Berliner Perlen

Johanenlies ist eine Möbel-Manufaktur der besonderen Art

Mike Raaijmakers und Coco Prange stellen mit der Firma Johanenlies in Mitte Einrichtungsgegenstände aus recyceltem Bauholz her.

Mike Raaijmakers und Coco Prange haben auch ihr Zuhause mit den recycelten Möbeln eingerichtet.

Mike Raaijmakers und Coco Prange haben auch ihr Zuhause mit den recycelten Möbeln eingerichtet.

Foto: Katrin Starke

Berlin. Der Umzug ist in vollem Gange. In dem Geschäft an der Mulackstraße sind Tische und Bänke, Betten und Regale schon für den Transport verpackt. Die neuen Räumlichkeiten im „Direktorenhaus“ der Alten Münze bekommen gerade den letzten Schliff. Am 1. Dezember wird hier der neue Showroom der Firma Johanenlies eröffnet.

Zudem sitzt Mike Raaijmakers buchstäblich auf gepackten Koffern, weil er seine Upcycling-Manufaktur in den nächsten Tagen in China präsentieren wird – im Zuge der „Handmade in Germany“-World-Tour. Und doch ist von Hektik bei ihm nichts zu spüren. „Wenn du Fotos von unseren Möbelstücken machen willst, komm am besten zu uns nach Hause“, sagt er und verfällt schon am Telefon in das in seiner holländischen Heimat übliche Du.

Die Wohnung in Lübars, die Raaijmakers mit Lebenspartnerin Coco Prange vor gut einem Jahr nach der Geburt des jüngsten Sohnes Henri bezogen hat, ist im Grunde nichts anderes als ein zweiter Showroom. Das 2,50 Meter breite Regal im Esszimmer ist der Prototyp des Modells „Celeste“ aus recyceltem Bauholz, wiederverwertetem Vierkantstahl und Marmor, den Raaijmakers als Verschnitt von einem Steinmetz bezieht. Davor stehen ein langer Esstisch und eine Sitzbank aus der eigenen Manufaktur. Im Bad findet sich Sideboard „Ray“, im Wohnzimmer Beistelltisch „Lulu“ mit Marmorplatte auf Stahlrahmen. Als Raaijmakers den Küchenschrank öffnet, kommen noch Schneidebretter mit dem eingestanzten Johanenlies-Schriftzug und die Eierbecher aus Restholz zum Vorschein.

Die Erfolgsgeschichte begann mit einem selbstgebauten Bett

„Abgesehen von Stühlen umfasst unser Portfolio fast die gesamte Interieurpalette“, sagt der Holländer. Dabei ist die „Upcycling-Manufaktur für hochwertiges Möbeldesign aus recyceltem Bauholz“, wie er sein Unternehmen umschreibt, eigentlich aus einem einzigen Stück hervorgegangen – einem Bett. Das war vor vier Jahren. Raaijmakers, damals noch Weinhändler, hatte nach einem neuen Schlafmöbel gesucht, aber nichts Passendes gefunden und es sich deshalb kurzerhand selbst gebaut. „Mit der Handsäge.“ Und aus Holzbrettern, wie sie im Tiefbau benutzt werden.

Im Freundeskreis kam die Eigenkreation gut an. „Ich wurde geradezu gedrängt, ich müsse das verkaufen.“ Nur spaßeshalber habe er damals ein Bild auf einer Designplattform hochgeladen. Nach zwei Tagen war das Möbelstück verkauft – und die Geschäftsidee für Johanenlies geboren. „Ich wollte mich beruflich sowieso verändern, um mehr Zeit für meine Kids zu haben“, erzählt Raaijmakers.

Puristisches Design und klare Strukturen

Seine beiden älteren Kinder Johan und Lies, heute acht und neun Jahre alt, waren es schließlich auch, nach denen Raaijmakers seine Firma benannte. „Aber Henri wird keinen Grund haben, eifersüchtig zu sein“, sagt er und blickt mit einem Lächeln hinüber zu seiner Lebensgefährtin, die den 16 Monate alten, gemeinsamen Sohn in ihren Armen wiegt. Ihm will das Paar eine Kinderkollektion widmen. Die erste Wickelkommode der geplanten Linie hat Coco bereits gezeichnet – so wie das gesamte Portfolio der Manufaktur die Handschrift der studierten Modedesignerin trägt. Mike kümmert sich unterdessen um Materialbeschaffung, Logistik und Vertrieb. Produziert wird in zwei kleinen Schreinerfirmen in Mecklenburg-Vorpommern und Polen, da haben sich Raaijmakers und Prange gezielt für zwei Familienbetriebe entschieden.

Was alle Möbelstücke von Johanenlies auszeichnet, ist ihr puristisches Design, die klaren Strukturen. „Wir haben den Beweis angetreten, dass Upcycling-Möbel nicht unbedingt rustikal aussehen müssen“, sagt Coco Prange. „Jenseits von Industrie-Chic oder Landhaus-Stil haben wir unsere eigene Identität gefunden – mit minimalistischen Möbelstücken, die durch die Verwendung alter Materialien Lebendigkeit ausstrahlen.“ Die Kundschaft der urbanen Möbel, bei denen Material und Maße nach Kundenwünschen individuell angepasst werden können, kommt längst nicht mehr nur aus Berlin und anderen deutschen Großstädten, sondern auch aus Österreich, der Schweiz, Frankreich, Holland, Belgien. „Unsere Betten haben wir sogar schon nach Singapur und bis in die USA geliefert.“

Johanenlies Showroom ab 1.12. im „Direktorenhaus“ der Alten Münze, Am Krögel 2, Mitte, geöffnet nach Vereinbarung, Tel. 0151/40 79 11 41, www.johanenlies.com