Berliner Perlen

Der besondere Geist von Neukölln: Schnaps mal ganz anders

Bei „Fräulein Brösels Schnapserwachen“ gibt es nachhaltig hergestellte Destillate. Sie können auch verkostet werden.

Die gebürtige Österreicherin Stefanie Drobits betreibt seit zwei Jahren ihr Geschäft für
besondere Spirituosen.

Die gebürtige Österreicherin Stefanie Drobits betreibt seit zwei Jahren ihr Geschäft für besondere Spirituosen.

Foto: Lena Ganssmann

Berlin. „Ich muss keinen Menschen ermorden, um Gerüche und Geschmäcker festzuhalten,“ sagt Stefanie Drobits scherzhaft in Anspielung auf Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“. Auf einem großen dunklen Holztisch sind in ihrem Laden fünf Schnapssorten ausgestellt: Vogelbeere, Schwarze Johannisbeere, Marille, Mandel und Haselnuss, wahlweise in Halbliter- oder Literflaschen.

Am beliebtesten ist der Haselnussgeist – sein Geschmack gibt her, was der Geruch und das märchenhaft illustrierte Etikett auf der Flasche versprechen. Durch ein Alkoholvolumen von 35 statt der üblichen 40 Prozent schmecken Stefanie Drobits’ Schnäpse sehr mild.

Sie möchte den Menschen einen neuen Zugang zum Schnaps eröffnen und ihnen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Seit 2017 verkauft sie an der Neuköllner Friedelstraße ihre Brände, die in Franken und Österreich nachhaltig destilliert werden. Und dieser Aufwand bei der Herstellung und die Art des persönlichen Vertriebs hat natürlich auch seinen Preis. So gibt es den halben Liter nicht unter 37 Euro, für Flaschen mit 0,7 Liter Inhalt sind zwischen 59 und 65 Euro fällig.

Schnaps-Verkostung: Hier treffen sich mehrere Generationen

Aufgewachsen in Österreich, in einem kleinen Dorf im Burgenland, hat Stefanie Drobits schon früh die in ihrer Heimat populäre Schnapsbrennerei kennengelernt – das erste Mal bei einer Kindergarten-Exkursion. Als Kind, so erzählt sie weiter, habe sie einmal schläfrig nach der nächstbesten Flasche gegriffen und einige Schlucke Wein getrunken. Passiert sei ihr nichts. „Vielleicht war das meine persönliche Obelix-Erfahrung.“

Aber warum nun Berlin? Nach einem Praktikum in New York war ihr Wien zu klein geworden. Berlin versprach da mehr Raum, zumal für handwerkliche österreichische Weine und Spirituosen.

Besonders schön findet Stefanie Drobits, dass ihre Verkostungen oft mehrere Generationen an einen Tisch bringen. Meist reicht sie dazu eine Brotzeit, eine Geste der Gastfreundschaft aus ihrem Heimatland, die sie mit nach Berlin genommen hat. Ihren Weg zur Schnapsherstellung hat Stefanie Drobits in einem märchenhaft-anmutenden Büchlein festgehalten. Es erzählt von einem Mädchen, das seine Großmutter verlässt, um den großen Wald zu erkunden. Eigentlich hofft es, einen Prinzen zu treffen, stattdessen aber wimmelt es von Tieren, die sich alsbald in gute Geister verwandeln.

Eben jene Geister verkauft die echte Stefanie Drobits nun in ihrem Laden. Und wer keine Lust oder Gelgenheit hat, etwa, weil er motorisiert ist, die edlen Tropfen im Ladengeschäft von Stefanie Dobrits zu probieren, kann auch eine Kollektion ihres Angebots für eine heimische Verkostung für 49 Euro erwerben. Dem Probierpaket mit fünf Kostproben liegt zudem die herzerwärmende Geschichte aus der Feder von Fräulein Brösel alias Stefanie Drobits bei. Darin beschreibt sie märchenhaft, wie sie die guten Geister fand. Die Illustrationen stammen von Annika Metze. Übrigens auch eine schöne Idee für ein Weihnachtsgeschenk.

Fräulein Brösels Schnapserwachen, Friedelstraße 28, Neukölln, Di.–Sbd. 13–20 Uhr, Tel. 0151/72 74 65 58, www.schnapserwachen.com