Berliner Perlen

Im Reich der Tausend Lichter

Mustafa Findik betreibt in Wilmersdorf einen Laden, der ein Refugium für wertvolle Jugendstil-Lampen aller Art ist.

Inhaber Mustafa Findik hängt besonders an dem von ihm gebauten kreisrunden Messingleuchter.

Inhaber Mustafa Findik hängt besonders an dem von ihm gebauten kreisrunden Messingleuchter.

Foto: Moritz Stengel

Die dunkle Jahreszeit schlägt so manchem aufs Gemüt. Da wird jede der seltenen Gelegenheiten genutzt, einige der wenigen Strahlen der Sonne zu erhaschen. Doch was tun, wenn die sich tagelang hinter den Wolken verschanzt und sich nicht blicken lässt?

Elektrisches Licht ist der Weg aus dem Dunkel. Und da es dabei meist nicht nur um die schnöde Beleuchtung an sich geht, sondern der Lichtspender auch noch stilprägender Teil des Zuhauses ist, machen sich Lichttechniker und Lampenbauer ans Werk, um uns mit der Vielfalt ihres Angebots auf geschmackvolle wie effiziente Art heimzuleuchten.

Wer dabei auf Massenprodukte setzt, ist sicherlich in Möbelhäusern oder Baumärkten gut aufgehoben. Dort gibt es eine große Vielfalt industriell gefertigter Lampen zu erschwinglichen Preisen. Wer hingegen auf Individualität und Exklusivität setzt, dem bleibt der Weg in eines der wenigen in Berlin noch vorhandenen Lampen-Fachgeschäfte nicht erspart. Da hat man meist die Qual der Wahl zwischen all den Steh-, Tisch- und Hängelampen aus verschiedenen Materialien in allen möglichen Farben und Formen. Wohl dem, der zuvor schon eine ungefähre Ahnung davon hat, welche Lampe zu seinem Einrichtungsstil passt.

Besonders Jugendstil-Leuchter haben es Mustafa Findik angetan

„Darf es vielleicht ein Exemplar in Jugendstiloptik sein?“ Bitte sehr! Der filigrane, üppig verzierte Stil entstand an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und gilt bis heute als sehr elegant. Für Liebhaber dieser klassischen Leuchter ist das Lampengeschäft von Mustafa Findik an der Wilmersdorfer Uhlandstraße seit 1972 eine der Anlaufstellen schlechthin. Der

55 Jahre alte Inhaber hat auf einer Verkaufsfläche von 130 Quadratmetern all das versammelt, was die Augen der Liebhaber nostalgischer Lampen zum Leuchten bringt. Es gibt große und kleine Lampen, mit weißem oder buntem Schirm, als Decken-, Tisch- oder Stehlampe, als Einzelstrahler oder dekorativer Leuchter im Zusammenspiel mit anderen. „Alles ist Handarbeit, keine Industrieware. Die neuen und antiken Lampenschirme sind allesamt mundgeblasen und damit natürlich aus Glas“, versichert die langjährige Mitarbeiterin Elisabeth Schaffors.

Und wer in dem Laden der Tausend Lampen nicht das für seine Zwecke oder seinen Geschmack passende Exemplar findet, für den kann Mustafa Findik Abhilfe schaffen. Denn der gelernte Elektroinstallateur verfügt in seinem Geschäft über einen Bestand von Zehntausenden Einzelteilen, um Lampen nach Kundenwunsch neu anzufertigen oder defekte Geräte stilgerecht zu reparieren.

Auch Reparaturen und Neuanfertigungen gibt es hier

„Kleine Reparaturen erledige ich oft sofort, größere meist innerhalb einer Woche“, sagt Findik. Dafür hat er im Ladengeschäft einen Arbeitstisch aufgestellt, an dem er immer dann, wenn kein Kunde im Geschäft ist, werkelt. Dabei kann er auf einen riesigen Bestand von Ersatzteilen zurückgreifen, die sich im Laufe der Jahre in dem50 Quadratmeter großen Lager angesammelt haben. Nahezu blind weiß Findik, wo er die passende Fassung, das richtige Kabel oder den farbigen Lampenschirm findet.

„Oft besitzen meine Kunden eine Lampe, die es so nicht mehr zu kaufen gibt, und wollen eine weitere gleicher Bauart haben. Oder sie haben eine Stehlampe und wollen dazu die passende Tisch- oder Deckenlampe. Die muss ich dann anfertigen“, sagt Findik. Häufig nehmen auch Hotels und Restaurants seine Dienste in Anspruch, um für ihre Einrichtung ein einheitliches Beleuchtungskonzept zu haben. „Bislang gab es noch keinen Aufrag, den ich nicht erledigen konnte“, versichert der Lampen-Experte.

Auch der Sohn will Elektroinstallateur werden

Bereits seit 1972 gibt es den Lampenladen an der Wilmersdorfer Uhlandstraße Ecke Berliner Straße. Gegründet wurde er von Lothar und Marianne Lee, die ihm den Namen „L&M Lee Lampen“ gaben und der noch heute so heißt. Nach mehreren Unternehmungen mit Lampengeschäften am Kurfürstendamm und am Nollendorfplatz hat Findik vor zehn Jahren das Geschäft übernommen. Viele der imposanten Deckenleuchter, die das Geschäft zieren, hat er seitdem selbst gebaut, an denen hängt er natürlich besonders.

Aber noch muss der Vater von drei Kindern, der 1980 aus der Türkei nach Berlin gekommen ist, auf familiäre Unterstützung im Geschäft warten. Denn ebenso wie der Vater lernt der älteste Sohn derzeit den Beruf des Elektroinstallateurs und will nach Abschluss der Ausbildung in das Geschäft einsteigen. Damit dürfte dann für lange Zeit gesichert sein, dass in dem besonderen Lampengeschäft an der Uhlandstraße so schnell nicht das Licht ausgeht.

L. & M. Lee Lampen, Uhlandstraße 95, Wilmersdorf, Tel. 204 47 23, Mo.–Fr. 10–18 Uhr, Sbd. 10–16 Uhr, www.lampen-lee-berlin.de