Berliner Perlen

Auffällig aber zeitlos: Diese Taschen aus Mitte sind gefragt

Vor 23 Jahren erlernte Anke Runge den Beruf der Täschnerin und machte sich in Mitte selbstständig. Ihr Markenzeichen: kräftige Farben.

Taschen im zeitlosen Design mit knalligen Farben sind das Markenzeichen von Anke Runge.

Taschen im zeitlosen Design mit knalligen Farben sind das Markenzeichen von Anke Runge.

Foto: Katrin Starke

Berlin. „Wenn ich nichts mehr lernen kann, langweilt mich eine Sache schnell“, sagt Anke Runge. Was wohl der Grund dafür ist, dass es in ihrem Berufsleben schon so manche Veränderung gab. Ursprünglich aus der Landwirtschaft kommend, wechselte die gebürtige Brandenburgerin nach dem Mauerfall ins Hotelfach. Kurzzeitig hatte sie auch mal die Idee, mit ihren beiden Schwestern einen Imbiss zu eröffnen – als die „drei Damen vom Grill“. Dann ging sie aber doch lieber nach England, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Und schließlich stand sie vor der Wahl, entweder für einige Zeit in Argentinien zu leben oder sich in Berlin mit einer Taschen-Manufaktur selbstständig zu machen.

Anke Runge entschied sich gegen Argentinien. „Ich gebe mir zehn Jahre, bis mich auch das langweilt“, sagte sie damals. Das ist jetzt 23 Jahre her. Während ihre Freundin schon vor Jahren aus dem gemeinsamen Unternehmen ausstieg, ist Anke Runge noch immer leidenschaftlich bei der Sache. Mit ihren handwerklich gefertigten Designer-Ledertaschen hat sie sich über Berlin hinaus einen Namen gemacht, die Buchstaben „ar“ sind zum Markenzeichen geworden.

Man muss ein Gespür dafür haben, wie sich das Material verhält

Gelernt hat Anke Runge das Täschnerhandwerk bei ihrer früheren Geschäftspartnerin. „Das Handwerkliche liegt mir“, sagt die 48-Jährige. Schon als Kind habe sie „viel mit den Händen gemacht“, sich als Jugendliche selbst Taschen genäht – „aber nur aus Stoff“. Der Umgang mit Leder sei hingegen ganz anders.

„Allein der gute Wille, etwas zu produzieren, reicht da nicht aus.“ Das stelle sie immer wieder fest, wenn sie Praktikanten beobachte, denen sie die Möglichkeit gibt, bei ihr zu hospitieren. Viel handwerkliches Geschick sei für das Taschenmachen erforderlich. „Man muss ein Gespür dafür haben, wie sich das Material verhält“, sagt Anke Runge und nimmt dabei eines ihrer Lieblingsstücke in die Hand und streicht über das Leder. „Cubo“ heißt die Serie, zu der die lilafarbene würfelförmige Tasche gehört – optisch extravagant, aber schnörkellos und dadurch zeitlos. Darauf legt Anke Runge Wert.

„Ich distanziere mich von der Modewelt, von ihrer Schnelllebigkeit.“ Zwar hat sie bislang Jahr für Jahr eine neue Kollektion auf den Markt gebracht, „aber auf feste Zeiträume lege ich mich nicht fest“. Auch nicht auf bestimmte Formen. Da lässt sie sich inspirieren von Architektur und Musik, von der Natur und von der Stadt.

Farben machen sie froh

„Manchmal sehe ich nur ein bestimmtes Ornament auf der Kleidung eines Kunden – und stelle mir eine neue Tasche vor.“ Ist die Idee geboren, geht es mit der Umsetzung meist ziemlich schnell. Oft verzichtet sie sogar auf ein Muster aus Papier, sondern näht gleich den Prototyp aus Leder. Mal in leuchtendem Orange, mal in sattem Grün oder kräftigem Blau. „Ich mag Farben, die machen mich froh“, sagt die Täschnerin. „Oft kommen Leute nur deswegen in den Laden, weil es hier so schön bunt ist.“

Anke Runge geht es nicht nur um die Optik ihrer Handtaschen, Portmonees, Computerhüllen und Kosmetiktaschen. Jedes Stück müsse auch „gut funktionieren“. Vom Designer-Leitsatz „die Form folgt der Funktion“ hält sie aber wenig. Sie macht eine andere Gleichung auf: „Form plus Funktionalität ergibt das Design.“

Nur wenige Handwerksbetriebe sind noch im Kiez ansässig

Bedauerlich findet es Runge, dass nur noch wenig Handwerk in Mitte zu finden sei. „Früher prägten Manufakturen die Gegend“, heute gebe es außer ihrer Werkstatt nur noch eine Handvoll Handwerker in der Umgebung. Der Kiez habe sich gewandelt, sei schick geworden. Wobei die von Anke Runge entworfenen Lederwaren gut zu den Kunstwerken der Galerien der Nachbarschaft passen.

„Irgendwie sind meine Taschen ja auch Objekte“, sinniert sie und erzählt von dem Künstler, der bei ihr eine rote Lacktasche gekauft hat. „Die wollte er nicht benutzen, sondern auf einen Sockel ins Schlafzimmer stellen – als besonderes Kunstobjekt.“

Anke Runge Berlin, Tucholskystraße 31, Mo.-Fr., 10-19 Uhr, Sbd., 11-19 Uhr, Tel. 282 11 52, www.ankerunge-taschen.de