ein lindgrünes Büfett aus den 20er-Jahren, davor ein moderner Gasherd in einem antiquarischen hölzernen Metzgertresen. Bis zu zwölf Personen können an einem Tisch sitzen und marokkanische Gerichte genießen. „Der Raum ist einfach wunderbar für Kundenveranstaltungen“, meint Sissi Hüetlin. Dabei können potenzielle Kunden sehen, wie aufwendig und kunstfertig die Mosaike hergestellt werden.

„Neben den Menschen, die die Fliesen brennen und bearbeiten, gibt es eine weitere Gruppe Arbeiter. Diese Menschen legen die Mosaike so, wie sie bei uns bestellt werden. Wir fertigen das Mosaik vor Ort eins zu eins, wie es dann später in Berlin gefliest wird. Auch das ist Teil dieses wunderbaren Kunsthandwerks“, so Heiner Senfft.

Habibi Interiors, Eisenacher Straße 56, ­Schöneberg, Tel. 23 91 56 05, Mo.–Sbd. 11–18 Uhr, www.habibi-interiors.com