Berliner Perlen

"Viel Spiel" ist eine Fundgrube für den Weihnachtsmann

In Mitte führt Antje Zülow ihren Laden „Viel Spiel“. Auf einer Fläche von 140 Quadratmetern gibt es alles, was Kinderherzen erfreut.

Antje Zülow (l.) kümmert sich gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Silvana Zeising um die kleinen und
großen Kunden.

Antje Zülow (l.) kümmert sich gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Silvana Zeising um die kleinen und großen Kunden.

Foto: Moritz Stengel

Berlin. Lotta hat sie gleich entdeckt. Zielsicher geht die Dreijährige zum nostalgischen Stubenwagen aus Korb, der mitten im Laden steht. Behutsam nimmt sie die Babypuppe heraus und drückt sie fest an sich. Ihre Augen strahlen.

Während unseres Besuchs im Spielzeugladen von Antje Zülow lässt Lotta die Puppe nicht aus den Augen und legt sie nur gelegentlich aus dem Arm. Doch die Verlockungen ringsherum sind so groß, dass selbst eine verantwortungsvolle Puppenmutter zwischen Teddy­bären, Blechspielzeug, Kinderbüchern, Musikinstrumenten, Baukästen, Gesellschaftsspielen, Bällen und Bastelmaterial in Versuchung gerät, alles genauer in Augenschein zu nehmen.

Das ist natürlich genau im Sinne der 53 Jahre alten Geschäftsinhaberin von „Viel Spiel“, die ihren Laden an der Großen Hamburger Straße in Mitteseit April 2003 betreibt. Auf einer Verkaufsfläche von 140 Quadratmetern hat sie auf Tischen, in Regalen, an den Wänden und von der Decke hängend all das versammelt, was Kinderaugen leuchten und Erwachsene wieder zu Kindern werden lässt.

Alles kann angefasst und ausprobiert werden

„Sieh mal hier, ,Sandmännchen auf der Leuchtturm­insel‘ von Rudi Strahl. Das Buch habe ich schon als Kind geliebt“, haucht eine Mittfünfzigerin ihrem Begleiter zu. So ist es überall im wunderbaren Spielzeug­paradies von Antje Zülow: In jedem Winkel, jeder Ecke gibt es Bekanntes aus eigenen Kindertagen und viel Neues zu entdecken.

„Das ist einer der großen Vorteile eines Ladens gegenüber dem Internethandel: dass die Kunden sich in Ruhe die Dinge anschauen und eventuell auch ausprobieren können. Da gibt es später keine bösen Überraschungen“, sagt die begeisterte Geschäftsfrau, die bereits seit fast 20 Jahren in der Spielwarenbranche arbeitet.

Angefangen hat die damals arbeitslose Betriebswirtin mit einem kleinen Geschäft an der Pistoriusstraße in Weißensee: „Da meine Kinder damals schon 14 und zehn Jahre alt waren, hatte ich bereits genug Erfahrung gesammelt, was Kinder mögen und auch was pädagogisch sinnvoll, nachhaltig und langlebig ist.“

Enkelkinder geben Tipps

Nicht nur in dem kleinen Laden, sondern auch auf den Öko-Märkten in ihrer Wohngegend Prenzlauer Berg war Antje Zülow mit den besonderen Spielsachen anzutreffen. Als sich 2003 die Gelegenheit bot, den schon von 1997 bis 2002 als Spielzeuggeschäft geführten Laden anzumieten, hat sie nicht lange überlegt. Trotz zahlreicher Mitbewerber konnte sie den Vermieter mit ihrem Konzept überzeugen und ihr neues Geschäfts in bester Innenstadtlage unweit vom Hackeschen Markt eröffnen.

Und sie hat das Wagnis nicht bereut. „Heute haben wir etwa 50 Prozent Stammkunden und 50 Prozent Laufkundschaft, meistens Touristen“, so die Geschäftsfrau. Woher Antje Zülow weiß, was Kinder mögen? Was für eine Frage! Obwohl erst 53 Jahre alt, hat sie mit ihren fünf Enkelkindern im Alter von drei bis acht Jahren eine innerfamiliäre Testbrigade, die jedes neue Produkt, das die Großmutter in den Bestand des Ladens aufnehmen will, zuvor auf Spielspaß und Robustheit überprüft.

Andere Parameter wie etwa Umweltverträglichkeit, pädagogischer Nutzen oder Nachhaltigkeit werden dann noch von erfahrenen Erwachsenen in Augenschein genommen, bevor ein neuer Artikel in der bunten Welt von „Viel Spaß“ einen der begehrten Plätze in den Regalen oder im Schaufenster findet.

An Heiligabend bis 13 Uhr geöffnet

Natürlich ist in einem derartigen Kinderparadies in der Vorweihnachtszeit viel los. Doch für eine Beratung nehmen sich Antje Zülow und ihre zwei Mitarbeiterinnen immer Zeit – mitunter auch, um die Geschenke liebevoll zu verpacken. Und da geht es bis Heiligabend hoch her. An allen Tagen ist bis 20 Uhr geöffnet und selbst Heiligabend noch bis 13 Uhr Gelegenheit für den Kauf eines letzten Geschenks.

Auch Lotta hat in der Zwischenzeit viele Dinge entdeckt, die sie sich vom Weihnachtsmann wünscht: ein Puppenhaus, ein Malheft, ein Kaleidoskop... Oder doch die Puppe? Nein. Behutsam legt sie diese wieder in den Stubenwagen, denn die Dreijährige weiß schon, dass ihre räumlichen und emotionalen Kapazitäten mit ihren schon vorhandenen vier Babypuppen erschöpft sind. Dann vielleicht doch lieber ein neue Ausgabe ihres Lieblingsbuches „Der kleine Angsthase“, das sie immer und immer wieder vorgelesen bekommen will.

Was für ein Geschenk es letztlich sein wird, ist geheim. Genaueres weiß nur der Weihnachtsmann. Somit bleibt bis zum Weihnachtsfest die Vorfreude – die ist ja bekanntlich besonders schön. Und leuchtende Kinderaugen sind garantiert.

Viel Spiel, Große Hamburger Straße 28, Mitte, Tel. 96 06 52 66, Mo.–Fr. 9–19 Uhr, Sbd. 11–18 Uhr, bis 23.12. tgl. 10–20 Uhr, 24.12. 10–13 Uhr, www.vielspiel.de