Berliner Perlen

Das Erfolgsgeheimnis von Fleischermeister Kluge

Fleischermeister Michael Kluge war 1989 einer der ersten in Berlin, der Erzeugnisse von Tieren aus artgerechter Haltung anbot.

Fleischermeister Michael Kluge kontrolliert im Kühlraum die für die Verarbeitung angelieferten Rinderteile.

Fleischermeister Michael Kluge kontrolliert im Kühlraum die für die Verarbeitung angelieferten Rinderteile.

Foto: Franz Michael Rohm

Für unseren Besuch hat sich Michael Kluge extra in Schale geworfen. Er zupft an seiner Krawatte, denn diese Bekleidung ist für einen Fleischermeister während der Arbeit im Laden eher ungewöhnlich. Dort trinkt gerade eine ältere Kundin eine Tasse Kaffee, in der Spielecke sitzt das Kleinkind einer jungen Frau, die offensichtlich zum ersten Mal im Geschäft steht. Sie bestaunt das vielfältige Angebot an Rind- und Schweinefleisch, mehr als 30 Sorten Brüh- und Frischwurst, einen ganzen gekochten und einen großen Prager Schinken.

„Was bedeutet eigentlich die Bezeichnung ‚Neuland‘?“, will sie von Fachverkäuferin Gisela Krüger wissen. Die erklärt ihr, dass der Verein „Neuland“ für artgerechte und umweltschonende Nutztierhaltung 1988 gegründet wurde. „Sozusagen das Gegenteil von Massentierhaltung.“ Das überzeugt die Kundin. Beim Bezahlen allerdings stutzt sie wegen des Preises. „Artgerecht hergestellte Fleisch- und Wurstwaren können natürlich nicht mit Supermarktpreisen mithalten“, erklärt Michael Kluge.

Bereits seit 30 Jahren von „Neuland“ beliefert

Schon 1989 hat sich Michael Kluge gemeinsam mit zwei weiteren Berliner Fleischern für „Neuland“ entschieden. Das war kurz nachdem er mit seiner Frau das Geschäft von seinem Vater übernommen hatte. Bei ihm hatte der heute 65-Jährige drei Jahre lang gelernt. Den Meister machte er dann in Frankfurt am Main und schloss in der Nähe von Kaiserslautern eine Ausbildung zum Vieh- und Fleischkaufmann ab.

„Das hat letztlich den Ausschlag gegeben, mich für ‚Neuland‘ zu engagieren“, so Michael Kluge, „artgerechte Haltung, keine Spaltböden in den Ställen, kurze Wege zum Schlachthof und Preise, die den Bauern eine ordentliche Existenz ermöglichen. Es war zu dieser Zeit ein großes Wagnis.“ Ein gefährliches, denn fast wäre Fleischermeister Kluge mit seinem Konzept gescheitert. Denn die Wirtschaftskrisen der 70er- und 80er-Jahre hatten dazu geführt, dass die Kunden für Familienfeiern nicht mehr bei „Kluge“ bestellten, sondern billiger im Supermarkt kauften.

„Da war es mit unseren teilweise doppelt so hohen Preisen recht schwierig, am Markt zu bestehen“, sagt Kluge. Erst der 2004 grassierende „Rinderwahnsinn“ BSE führte dazu, dass mehr und mehr Kunden auf artgerecht hergestellte Fleisch- und Wurstwaren umgestiegen sind.

Frischwurst ist besonders beliebt

Die gesamte Produktion bei „Kluge“ findet in Keller, Souterrain und Parterre bis in den Seitenflügel statt. Acht Fleischer verarbeiten die angelieferten Rinder- und Schweine-Hälften zu handelsüblichen Portionen. Die Kilogramm-Preise liegen etwa bei 12,90 Euro für Schweinebraten. Bei der Kundschaft besonders beliebt sind die Frischwurst-Sorten, von der Berliner Bratwurst mit Majoran, über Kochschinken bis zum feinwürzigen Bierschinken. Ebenfalls gefragt ist die Blutwurst, zu der hausgemachtes Sauerkraut angeboten wird. Zur Mittagszeit sind die Hackepeter- oder Boulettenbrötchen bei der Laufkundschaft heiß begehrt.

Eine Spezialität des Hauses ist Hackfleisch. „Das drehen wir immer frisch vor den Augen der Kunden durch. Das Kilogramm Rinderhack kostet zwar 14,90 Euro, ist aber wirklich ein Renner“, berichtet Kluge. Neben den Neuland-Fleisch- und Wurstwaren finden sich auch Hartwürste aus konventioneller Herstellung im Sortiment. „Wir haben einen Schinken und eine Schlackwurst in ‚Neuland‘-Qualität, aber die Kunden fragen auch Schwarzwälder, Parma- oder Serrano-Schinken nach“, verrät der Fleischermeister.

Insgesamt 18 Mitarbeiter beschäftigt Michael Kluge in Neukölln und an einem weiteren Standort im Rheingauviertel. Händeringend sucht er Mitarbeiter. Wie es weitergeht? Sohn Thomas zeigt Interesse an Beruf und Geschäft. „Wir würden es uns wünschen“, sagt Michael Kluge.

Fleischerei Kluge, Fuldastraße 56, Neukölln, Tel. 623 55 56, Di.–Fr. 8–18, Sbd. 8–14 Uhr, Rüdesheimer Straße 3, Wilmersdorf, Tel. 81 05 62 29, Mo–Fr. 8–18, Sbd. 8–15 Uhr

Märkte: Südstern, Sbd. 9.30–16 Uhr, Maybachufer, Fr. 11–18 Uhr, Onkel-Toms-Hütte, Do. 11–18 Uhr, www.fleischerei-kluge.berlin