Geigenbauwerkstatt

Sabine Mlangeni ist die Violinen-Doktorin

Sabine Mlangeni repariert Violinen. Auch Celli und Bratschen werden auf Vordermann gebracht. Profis wie Laien schätzen ihre Arbeit.

Nach einer Ausbildung eröffnete Sabine Mlangeni in Berlin eine Geigenwerkstatt, in der auch Celli restauriert werden.

Nach einer Ausbildung eröffnete Sabine Mlangeni in Berlin eine Geigenwerkstatt, in der auch Celli restauriert werden.

Foto: Franz Michael Rohm

Berlin. Es ist der entscheidende Moment. Tagelang hatte Sabine Mlangeni die Violine eines Kunden repariert, einen Riss in der dünnen Fichtenholz-Decke mit filigraner Technik verschlossen, den Steg, der die Saiten hält, eingesetzt, Wirbel überholt und zuletzt vier neue Saiten aufgezogen. Nun ist die etwa 100 Jahre alte Violine aus Böhmen fast abholbereit. Was fehlt, ist der Klangtest. Es dauert einige Minuten, bis die Geige gestimmt ist. Dann nimmt Sabine Mlangeni den mit Schweifhaaren sibirischer Pferde bezogenen Bogen, zieht ihn über die Saiten und spielt eine fröhliche Melodie. Für den Laienzuhörer erfüllt sich die Werkstatt mit zauberhaftem Klang. Die Geigenbaumeisterin ist noch nicht ganz zufrieden. „Die E-Saite klingt etwas schwach, aber das war schon vorher so“, meint die 55-Jährige. Auch nach Jahrzehnten fern ihrer bayerischen Heimat hört man, woher sie stammt.

Die kleine Werkstatt unweit der verkehrsreichen Albrechtstraße ist eine Art musikalische Wunderkammer. Als erstes fällt der Blick auf eine Gruppe Celli und Bratschen, die mit hellem und dunklem Holz lackglänzend einen Schrank mit Violinen bewachen. Noch mehr Geigen hängen an der Wand wie an einer Wäscheleine. Bei den meisten Instrumenten steckt unter den Saiten eine Karteikarte. Darauf sind die ausgeführten oder auszuführenden Arbeiten vermerkt, der Preis, und Name und Telefonnummer der Besitzer.

Laien und Profis kommen, um ihre Instrumente warten zu lassen

„Hier in Steglitz leben viele Menschen, die klassische Musik nicht nur vom Tonträger schätzen, sondern diese Instrumente auch noch spielen“, freut sich Sabine Mlangeni. Zu ihr kommen Musiker der wichtigen Orchester der Stadt, aber auch Eltern, die ihren Kindern das Instrument schmackhaft machen wollen und noch irgendwo im Haus eine alte Geige haben, die überholt werden muss. Sie selbst hat das viersaitige Instrument als Kind gespielt, „bemerkte aber bald, dass mir handwerkliches Arbeiten mehr lag“. So begann die junge Frau eine Lehre bei einem Geigenbauer in Süddeutschland.

Nach der Lehre musste sie sich entscheiden, Bauen oder Reparieren. Sie entschied sich für letzteres und arbeitete in einer Werkstatt. Dann lernte sie ihren Mann kennen, ging mit ihm nach Berlin und zog drei Kinder groß. „Da war für mehr als zehn Jahre erstmal Pause mit Geigen reparieren“, so Sabine Mlangeni. Als die Kinder aus dem Gröbsten heraus waren, fing sie wieder in ihrem Metier an. 2011 absolvierte sie ihre Meisterprüfung, zwei Jahre später bezog sie die Werkstatt in Steglitz. Zu jedem Instrument kann sie eine kleine Geschichte erzählen, sieht und hört, aus welchem Land es stammt, ob aus Deutschland, Böhmen oder Italien. Und kennt die Besonderheiten der jeweiligen Region. Die meisten Geigen, Celli und Bratschen, die sie bearbeitet, sind zwischen 100 und 200 Jahre alt.

In Regalen lagert Holz, Bergahorn für den Boden, Bergfichte für die Decke. „Die beste Qualität wird in Höhen über 1000 Meter geschlagen“, verrät sie. Dort sind die Jahresringe im Holz enger. Das sorgt für besseren Klang. Neben der Werkbank hängen japanische Sägemesser, daneben baumeln Stecheisen. Damit werden aus dem Holz millimeterdünne Decken und Böden geschnitten. Auch an chirurgische Instrumente erinnerndes Arbeitsgerät findet Verwendung. Mit einem gebogenen Schlüssel wird die sogenannte Stimme eingesetzt, ein Holzstück, das unter dem Steg Decke und Boden auf Abstand hält und durch seine Spannung dem Holzkörper des Instruments seine einzigartige Stimme verleiht. Für ihr Handwerk brauche sie „gute Augen, gute Ohren und starke Hände“.

In verschiedenen Flaschen, Bechern und Tiegeln befinden sich Knochenleim, mit dem alle Saiteninstrumente verklebt werden, aber auch Spiritusöl zum Reinigen verschmutzter Instrumente und Öllack zum Polieren. Eine Spezialität von Mlangeni ist der Neubezug von Geigen- und Cellobögen. Eine Grundüberholung ohne größere Reparaturen kostet um die 300 Euro. Bei Instrumenten, die zwischen 6000 und 12.000 Euro wert sind, eine gut angelegte Investition.

Sabine Mlangeni, Hessestraß3 1, Steglitz, Tel: 98 35 25 60

Di. - Fr. 11-13 und 14 - 18, Sbd. 11-13 Uhr

www.geigenbauwerkstatt.berlin