Berliner Perlen

Eine saubere Sache: Handgemachte Seifen aus Karlshorst

Xenia Trost fiel vor 20 Jahren ein Buch über Seifen in die Hände. Heute betreibt sie das Karlshorster Geschäft „1000 & 1 Seife“.

Xenia Trost vor ihrem Laden an der Ehrenfelsstraße. Die 56-Jährige hat alle Produkte selbst entworfen. Die Seifen stellt sie in der Werkstatt ihres Geschäfts her.

Xenia Trost vor ihrem Laden an der Ehrenfelsstraße. Die 56-Jährige hat alle Produkte selbst entworfen. Die Seifen stellt sie in der Werkstatt ihres Geschäfts her.

Foto: Katrin Starke

Berlin. Im Flur roch es nach Sandelholz, im Wohnzimmer nach Lavendel. Überall in der Wohnung lag Seife. Große Blöcke neben geschnittenen Stücken. Xenia Trost lacht, wenn sie daran zurückdenkt. Eher zufällig war sie auf ein englisches Buch über Seifenherstellung gestoßen. Mühselig habe sie sich die Rezepte übersetzt, erinnert sich die 56-Jährige, und in ihrer heimischen Küche zu experimentieren begonnen. Zunächst mit Rindertalg, den sie vom Metzger holte. „Seife aus tierischem Fett wäre heute wahrscheinlich unverkäuflich.“

Obwohl die Seife gut gelang, setzte Xenia Trost schon bei ihrem zweiten Experiment auf pflanzliche Zutaten – auf Oliven-, Mandel- und Kokosöl, auf Kakao- und Sheabutter. Weil mit jedem neuen Rezept, das sie im Kaltrührverfahren ausprobierte, gleich ein weiteres Kilo Seife entstand, wurde es zu Hause bald eng. „Also habe ich meine Seifen auf Märkten verkauft“, sagt Xenia Trost.

Das ist 20 Jahre her. Kurze Zeit später machte sie sich mit ihrer Manufaktur „1000 & 1 Seife“ selbstständig.

Von der „Zimtziege“ bis zum Badezusatz in Schokotafel-Form

Mehr als 100 Rezepte hat sie in ihrem Portfolio. „Die Versuchung ist groß, immer wieder etwas Neues zu kreieren“, sagt die Seifenmacherin. Eine Zeit lang seien Aloe Vera und Arganöl als Rohstoffe angesagt gewesen, derzeit liege Aktivkohle im Trend – auch bei Xenia Trost ist eine „Black Soap“ zu haben. „Mit allen möglichen Zutaten, den vielen Düften und Kräutern kann man wirklich tausendundeine Seife komponieren.“

So auch mit den Düften, die ihr Lebensgefährte Erik Kormann entwickelt und als Parfümserie aufgelegt hat. Aktuell bietet Xenia Trost in ihrem Laden an der Ehrenfelsstraße Seifen aus eigener Produktion an – von der „Zimtziege“, der Ziegenmilchseife mit dem markanten Zimtduft, über die Propolis-Rosmarin-Shampooseife bis zur Peelingseife „Tabula Rasa“ für den Herrn mit Seesand, Bimsstein und leichter Rauchnote oder dem Badezusatz „Schokobade“ in Form einer Schokoladen-Tafel.

Passendes für Hände, Gesicht und Haar

Für jeden Zweck hat Xenia Trost die passende Seife. Für den Gärtner, der sich Erde von den Händen schrubben will. Für die Köchin, die den Zwiebelgeruch an den Fingern loswerden möchte. Für Hände, Gesicht und Haar. Oder auch Rasierseifen wie die halbfeste Sorte aus Mangobutter, Kokos und Stearin. „Die macht wahnsinnig guten Schaum, der im Gesicht lange hält“, was sich sogar auf der anderen Seite des großen Teichs herumgesprochen hat. Bis nach Chicago verkauft Xenia Trost die kleinen Döschen.

Weil sie aber ganz auf Plastik verzichten will, ist sie gerade wieder in der Experimentierphase. „Ich will mit demselben Rezept eine feste Rasierseife entwickeln“, sagt sie. Die kann sie dann ebenso hübsch in Papier wickeln wie ihre anderen Seifenstücke. Eine Verpackungslinie hat sie sich eigens von mehreren Künstlern gestalten lassen: die „Kaffeeklatsch“-Seife zum Beispiel von der Berliner Illustratorin Kat Menschik oder die „Steam Punk“-Serie von Jo Zarth.

Im psychedelischen Stil der 60er-Jahre hat ihr Kiryk Drewinski unter anderem die Verpackung für die Gurkengesichtsseife gestaltet – ihre persönliche Lieblingsseife auf Basis von Gurkensaft statt Wasser und dem Duft von „Geranie, Fenchel, Weihrauch, etwas Patchouly“.

Alles wird von Hand verpackt

Jedes einzelne Stück Seife packt Xenia Trost bis heute selbst ein. „Das hängt wohl mit meinem früheren Beruf zusammen“, sagt die gelernte Buchbinderin. Ebenso wie Trosts zweite Verpackungslinie, bei der nur eine schmale Banderole bunt bedruckten Papiers die Bergkräuter- oder die Honig-Mohn-Seife umgibt. „Das war ursprünglich nur ein Provisorium, weil ich bei der Buchbinderei gerade ein paar Papierschnipsel zur Hand hatte.“

Maritim in Blau und Weiß kommt ihre Hiddensee-Serie daher – mit Zutaten wie Seesand, Meersalz oder Sanddorn, die sie direkt von der Insel bezieht. Aber nicht nur in Shops auf Hiddensee oder Sylt, sondern weltweit sind Xenia Trosts handgemachte Seifen und Rasierprodukte mittlerweile gelistet – von Palermo bis Barcelona, von Taiwan bis Australien. Produziert wird aber immer noch wie ganz am Anfang: in einem kleinen Labor im Hinterzimmer ihres Ladens.

1000 & 1 Seife, Ehrenfelsstraße 9, Karlshorst, Di.–Fr. 12–18 Uhr, Sbd. 11–15 Uhr, Tel. 28 09 53 54, www.1001seife.de