Fast Fashion

Sophie Yang: Made in China, entworfen in Berlin

Sophie Yang verkauft Kleidung aus Kaschmir und Seide. Die Designerin entwirft ihre Modelle hier und lässt sie in Fernost fertigen.

Eigentlich kam Sophie Yang 2007 für ein klassisches Musikstudium nach Berlin. Mittlerweile ist sie Modedesignerin und 
betreibt eine Boutique in der Linienstraße

Eigentlich kam Sophie Yang 2007 für ein klassisches Musikstudium nach Berlin. Mittlerweile ist sie Modedesignerin und betreibt eine Boutique in der Linienstraße

Foto: Max Müller

Berlin. Das Talent scheint ihr in die Wiege gelegt worden zu sein. Anders lässt sich kaum erklären, wie Sophie Yang ohne große Vorerfahrung und ohne ein Studium zu einer angesagten Berliner Designerin avancieren konnte. Als die gebürtige Chinesin im Jahr 2007 nach Deutschland kam, geschah das noch aus einem ganz anderen Grund: Yang wollte hierzulande Klavier studieren. Doch die Suche nach einem Kleid, das sie zu ihren Auftritten tragen könnte, führte zu einem Professionswechsel. „Die Entwürfe vieler Labels haben mir zwar gefallen, ich war allerdings überrascht von der Qualität der Stoffe. Viele erschienen mir minderwertig“, sagt Yang, die sich mit der Materie auskennt. Rund um ihre Heimatstadt Shanghai ist die chinesische Seidenindustrie angesiedelt, die Qualität der verarbeiteten Stoffe entsprechend hoch.

Yang beschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. „Für mich war es keine große berufliche Veränderung. Ich habe angefangen, Zeichnungen anzufertigen. Gemeinsam mit meiner Schneiderin entstanden aus diesen dann Kleider, Pullover und Schals“, sagt sie. Das erste Mal öffentlich präsentierte sie ihre Entwürfe im Jahr 2009. Damals überließen ihr Freunde während der „Fashion Week“ für ein Wochenende Galerie-Räume in der Torstraße. „Am ersten Tag passierte gar nichts. Am Ende des zweiten Tages kam ein Tourist aus Wien in unseren Pop-up-Laden und bestellte kurzerhand die gesamte Kollektion“, erinnert sich die Designerin. Der Auftakt war geglückt. In der Folge gründete sie ihr eigenes Label. Bald folgten weitere Bestellungen. Yang und ihr Partner mieteten einen Showroom in der Joachim-straße an. Ein Standortvorteil war die benachbarte Schauspielagentur, deren Klienten oftmals auch den Weg zu Yang fanden. 2016 zog sie in die Linienstraße.

Kaschmir-Pullover verkaufen sich wider Erwarten auch im Sommer gut

Dort war eigentlich keine Boutique geplant. „Wir waren uns unsicher, ob genügend Laufkundschaft kommen würde und hatten uns schon auf den Vertrieb und Online-Handel fokussiert“, sagt Sophie Yang. Doch sie und ihr Mann, der sich ums Geschäftliche kümmert, wurden eines Besseren belehrt: Statt eines Kommissionierungslagers hatten sie plötzlich einen gefragten Laden, der von Anwohnern ebenso wie von Flaneuren aufgesucht wird.

Yang arbeitet anders als andere Designer. Statt regelmäßig neue Kollektionen zu präsentieren, hat sie einen festen Bestand an Kleidung, den sie ein- bis zweimal pro Jahr um neue Teile ergänzt. „Statt knalligen Designs und verspielten Details setze ich auf einfache, gedeckte Farben und simple Muster“, sagt Yang. Ihr Sortiment umfasst Pullover, Schals und Kleider sowie zahlreiche Accessoires. „Ich nutze sowohl zarte, als auch schwere Seide. Letztere vor allem bei Kleidern. Das hat den Vorteil, dass Frauen keinen Unterrock brauchen.“

Überrascht hat Yang, dass sich ihre Kaschmir-Produkte auch im Sommer gut verkaufen. „Tatsächlich gibt es auch in warmen Monaten eine stabile Nachfrage“, sagt sie. Ohnehin kann sich die Designerin auf einen festen Kundenstamm verlassen, der oftmals auch nach älteren Entwürfen fragt. „Das sind die Menschen, die vor drei oder vier Jahren schon einmal einen Pullover bei mir erworben haben, und von dem sie nun ein neues Exemplar möchten.“

Überhaupt ist es Yang wichtig, nicht in der sogenannten Fast-Fashion-Industrie mitzumischen. Stattdessen setzt sie auf nachhaltige, zeitlose Produkte. Das kommt an. Und es verändert das Label „Made in China“. Statt billig produzierter Stoffe importiert Yang beste Qualitätsware und trägt so auch zu einem Imagewechsel bei.

Einmal im Jahr reist die Designerin in ihre Heimat, um sich mit ihrer Schneiderin zu treffen und die neuen Entwürfe zu diskutieren. „Dann setzen wir uns zusammen und besprechen sämtliche Ideen. Das dauert seine Zeit, denn es muss alles hundertprozentig stimmen“, sagt Yang. Mal eben ein maßgeschneidertes Kleid zu bekommen, ist aufgrund der großen Distanz nicht möglich, und das will Sophie Yang auch gar nicht. Doch andere Größen zu ordern als die, die sie auf Vorrat hat, wäre ohne Weiteres möglich. „Die Produktion und Lieferung aus China dauert nicht länger als eine Woche“, weiß sie aus Erfahrung.

Qualität hat ihren Preis. Ein Seidenschal kostet 100 Euro, ein Kaschmir-Pullover je nach Gewicht des verarbeiteten Stoffes zwischen 200 und 400 Euro. Kleider bewegen sich im gleichen Preissegment. Einen kleinen Aufschlag gibt es für die wenigen Hochzeitskleider, die Yang im Sortiment hat, und die für sie das i-Tüpfelchen ihres Angebots sind.

Sophie Yang Linienstraße 142, Mitte, Tel. 0170-209 72 12, Mo. und Di. 15–19 Uhr, Mi.–Sbd. 13–19 Uhr, www.sophieyangberlin.com