Berliner Perlen

Design made in Südkorea gibt es jetzt auch in Kreuzberg

Erst online, dann offline: Nach zwei Jahren Business im Internet haben die Gründer von „Knokstore“ einen Laden in Kreuzberg eröffnet.

"Knokstore“-Inhaberin Kim Haelan trägt in ihrem Laden Mode, die sie auch verkauft, wie den Pulli mit gelbem Kragen.

"Knokstore“-Inhaberin Kim Haelan trägt in ihrem Laden Mode, die sie auch verkauft, wie den Pulli mit gelbem Kragen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Südkorea ist gerade ein bisschen hip. Das Land wird als Reiseziel gefragter, landestypisches Essen ist beliebt, und das Musikgenre K-Pop (was für Korea-Pop steht) begeistert immer mehr Jugendliche – in Berlin bekommen angesagte Bands locker die Mercedes-Benz Arena gefüllt. Wenn sie in ihren oft knallbunten, mitunter recht schrägen oder zumindest ungewöhnlichen Outfits auftreten, führen nicht zuletzt diese Popstars vor, dass der südkoreanische Stil einen eigenen Charme besitzt.

Trotzdem fristet südkoreanisches Design hierzulande ein Schattendasein. Es nun auch bekannter zu machen, haben sich Haelan Kim und Inti Castellazzi vorgenommen und das „Knokstore“ eröffnet. Vor zwei Jahren gingen sie damit online, seit Juni dieses Jahres ist der Laden auch „offline“. Seit Neuestem kann man also hingehen.

„Kunden wollen oft sehen und anprobieren, was sie kaufen, deswegen ist uns die Bedeutung einer physischen Präsenz in der Offlinewelt bewusst geworden“, sagt Kim. Ein halbes Jahr suchten Castellazzi und sie nach geeigneten Räumlichkeiten und hatten Glück im boomenden Multikultikiez an der Hasenheide in Kreuzberg. Sie unterschrieben den Mietvertrag für ein etwas von der Straße zurückgesetztes Geschäft, vor das bei gutem Wetter Tisch und Stühle gestellt werden, gleich am Südstern und direkt neben dem Eingang ins Kino Sputnik.

Haelan Kim und ihr Partner Inti Castellazzi kennen sich aus der Berliner Start-up-Szene. Beide arbeiteten in einem Unternehmen, das im Internet Möbel und Einrichtungsgegenstände verkauft. „Wir waren dort für den Einkauf zuständig, hatten also schon Erfahrung beim Kuratieren eines Sortiments und waren mit vielen Händlern vernetzt“, sagt Kim. Mit anderen Worten die richtige Expertise, um sich mit einer eigenen Idee selbstständig zu machen. Allerdings ist der Markt für Designermode und Fashionprodukte alles andere als unumkämpft.

„Der Gedanke lag nah, sich eine Nische zu erobern“, sagt Kim, Jahrgang 1981 und mit 30 Jahren nach Berlin übergesiedelt. „Da ich aus Südkorea komme und südkoreanisches Design anders als landestypisches Essen oder Popkultur kaum bekannt war, fiel schnell die Entscheidung.“ Ausschließlich Produkte von südkoreanischen Designern, außergewöhnlich, hochwertig, liebevoll gestaltet.

Schwerpunkt liegt auf Mode und Taschen

Im Sortiment sind zum Beispiel schicke und angesagte Handytrageketten, mit denen ein Smartphone zur Handtasche wird, Sonnenbrillen, hübsche Notiz­bücher, Vasen oder dicke Keramiktassen. Der Schwerpunkt aber liegt auf Mode sowie Taschen bzw. Rucksäcken. Fast alles ist in Südkorea produziert, wo die Angestellten in Fabriken und Manufakturen übrigens fair bezahlt werden, „denn die Gewerkschaften sind stark“.

Was macht südkoreanisches Design nun aber aus? „Vielleicht die gewisse schräge Note, dass es nicht zu ernst daherkommt und verspielt ist“, sagt Kim, „wie das, was ich gerade trage.“ Ihr grauer Wollpullover (139 Euro) hat einen breiten, gestreiften V-Ausschnitt, an dem ein gelber Stoff anschließt, der am Hals mit Rollkragen abschließt – das sieht aus, als trüge man zwei Pullover übereinander und sorgt für einen Überraschungseffekt.

Ein anderes Top ist ganz in Gelb gehalten mit dicken Plüschaufsätzen an den Ellenbogen. Es gibt Blusen mit einem Kragen am Hals und einem zweiten über der Brust (125 Euro), elegante Hochwasserhosen mit Bügelfalte (199 Euro) oder zu große Mäntel oder Jacken (160 Euro), solche „Oversized“-Modelle sind gerade sehr modisch, „und sie werden von Männern wie Frauen getragen“.

Um ihre Regale zu füllen, recherchiert Kim im Netz, klappert ihre Händlerkontakte ab und fährt mindestens einmal im Jahr selbst nach Südkorea. Inzwischen weiß sie recht gut, was in Berlin ankommt. „Die deutschen Kunden sind praktisch orientiert, sie wollen etwas Tragbares in guter Qualität zu einem angemessenen Preis“, sagt Kim. „Ich versuche, ihnen das zu bieten und gleichzeitig Farbe in die Stadt zu bringen.“

Wenig Schwarz hängt auf den Kleiderständern, stattdessen knalliges Gelb, Pink oder Blau. Zu den Bestsellern im Laden gehören Rucksäcke der Marke RawRow (71 Euro), elegant und praktisch zugleich. In drei Fächern lässt sich ein halbes Büro organisieren, 13-Zoll-Laptops finden Platz und trotzdem wirken sie nicht wuchtig. Auch Akten- oder Reisetaschen gibt es.

Diesen Monat gibt es eine Textilaussstellung

Das „Knokstore“ ist etwas für Entdecker und Genießer. Stets läuft entspannte Musik, man kann Cappuccino oder Espresso genießen und das Sortiment erkunden. Die Kaffeebohnen werden von der Berliner Bonanza-Rösterei geliefert. „Deren Gründer hat übrigens auch südkoreanische Wurzeln.“ Wer vor dem Shoppen einen Überblick über bekommen möchte, findet online alles übersichtlich dargestellt. Im November ist den ganzen Monat über eine Textilausstellung im Geschäft zu sehen, die aus einer Zusammenarbeit von Grafikdesigner Kwak Eunjung und Textildesi­gner Choi Jae hervorging. Über den normalen Geschäftsbetrieb hinaus soll das „Knokstore“ auch ein Raum für solche Präsentationen und kreativen Austausch sein. Ein Design-Hotspot eben.

Knokstore, Hasenheide 54, Kreuzberg, Tel.: 279 715 48, www.knokstore.com

Mehr Berliner Perlen:

Ganz schön kleinteilig: Mosaike aus Charlottenburg

40 Jahre Brotgarten im Klausenerplatz-Kiez

Im „Pfeffi“ gibt es einen besonderen Pfefferminzlikör

Beratung spielt bei "C. Adolph" die Schlüsselrolle