Ein hochprozentiges Start-up

Im „Pfeffi“ gibt es einen besonderen Pfefferminzlikör

Das Mentholgetränk wird mit natürlichen Kräutern aromatisiert. Im Herbarium können Minzsorten probiert werden

Pfeffi-Flaschen  mit flottem Label

Pfeffi-Flaschen mit flottem Label

Foto: Massimo Rodari

Berlin. Bereits die Außenfassade des „Pfeffi“ ist ein Hingucker. Geometrische Figuren in Zebrastreifenmuster und knalliges Wiesengrün umrahmen zwei große Schaufenster. Drinnen geht der Blickfang mit dem kräftigen Grün weiter. In breiten Streifen zieht sich die Farbe nicht nur über Wände und Decken, sondern auch über Tische und Verkaufstresen. „Aufmerksamkeit erregen gehört zu einem Start-up“, erklärt Philipp Wauer. Zusammen mit Kompagnon Marcus Stolze verkauft er in dem Geschäft seit zwei Monaten Pfeffi, einen natürlichen Pfefferminzlikör mit Wumms. 26 Prozent hat das hellminzgrün schimmernde Getränk, gut ein Drittel mehr als die giftgrünen Produkte zum Niedrigpreis aus den unteren Regalen der Discounter. Von dessen Image wollen und müssen sich die beiden Jungunternehmer klar abgrenzen. Ihr Stoff sei „etwas zum Schlürfen, nicht zum Kippen“, so Philipp Wauer. Und er kostet mit 16 Euro für 0,7 Liter fast dreimal so viel wie der billige Kunstaroma-Pfefferminzlikör.

Der Kampf mit dem kleinen Imageproblem von Minze

Dem 35-Jährigen aus Prenzlauer Berg nimmt man sofort ab, dass er zur Gruppe derjenigen gehört, die wissen, was angesagt und cool ist. Charmant und kenntnisreich spricht er über ein Produkt, das ältere Semester noch als Ingredienz alptraumhafter Jugendfahrt-Getränke in stählernen Zweiliterkannen erinnern: Pfefferminze. „Das ist ein kleines Imageproblem, mit dem wir noch immer kämpfen“, führt Wauer aus. Allerdings habe Minze durchaus auch positive Konnotationen, etwa vom atemerfrischenden Spearmint bei Kaugummis und dem in Mode gekommenen Tee mit frischer Minze.

Die Idee eines handwerklich ohne künstliche Aroma- und Farbstoffe hergestellten Pfefferminzlikörs reifte bei Stolze und Wauer bereits vor einiger Zeit. Stolze arbeitete als Vertriebsmitarbeiter bei Getränkelieferanten, Wauer kehrte nach Hotelfachmannausbildung in Hamburg als Barchef und Gastroleiter des „Schwuz“ wieder nach Berlin zurück. „Bei den Drinks und Cocktails im Barbereich ist viel Bewegung, die Mix-Szene ist ungeheuer kreativ und ständig auf der Suche nach neuen Zutaten, am liebsten nach möglichst natürlichen. Das junge Publikum legt Wert auf Qualität. Da ist Pfefferminz regelrecht in“, sagt Wauer. Er zögerte nicht lange, den Versuch mit „Pfeffi“ zu starten.

Die beiden Jungunternehmer gingen zweigleisig vor. Zum einen war das Marketing und Branding wichtig. Vom Namen über das Design der Flaschen, Etiketten des Verkaufsladens, Internetauftritts und Vertriebs. Zum anderen war die Zusammensetzung und Herstellung des Produkts von größter Bedeutung. „Hätten wir gewusst, dass es rund 700 verschiedene Minzsorten gibt, wer weiß“, meint Wauer. Grundlage des Getränks ist ein Kaltauszug aus frischer Minze. Nach Dutzenden Ansätzen stand eine Mischung von zwei Minzen fest: die gemeine Yakima-Minze und eine zweite, die nicht verraten werden soll. Zusammen mit weiteren Kräutern und Gewürzen entstand ein kühles, leicht süßes Mentholgetränk, das sich sowohl als Aperitif als auch als Digestif eignet. Ende 2017 kam es zur Zusammenarbeit mit einem Institut der Humboldt-Universität. Seither begleiten Studenten des Instituts für
Agrar- und Stadtökonomische Projekte das Unternehmen. „Die und unsere Werbeagentur brachten uns auch auf die Idee, in unserem Verkaufsraum ein kleines Herbarium an verschiedenen Minzen zu zeigen“, berichtet Philipp Wauer. Über eine Wendeltreppe geht es hinunter in den Keller unter dem Verkaufsraum. Mehr als zwei Dutzend verschiedene Minzsorten wachsen hier unter dem blau-roten Licht von LEDs, darunter so ausgefallene Sorten wie Ananas-Minze, intensive, kleinblättrige kretische Bergminze, Schokoladen-Minze und sogar eine Minze, die nach Köllnisch Wasser schmeckt. Alle Blätter dürfen probiert werden, Tafeln informieren über die bekannten Heilwirkungen für Magen und Darm, Erkältungskrankheiten, Entzündungen der Mundschleimhaut und vieles mehr. Der Biologe Jan Ray entdeckte die Pfefferminze vor mehr als 300 Jahren. Aufgrund ihres scharfen Geschmacks bezeichnete er sie als Peppermint.

Außer den Minzen können im Keller auch ein Teil der Zutaten des Pfeffi verkostet werden, Zitronenschalen etwa, Vermut und Sternanis. „Alle Zutaten verraten wir natürlich nicht“, sagt Wauer. Die Süße des in einer thüringischen Brennerei nach den Rezepturen der Jungunternehmer hergestellten Likörs stammt von Zucker, die Volumenprozente von Neutralalkohol. Auch in den ebenerdigen Geschäftsräumen dreht sich alles um die Minze, neben weiteren Pflanzen finden sich Zeichnungen und auf Glas gezogene Stängel und Blätter unterschiedlicher Minzsorten. Hier sollen künftig mehr Tastings angeboten werden.
Bislang ist das Geschäft zwei Tage die Woche geöffnet. Zwei Chargen à 5000 Flaschen wurden bereits produziert, alle handnummeriert. „Wir haben reichlich Anfragen von Gastronomen aus anderen deutschen Städten, und sogar aus dem Ausland. Aber wir wollen organisch wachsen und konzentrieren uns auf Berlin“, erklärt Wauer. Wenn es so weitergehe wie bisher, sei er zufrieden. Wobei es durchaus Überlegungen gebe, eine zweite Linie zu starten.

Pfeffi Petersburger Straße 30, Prenzlauer Berg, Do. + Fr. 15–20 Uhr, www.pfeffi-berlin.de

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