Berliner Perlen

Edle Destillate aus der Preussischen Spirituosenmanufaktur

In der Preussischen Spirituosenmanufaktur, Manufaktur und Museum zugleich, wird preußischer Geist in feinsten Spirituosen konserviert.

Die Chefs der Manufaktur Ulf Stahl (l.) und Gerald Schroff am Verkaufstresen im Hofladen.

Die Chefs der Manufaktur Ulf Stahl (l.) und Gerald Schroff am Verkaufstresen im Hofladen.

Foto: Preussische Spirituosen Manufaktur

Berlin. Einst stand die Likörfabrikation in Berlin in voller Blüte, der deutsche Kaiser Wilhelm I. ging in der damaligen Versuchs- und Lehranstalt für Spiritusfabrikation ein und aus. Das war 1874, die Geburtsstunde der heutigen Preussischen Spirituosen Manufaktur (PSM).

Zu ihrer Gründung führte allein die Tatsache, dass geistige Getränke in Preußen bis dato keine herausragende Rolle spielten. Anders als Whisky in Schottland, Cognac in Frankreich und Liköre in den Niederlanden, fehlte in Preußen die Kultur für geistige Getränke. Dem wollte Wilhelm I. Abhilfe schaffen und gründete die Versuchs- und Lehranstalt, sozusagen die Keimzelle der deutschen Spirituosenindustrie.

Auch heute befindet sich die Manufaktur an der Seestraße in Wedding eher unscheinbar auf einem Areal, wo in verschiedenen Instituten 300 Wissenschaftler in der Getränkeentwicklung forschen. In der PSM, Manufaktur und Museum zugleich, wird noch heute preußischer Geist in feinsten Spirituosen konserviert: Liköre, Brände und Kräuterdestillate, Wodka und Gin nach alten Rezepturen oder mit neuen, außergewöhnlichen Geschmacksrichtungen wie etwa Ingwerlikör oder Mandelgeist.

60 verschiedene Spirituosen werden in Handarbeit hergestellt

Wer in den kleinen Hofladen möchte, muss zuerst durch die Fabrikationsräume: vorbei an kupfernen Destillieranlagen aus drei Generationen (1874, 50er-Jahre und 2019), Steinzeuggefäßen und der Drogenduftorgel mit etwa 250 verschiedenen Pflanzenextrakten. Die Blüten, Kräuter, Samen und Wurzeln darin sind Ausgangspunkt sämtlicher Kompositionen.

60 Spirituosen werden in der Manufaktur inzwischen hergestellt. Sie alle werden gänzlich in Handarbeit, nur in kleinen Stückzahlen und ausschließlich in Premiumqualität, produziert. Im Vordergrund steht hierbei die Nachhaltigkeit und nicht die verkaufte Menge. „Zusätzlich stellen wir noch Mazerate, also Pflanzenextrakte her, die beispielsweise die Pharmaindustrie, Süßwaren- oder Parfümhersteller benötigen“, erläutert Geschäftsführer Gerald Schroff.

Gemeinsam mit dem promovierten Mikrobiologen Ulf Stahl hat der Diplom-Hotelier aus dem Schwarzwald die Manufaktur 2005 wieder zum Leben erweckt. Zu dem Zeitpunkt war die PSM eine fast reine Versuchs- und Lehranstalt. Denn unter dem Namen „Adler Spirituosen“ erlebte die Likör- und Trinkbranntweinherstellung um 1900 ihren Höhepunkt, fand aber bedingt durch die beiden Weltkriege und die wirtschaftliche Depression dazwischen ein jähes Ende. Erst in den 50er-Jahren wird der Betrieb wieder aufgenommen, kann jedoch nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen.

2005 legen Stahl und Schroff zunächst die Traditionsmarke „Adler“ neu auf und huldigten damit ihrer gemeinsamen Leidenschaft, dem Gin. 2009 übernahmen sie die Manufaktur dann vollständig und haben ihr Sortiment seitdem deutlich erweitert. Erheblichen Anteil an den Produkten hat Prof. Ulf Stahl, der mit seiner untrüglichen Sensorik eine Koryphäe auf dem Gebiet ist. Etwa 35.000 Besucher kamen in den vergangen zehn Jahren in die Manufaktur. „Vom Ur-Berliner, über Touristen, Politikern und Showpromis haben wir alles dabeigehabt“, sagt Gerald Schroff.

Die Manufaktur bildet auch aus. Martin Barth hat bei PSM seine Ausbildung zum Destillateur gemacht und ist heute Produktionsleiter. Ein Destillateur muss tief in die Pflanzenwelt eintauchen, liefert sie doch die Extrakte mit der der Alkohol veredelt wird. „Der Beruf hat viel mit Sensorik zu tun. Der Mensch kann bis zu einer Billion Stoffe erriechen, aber nur fünf Geschmäcker erkennen“, sagt Barth.

Bei einer Führung die eigene Geruchsfähigkeit testen

Bei einer Führung durch die Manufaktur, die noch im Originalzustand von 1874 erhalten ist, kann man seine eigenen Geruchsfähigkeiten auf die Probe stellen. Zwei- bis dreimal im Jahr wird ein Destillat angesetzt. Dem Kupfer, aus dem die Kessel sind, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: „Es hat nicht nur eine außergewöhnliche Wärmeleitfähigkeit, sondern macht die Destillate auch milder“, erläutert Martin Barth.

Nach dem Destillationsverfahren reifen die Produkte in alten Steinzeuggefäßen. Nach einer letzten Qualitätsprüfung durch Ulf Stahl werden Gin und Wodka, Liköre, Brände und Geiste, Kräuter und Bitter, Kümmel und Kornbrände in kleinen Mengen zur Abfüllung per Hand freigegeben, verschlossen und etikettiert. „Unser Handwerk hat viel mit Passion und Leidenschaft zu tun. Das schmeckt man“, sagt Gerald Schroff, der selbst aus einer Brennerfamilie stammt. Die edlen Spirituosen sind wahre Liebhaber-Tropfen, die es vor allem in der gehobenen Gastronomie gibt – oder im kleinen Hofladen.

Preussische Spirituosen Manufaktur, Seestraße 13, Wedding, Tel. 80 57 03 07, Laden: Mo.–Fr. 11–19 Uhr, www.psmberlin.de