Eigene Duft-Kreationen

In dieser Parfum-Manufaktur gibt es individuelle Düfte

In der familieneigenen „Birkholz Perfume Manufacture“ in Charlottenburg bietet der Berliner Parfum-Sommelier besondere Kompositionen.

Parfum-Sommelier Philip Birkholz in seinem Geschäft an der Knesebeckstraße.

Parfum-Sommelier Philip Birkholz in seinem Geschäft an der Knesebeckstraße.

Foto: Reto Klar

Berlin. Die Duftreise beginnt mit einer Entschleunigung. Reinkommen, am langen Holztisch vis-à-vis dem deckenhohen Flakonregal und der kleinen Abfüllanlage Platz nehmen, Espresso trinken. Philip Birkholz, groß, 24 Jahre jung, fragt, ob man denn schon die sieben Stationen im Internet durchlaufen hätte. Nein? Kein Problem, dann stellt er die Fragen persönlich: Sportlich oder glamourös? Tag oder Nacht? Klassisch oder modern? Nach sieben Fragestationen und Antworten kommt ein Tablett an den Tisch. Vier edle Flakons, gefüllt mit „Berlin Soul“, „Supreme Oud“, „Amber“ und „First Spring“, Kaffeebohnen und Duftstäbchen. Die erste Etappe der Duftreise ist vollbracht.

Philip Birkholz nennt sich selbst Parfum-Sommelier. Zusammen mit seinem Vater Nasyr und seinem Bruder Sven hat er im vergangenen November die „Birkholz Perfume Manufacture“ eröffnet: ein schicker Parfumshop für individuelle Düfte. Produziert wird am Rand von Berlin, die hochwertigen Rohstoffe, der Parfumölanteil beträgt 18 Prozent, stammen von Markenproduzenten aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich.

Für Philip Birkholz, der in den USA BWL studiert hat, sind Düfte ein Muss. Ohne Duft aus dem Haus gehen? Für ihn unvorstellbar. „Düfte sind Emotion und Erinnerung“, ist er überzeugt. 25 Eau de Parfums für Frauen, Männer sowie Unisex-Düfte gehören zur Birkholz-Kollektion. Alles ist made by Birkholz. Die Flakons – 30, 50 und 100 ml für 69 bis 149 Euro, das 4er-Testset kostet 24 Euro – sind kantig. Die Kappen werden von handgenähtem Leder in einem Farbreigen von zartlila über limettengrün bis tiefrot ummantelt. Es gibt verschiedene Etiketten, die individuell beschriftet werden können. Für den ganz edlen Auftritt stehen auch glänzende Klavierlackboxen bereit. Sie kosten 199 Euro.

Besondere Flakons im Design Berliner Wahrzeichen

Besonders ist die „Berlin“-Kollektion. Sie weicht von den gläsernen Behältnissen ab. Stattdessen wird auf weiß- oder schwarz-goldene, säulenartige Flakons gesetzt, die an die Siegessäule und das Brandenburger Tor erinnern.

Vater Birkholz kommt aus dem Irak und ist mit einer Berlinerin verheiratet. Die Söhne sind vornehmlich in Teltow aufgewachsen. Vater Nasyr Birkholz hat 20 Jahre in der Beauty-Branche gearbeitet, für eine deutsche Firma Kosmetika unter anderem im Irak vertrieben. „Durch ihn bin ich auch in der Welt der Kosmetik und Düfte aufgewachsen.

2010 gründete die Familie eine eigene Firma, BB by Berlin. Die Duftzentrale wurde im Europarc Dreilinden eröffnet. Vor drei Jahren wurde die Idee einer Manufaktur für individuelle Düfte geboren, zweieinhalb Jahre später konnte die Parfumbar unweit des Kurfürstendamms eröffnet werden.

Die persönliche Duftreise mit Philip Birkholz geht weiter, indem die vier ausgesuchten Eau de Parfums erschnuppert werden, um den Lieblingsduft zu finden. „First Spring“, der persönliche Favorit, duftet nach Frühling, Pfirsich, weißen Freesien, in der Basis nach Zedernholz. „Amber Intense“ ist orientalisch elegant. Bei „Supreme Oud“ zeigen sich Safran, rosa Pfeffer und Zimt. „Berlin Soul“, sagt der Parfum-Sommelier, habe er sich selbst gewidmet: ein warmer Duft, mit Whiskey in der Kopfnote, süßem Gras aus Indien und Zedern-Sandelholz in der Herznote, als Basisnote Weihrauch, Amber und Tabak. Für den Kreateur mit der feinen Nase ist der Unisex-Duft eine Hommage an das multikulturelle Berlin, das Nachtleben, seine deutsche und arabische Heimat.

Arbeiten nach dem Pyramidenprinzip

„Düfte werden nach dem Pyramidenprinzip komponiert. Es gibt die Kopf-, Herz- und Basisnote. Die Duftbeständigkeit verringert sich vom Boden zur Spitze“, erklärt er. Die Nase nimmt als Erstes die Kopfnote wahr, die aber auch am schnellsten verfliegt. Dann schnuppert man die lang anhaltende Herznote. Sie geht die längste Verbindung mit der Haut ein und bildet das Herz der Duftkomposition. Die Basisnote bildet eine besondere Verbindung mit der Haut und entwickelt bei jedem Träger eine andere Duftnuance. Diese individuelle Note, die häufig aus Holz- und Moschusaromen besteht, ist am längsten wahrnehmbar.

Birkholz-Düfte werden oft mit Anlässen verbunden. „Etwa als Gast­geschenke für eine Hochzeit in St. Tropez dieses Jahr“, sagt Birkholz, der auch Botschaften zu seinen Kunden zählt.

Workshops für interessierte Nasen

Auf individuellen Parfum-Workshops gibt er sein Wissen an interessierte Nasen weiter. Die Duftreise in der „Perfumebar“ endet selbst für Duftfans mit neuem Wissen. Man kann auch „Duft-Layering“ machen, zwei Düfte vermischen, übereinander tragen oder einen Fächer besprühen und sich den Duft zuwedeln. Eine Birkholz-Kreation ist der Duftschmuck: ein Armband und eine Kette mit einem Anhänger nebst Parfumperle, die mit dem Lieblingsduft besprüht wird (69 bzw. 79 Euro).

Birkholz Perfumebar Knesebeckstr. 55, Charlottenburg, Mo.–Sbd. 10–19 Uhr, Tel. 88 70 99 59, www.birkholz-perfumes.com

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