Berliner Museen

Andrea Mantegna und Giovanni Bellini in der Gemäldegalerie

Andrea Mantegna und Giovanni Bellini malten gemeinsam in Venedig. Nun führt die Gemäldegalerie die Künstler nach 500 Jahren zusammen.

Mantegna und Bellini können in der Ausstellung parallel betrachtet werden.

Mantegna und Bellini können in der Ausstellung parallel betrachtet werden.

Foto: Staatliche Museen zu Berlin/David von Becker

Sie sind sehr empfindlich, und der Transport gilt als äußerst heikel. Da mehr als 500 Jahre alte Gemälde mittlerweile kaum noch auf Reisen gehen, es aber für die neue Ausstellung in der Gemäldegalerie dennoch tun, ist „Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance“ für Liebhaber der frühen italienischen Malerei schon allein deshalb ein Muss. Und natürlich, weil sich Giovanni Bellini und Andrea Mantegna am Kulturforum erstmals direkt miteinander vergleichen lassen – der König der venezianischen Malerschule und sein Schwager, der passionierte Antikenverehrer Mantegna.

Die etwa gleichaltrigen Künstler inspirierten sich über viele Jahre gegenseitig. Dann trennten sich ihre Wege: Mantegna folgte im Jahr 1459 einem Ruf als Hofmaler von Mantua, Bellini hingegen blieb der norditalienischen Stadt Venedig treu. In seinen Werken räumt Bellini den Farben, dem Licht sowie den pittoresken Landschaften viel Raum ein, während sein Zeitgenosse sich mehr für die antike Lebenswelt der damaligen Menschen begeisterte. Beiden gemein ist die intensiv-innige Darstellung menschlicher Emotionen, die an den Bildern heute noch fasziniert, und natürlich die hohe Kunst der Feinmalerei.

Insgesamt 94 Meisterwerke, vorwiegend Altar- und Andachtsbilder sowie zahlreiche Zeichnungen, fährt die spektakuläre und lang erwartete Schau auf. „Mantegna und Bellini, diese Leitgestirne der italienischen Renaissance, sind in den Gemäldesammlungen Londons wie Berlins so stark wie nirgendwo außerhalb Italiens vertreten. Was liegt da näher als eine Ausstellungskooperation“, konstatiert Michael Eissenhauer, der Generaldirektor der Staatlichen Museen sowie Leiter der Gemäldegalerie.

Bellini malte Landschaften, Mantegna melancholische Motive

Die Arbeiten auf Papier und Leinwand beziehungsweise Holz stammen hauptsächlich aus der National Gallery in der englischen Hauptstadt London, dem British Museum, das ebenfalls dort ansässig ist, sowie aus den reichen Beständen der Berliner Institutionen. Auch das Kupferstichkabinett am Kulturforum steuert einige Exponate zu der Ausstellung zu. Sie verdeutlichen Unterschiede und Parallelen im Schaffen beider Maler. An Bellini, dem Staatsmaler der Dogenstadt, lobten die Auftraggeber seiner Zeit die Naturwahrheit der Pflanzen, Hügel und Fels-Landschaften. Da hoppeln die Häschen schon mal dezent durchs Bild, während Christus seiner Auferstehung entgegensieht.

Mantegnas Werke wirken düsterer, dabei klassisch-zeitlos, etwa seine melancholische „Maria mit schlafendem Kind“, eines der Lieblingsbilder von Kurator Neville Rowley, der die Schau konzeptioniert hat. Auf Leinwand gemalt, mutet die Mutter Gottes wie in Stein gemeißelt an. Sie erscheint traurig angesichts der bevorstehenden Passion Christi und seines grausamen Todes.

Studieren lassen sich auf diesem Treffen der Renaissancemeister vor allem die einschlägigen biblischen Szenen und Motive. Rowley hat den Ausstellungsparcours zusammen mit Dagmar Korbacher, Leiterin des Kupferstichkabinetts, entwickelt. Dieser bietet spannende Vergleiche in chronologischer und thematischer Abfolge. „Wir erzählen die Karrieren beider Künstler von Anfang bis Ende“, so der Berliner Kurator, der zugleich Experte für die frühe italienische Kunst vor dem 16. Jahrhundert ist.

Auch eine Handvoll Skulpturen aus Marmor oder Bronze hat Rowley zusammengestellt. „Es gibt Quellen, die sagen, dass Mantegna auch Bildhauer war. Aber wir wissen nicht, welche Werke tatsächlich von ihm stammen.“ Ins Grübeln kommt man etwa vor der „Beweinung Christi“, einem Werk, das bislang grob im Umkreis des Künstlers verortet worden ist. Überhaupt geben beide Maler noch zahlreiche Rätsel auf. Nicht nur manche Datierung ihrer Werke ist ungewiss, es gibt auch Streit über die Lebensdaten von Bellini.

Diese Lücken sollen dem Publikum ebenfalls vermittelt werden. „Wir wissen nicht alles von diesen beiden Ausnahmemalern.“ Daher hege man die Hoffnung, „dass diese Ausstellung für die Forscher und Kunsthistoriker auch eine Gelegenheit ist, über chronologische Zuordnungen neu nachzudenken“. Vielleicht können Unsicherheiten aus dem Weg geräumt werden, jetzt, wo die Bilder einmal nebeneinanderhängen. Dieses Kapitel der Renaissance-Malerei birgt auf jeden Fall noch manches Geheimnis, das es zu lüften gilt.

Gemäldegalerie Matthäikirchplatz, Tiergarten, Di., Mi. und Fr. 10–18 Uhr, Do. 10–20 Uhr, Sbd. und So. 11–18 Uhr, Tel. 266 42 42 42, Karten kosten 14, erm. 7 Euro, bis 30.6.

Führungen Rund um die Ausstellung werden regelmäßig verschiedene Führungen in unterschiedlichen Sprachen angeboten. Zudem gibt es ein umfangreiches Bildungsprogramm fürKinder, Jugendliche und Erwachsene. Das gesamte Angebot kann auf der Website eingesehen werden: