Berliner Perlen

In „Tutu’s Welt“ in Kreuzberg steht Keith Haring Pate

Ute Frahsa alias Tutu bezeichnet ihre Werke als „naive Pop-Art“. In ihrem Atelier in Kreuzberg gibt es Unikate und Geschenkartikel.

Ute Frahsa alias Tutu in ihrem Atelier in Kreuzberg.

Ute Frahsa alias Tutu in ihrem Atelier in Kreuzberg.

Foto: Katrin Starke

Berlin. Eine lebensgroße Figur aus Gips und Pappmaschee steht direkt im Eingang: blonde lange Haare, große Augen, in der Hand einen Kaffeebecher. Ein echter Hingucker, um Passanten auf den kleinen Pop-Art-Shop im ruhigen, dem Bergmann-Kiez abgewandten Teil der Mittenwalder Straße aufmerksam zu machen.

„Das bin ich“, sagt Ute Frahsa. „Aber noch mal würde ich das nicht machen“, fügt sie mit einem Lachen hinzu. Die Gipsbinden im Gesicht, aus denen der Abdruck für das Antlitz der Figur genommen wurde – das habe sich nicht angenehm angefühlt. Doch im Ergebnis schaut die Figur so freundlich drein, dass man gar nicht anders kann als einzutreten in „Tutu’s Welt“ – ein Laden, der in seiner Art in Berlin einmalig ist. Künstlerin Ute Frahsa alias Tutu verkauft hier ausschließlich ihre eigenen Arbeiten: vornehmlich bunte Pop-Art-Gemälde, aber auch Postkarten, Poster und hübsch verzierte Keramik.

Ihre Motive findet die waschechte Kreuzbergerin meist in ihrem Kiez: Die Sarotti-Höfe und das Urban-Krankenhaus hat Tutu ebenso gemalt wie den Landwehrkanal, das Jüdische Museum, den Wasserturm im Chamissokiez. Die Heiligkreuzkirche hat sie „schon wer weiß wie oft“ auf die Leinwand gebannt. Auch dem „Leierkasten“, der einstigen Künstlerkneipe der Berliner Malerpoeten an der Zossener Straße, hat sie mit klarem Pinselstrich ein farbenfrohes Denkmal gesetzt.

Farbenfrohe Kunstwerke nach großen Vorbildern

Die Malerei für sich (wieder-)entdeckt hat Ute Frahsa erst vor acht Jahren. Vorher habe sie „ein ganz normales Leben geführt“, sagt die 60-Jährige. Sie arbeitete in einer Tankstelle, pflegte ihre Eltern. Nach dem Tod der Mutter und dem Umzug des dementen Vaters in ein Heim war sie so erschöpft, dass sie eine Auszeit brauchte. „Da habe ich angefangen zu malen.“

Ihren eigenen Stil, den sie als „naive Pop-Art“ bezeichnet, fand sie schnell – inspiriert von den Pop-Art-Größen James Rizzi und Keith Haring, deren Arbeiten sie „wegen ihrer Einfachheit und Fröhlichkeit“ begeisterten. Immer mehr und mehr Bilder entstanden. Als eine erste Ausstellung ihrer Arbeiten in einer Kreuzberger Apotheke auf positive Resonanz stieß, entschied sich Ute Frahsa: „Jetzt mache ich es wie Heinrich Zille und werde Künstlerin.“

Über einen Künstlernamen musste sie nicht lange nachdenken: „Meine Freunde nennen mich alle nur Tutu.“ Und das seit mehr als 55 Jahren: „Entstanden ist der Name aus dem früheren Sprachfehler meines Bruders, der als kleiner Junge Tutu statt Ute zu mir sagte.“ Den Laden, der zugleich ihr Atelier ist, habe sie dann eher zufällig entdeckt.

Tutu malt auch Bilder auf Bestellung

Eine große Auswahl von Gemälden ziert die Wände von „Tutu’s Welt“. Wer ein besonderes Geschenk sucht, kann sich von ihr auch ein ganz persönliches Bild malen lassen. „Die Leute erzählen mir eine Geschichte, und ich male das Bild dazu.“ Eine solche Auftragsarbeit auf Leinwand hat je nach Größe natürlich ihren Preis. „Aber ich habe für jede Brieftasche etwas dabei“, betont sie.

Häufig kämen Kinder auf der Suche nach einem Geschenk für ihre Eltern zu ihr. „Da ist dann vielleicht eine individuell bemalte Tasse das Richtige.“ Oder eines der T-Shirts mit Aufdruck, die sie in ihrem Online-Shop anbietet. Für ganz kleines Geld gibt es außerdem Getränkeuntersetzer mit Motiven von Tutu oder mit Brausebonbons gefüllte Blechdosen mit dem Berlin-Design der Pop-Art-Künstlerin.

Vor einiger Zeit hat sie auch das Bemalen ausrangierter Alltagsgegenstände, auf die sie nicht zuletzt am Straßenrand stößt, für sich entdeckt. So hat sie jüngst einen kleinen Holztisch samt Kinderstuhl mit ihren bunten Zeichnungen verziert.

Kinder können bei ihr Mal-Geburtstagspartys feiern

Gern richtet Tutu auch Mal-Geburtstagspartys für kleine Gruppen aus. „Jedes Kind kann malen, was es will, ich stehe zur Unterstützung zur Verfügung“, sagt sie, während sie Figuren auf eine Tasse pinselt.

Mit der handbemalten Keramik hat sich für die Künstlerin ein Kreis geschlossen: „Als 16-Jährige wollte ich Porzellanmalerin werden.“ Damals klappte es nicht mit der Bewerbung bei der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Heute ist Ute Frahsa darüber nicht mehr traurig: „Dort hätte ich im Akkord malen müssen, hier bestimme ich meinen Rhythmus.“

Tutu’s Welt, Berliner Pop-Art-Shop, Mittenwalder Straße 16, Kreuzberg, Mo.–Fr. 13–19 Uhr, Sbd. 10–14 Uhr, Tel. 88 76 86 87, www.tutus-welt.de