Berliner Perlen

Mango, Karamell, Papaya: Eiszeit in Schmargendorf

Seit 25 Jahren verkaufen Stefania und Ilario Zamo im „Da Dalt“ an der Breiten Straße italienisches Speiseeis aus eigener Herstellung.

Ilario Zamo und seine Frau Stefania bieten in ihrem Geschäft auch das beliebte Spaghetti-Eis an.

Ilario Zamo und seine Frau Stefania bieten in ihrem Geschäft auch das beliebte Spaghetti-Eis an.

Foto: Franz Michael Rohm

Berlin. Noch verbergen Jalousien die von den Kiezbewohnern rund um die Schmargendorfer Kirche heißgeliebte Eisdiele „Da Dalt“. 22 Sorten fasst die zweieinhalb Meter breite Eistheke. Neben Klassikern wie Vanille, Erdbeere und Zitrone stehen auch Exoten wie Joghurt-Holunder, Salz-Karamell und Cookies zur Auswahl. Ungefähr die Hälfte des Angebotes machen Milcheissorten aus, die andere Hälfe besteht aus Sorbets. 1,10 Euro kostet die große Kugel. „Nachbarschaftspreise“, sagt Besitzer Ilario Zamo, der kurz darauf die Jalousien hochzieht und die gemeinsam mit Stefania Zamo betriebene Traditionseisdiele öffnet.

Lange bevor der Verkauf beginnt, steht Zamo im Produktionsraum hinter der Theke und schwitzt. Zwei Gefrierschränke, drei Kühlschränke und die neue Eismaschine sondern viel Wärme ab, sodass dort beinahe Sauna-Temperaturen herrschen. Im Sommer beginnt der Arbeitstag des aus Udine stammenden Mannes spätestens um sieben Uhr. „Ich beginne immer mit Vanille-Eis“, sagt der 53-Jährige.

Für alle Milcheissorten setzt er eine Basis aus Vollmilch, Zucker, Sahne- und Milchpulver an. In etwa fünf Liter davon rührt er mit einem großen Stabmixer Vanillemark und gießt die Masse in die Eismaschine, die zugleich Pasteurisierer ist. Um eventuelle Keime abzutöten, wird die Milcheismasse kurz auf 56 Grad erhitzt und fließt anschließend in die auf minus 20 Grad gekühlte Edelstahlkammer, in der sich sieben Messer drehen. Nach 20 Minuten ist das cremige Eis fertig. Hiervon produziert er mindestens zehn Liter pro Tag.

Vanille ist der Bestseller und wird täglich frisch hergestellt

Bevor Ilario Zamo die neue Eismaschine „Codelite Compacta 3003“ der italienischen Firma Carpigiani kaufte, musste er teilweise zwei bis drei Stunden früher mit der Produktion beginnen. „Die neue Maschine ist ein Alleskönner“, schwärmt er.

Während die Eismaschine arbeitet, mixt er als nächstes Kakao-Pulver der Qualität „Superiore Extra“. Nachdem er das Vanille-Eis in eine Aluminiumschale gefüllt hat, wird die Maschine gereinigt und desinfiziert, bevor die nächste Sorte an der Reihe ist. „Hygiene ist das A und O“, sagt Stefania Zamo, „und natürlich die Qualität der Zutaten und die Frische. Ilario produziert nur für den Tag.“ Auch sie stammt aus der Region Friaul. Die zierliche Frau überrascht mit einer Mischung aus Resolutheit und Herzlichkeit.

Als sie im Alter von 17 Jahren Ilario kennenlernte, arbeitete er in einer Stuhlmanufaktur, sie jobbte in Restaurants und in einer Eisdiele. Beiden war damals klar, dass es um ihre beruflichen Perspektiven in Italien schlecht stand. Mit 18 Jahren verließ Stefania ihre Eltern und ging mit ihrem künftigen Mann nach Nordrhein-Westfalen. Dort jobbten sie, Ilario machte eine Ausbildung zum Eismacher. Über einen Schulfreund kamen sie schließlich nach Berlin. Zuerst arbeitete sie in der Gastronomie, während Ilario in einer Eisdiele an der Wilmersdorfer Straße arbeitete. Ihr Traum jedoch war eine eigene Diele.

An Weihnachten geht es nach Italien

1994 bot sich die Möglichkeit, die kleine Eisdiele gegenüber der Schmargendorfer Dorfkirche zu pachten. Vier Jahre später, inzwischen war ein Sohn geboren, konnten sie den Kauf finanzieren. „Wir haben jahrelang sieben Tage die Woche gearbeitet, Ilario in der Produktion und im Verkauf, oft mehr als 15 Stunden am Tag, von Anfang März bis Ende November. Dann wurde geputzt, über Weihnachten fuhren wir nach Italien, die Familie besuchen“, erzählt Stefania.

Zu viert stehen sie während der Sommermonate hinter der Eistheke, Ilario Zamo oft bis 23 Uhr. „Während der Sommerferien ist es ein bisschen ruhiger, viele fahren in den Urlaub“, sagt er.

Oft ist die Schlange vor dem Geschäft mehr als zehn Meter lang. Diese Saison laufen neben den Klassikern auch Kokosnuss, Mango und Papaya gut. „Viele Kinder und auch Erwachsene haben Allergien, deshalb steigt die Nachfrage nach gluten- und lactosefreien Eissorten“, so der Eismacher. Bei den Eisbechern ist Spaghetti-Eis mit Sahne nach wie vor der Renner. „Nach der Saison habe ich fast einen Tennisarm vom vielen Drücken“, scherzt Ilario Zamo. Vier Euro kostet der kleine Becher, fünf der große. An zweiter Stelle rangiert der Amarena-Becher. Kunden, die weiter weg wohnen, nehmen die Eiskugeln in Kühlboxen gerne auch mit nach Hause. „Was auffällt ist, dass die Menschen nicht mehr vier oder fünf Kugeln auf einmal essen. Dafür kommen viele jeden Tag vorbei, um eine Kugel zu naschen. Einige kannten wir schon, als sie noch Knirpse waren.“

Da Dalt, Breite Straße 14a, Schmargendorf, Tel. 89 72 42 19, tägl. 11 - 22.30 Uhr