Berliner Perlen

In der "Spicebar" kommt es auf die richtige Mischung an

In der Tegeler Manufaktur Spicebar werden angesagte Gewürzkombinationen mit ungewöhnlichen Namen hergestellt - alles bio.

Ein Mitarbeiter prüft eine Spicebar-Sorte auf Farbe und Konsistenz.

Ein Mitarbeiter prüft eine Spicebar-Sorte auf Farbe und Konsistenz.

Foto: Spicebar

Berlin. Sobald man das Treppenhaus betritt, strömt einem ein verführerischer Duft entgegen: ein würziger Geruch, der den Besucher unweigerlich ins richtige Stockwerk leitet. Im vierten Obergeschoss des Gewerbegebietes „Am Borsigturm“ ist die Spicebar angesiedelt.

Erst Ende 2015 gestartet, hat das Unternehmen bereits einen steilen Aufstieg hingelegt. Kai Dräger und Patrick Hahnel wollten mit der Gründung der Firma besondere und vor allem natürliche Geschmackserlebnisse in die Küchen bringen. Die Gewürze, die sie pur oder als Mischungen in ihrer Manufaktur vertreiben, sind deshalb alle in Bio-Qualität. Seit März hat das Online-Unternehmen auch seinen ersten Shop: in den Potsdamer Platz Arkaden in Tiergarten.

Angefangen hat alles vor vier Jahren. Patrick Hahnel, der ebenso wie Kai Dräger leidenschaftlicher Hobbykoch ist, brachte von einem Urlaub auf Sumatra ein ganz ungewöhnliches und seltenes Gewürz mit, den Andaliman-Pfeffer. „Mit seiner zitronigen Note, aber auch ordentlich Pfiff hat er uns begeistert und uns gleichzeitig auf die Idee mit dem Gewürzshop gebracht“, so Dräger, der eigentlich Betriebswirtschaftslehre studiert hat. Schon wenige Monate später wurde die Spicebar gegründet.

Spicebar in Berlin: Kooperation auf Augenhöhe mit Kleinfarmern und Kollektiven

Ihre Reisen wurden fortan von Gewürzen bestimmt: Kambodscha, Indien, Nepal, Indonesien, Spanien, Griechenland, Italien. In Brandenburg haben die Betreiber mit einem Demeter-Hof eine Kooperation und bauen Chili an.

„Wir gehen zu allen Farmern direkt, schauen uns an, wie sie wirtschaften, helfen ihnen dabei, ihre Produktion auf bio umzustellen, organisieren Verpackung und Transport. Wichtig ist uns, dass die Arbeit gerecht entlohnt wird und gute Arbeitsbedingungen herrschen“, sagt Dräger, der sich selbst als Spice-Barista bezeichnet.

Manchmal leisten die Spicebar-Gründer auch ganz praktische Hilfe – beispielsweise, indem sie Moskitonetze in Mückengebiete schicken, sodass die Farmer sich nicht mit Mückenspray einsprühen müssen, das sich auf den Gewürzen wiederfinden würde. Die Partner können Kleinbauern oder auch Farmkooperative und Wildsammlungskollektive sein.

Das Unternehmen lebt von Empfehlungen

Die Spicebar hat nie offensiv Werbung für sich betrieben. „Wir sind immer nur weiterempfohlen worden“, freut sich der Geschäftsführer. „Man merkt einfach, dass immer weniger Menschen Lust auf künstliche Aromen haben, sondern das Genusserlebnis suchen.“

Ende 2015 als kleines Start-up gegründet, mussten sie sich noch nicht mal zwei Jahre später schon vergrößern und fanden neue Produktions- und Lagerräume im historischen Gewerbegebiet „Am Borsigturm“. In diesem Jahr sind Räume für eine neue, moderne Mischerei dazugekommen. Da die Manufaktur online weiterhin stark wächst, sind auch weitere Shops denkbar.

35 Mitarbeiter verarbeiten inzwischen die Gewürze, stellen Mischungen her, verpacken alles per Hand und bearbeiten die Bestellungen. 230 Tonnen Gewürze verlassen mittlerweile jährlich die Manufaktur in Tegel – angefangen haben sie mit zehn Kilo. Jede der 35 Partnerfarmen liefert einmal im Jahr ihre Erzeugnisse nach Berlin. „Und alle haben etwas Besonderes“, schwärmt Dräger.

Von "Rauchige Drecksau" bis "Berliner Curry"

240 unterschiedliche Gewürze gibt es inzwischen bei Spicebar. Darunter so ungewöhnliche Eigenkreationen wie „Rauchige Drecksau” (Paprika und Salz, geräuchert), „Berliner Curry” (für Currywurst mit den Brandenburger Chilis), Premium-Rauchsalz, das eine Woche lang mit vier verschiedenen Holzarten geräuchert wird, Cumeo-Pfeffer aus Nepal, der eine Grapefruitnote hat und auch gut zu Süßspeisen passt. Allein 35 unterschiedliche Pfeffersorten gehören zum Sortiment. Die Gewürze werden in platzsparende Dosen abgefüllt, die extra für Spicebar angefertigt werden. Die Preise liegen, je nach Mischung, zwischen fünf und 14 Euro.

„Wir mahlen die frischen Kräuter ganz schonend und können so das optimale Aroma herauskitzeln“, erklärt Kai Dräger. Bei einigen Mischungen ist das Rösten der Gewürze besonders wichtig. Zum einen, um mögliche Bitterstoffe zu reduzieren, aber auch, um den Mischungen fantastische Röstnoten zu verleihen, wie beispielsweise beim nordindischen Garam Masala. „Kreuzkümmel und Koriander werden dafür ganz frisch geröstet und dann nach einer kurzen Ruhephase mit einer Scheibenmühle gemahlen“, sagt der Gewürzfachmann.

Alle neuen Mischungen werden beim gemeinsamen Kochen mit der Belegschaft in der großen Küche ausprobiert, bevor sie ins Sortiment aufgenommen werden. Erlebnis und Teambuilding in einem für Kai Dräger, der selber immer noch gerne kocht und sagt: „Ich habe quasi meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.“

Spicebar Store in den Potsdamer Platz Arkaden, Alte Potsdamer Str. 7, Tiergarten, Mo.–Sbd. 10–20 Uhr, Online-Shop unter www.spicebar.de