Berliner Perlen

Fernöstliche Teegenüsse im Westen Berlins

Die gebürtige Chinesin Nan Yi verkauft in ihrem Teeladen in Wilmersdorf Raritäten aus Fernost.

Nan Yi in ihrem Teeladen in der Westfälischen Straße

Nan Yi in ihrem Teeladen in der Westfälischen Straße

Foto: Massimo Rodari

Er funkelt goldgelb und jadegrün oder ist dunkel wie die Nacht. Die Aromen sind süßlich-blumig, frisch-grasig oder herb-rauchig. Tee ist eine Wissenschaft für sich. Es gibt unzählige Sorten. Ihr Ursprung liegt meist im asiatischen Raum. In China, Japan, Indien und Taiwan. Zwar schätzen auch immer mehr Deutsche feine Tees und ihre Aromenvielfalt, die übrigens größer ist als die von Wein. Doch viele lieben auch Ostfriesentee. Eine kräftige Mischung aus bis zu zehn Schwarzteesorten. Den gibt es auch bei Nan-Yi-Tee. Doch was die meisten Kunden anzieht: Im Geschäft in Halensee gibt es Tees aus Fernost, die selten zu finden sind.

Beim Betreten des kleinen Ladens an der Westfälischen Straße fallen zuerst Teekeramik und -porzellan in unterschiedlichsten Varianten auf. Darunter Schalen, Kannen, Wasserabkühler und Teedosen. Jedes Teil erfüllt einen Zweck, passt zu einem bestimmten Tee oder gehört zu einer Teezeremonie. Für den Laien ist das ein Buch mit sieben Siegeln. Kein Problem, wie Nan Yi umgehend verrät: „Ich vermittle immer Teekultur, erkläre Wissenswertes über die Herkunft des Tees, die Biologie und die Geologie.“ Das ist ein Leichtes für die gebürtige Chinesin aus der nordöstlichen Küstenregion, der alten Mandschurei.

Kommunikationsdesignerin mit Spaß an Heißgetränken

Aufgewachsen an der Grenze zu Korea und Japan, kam Nan Yi schon früh mit verschiedenen Teekulturen in Berührung. Bevor das Heißgetränk für sie zur Berufung wurde, studierte sie erst einmal Architektur, arbeitete zwei Jahre lang in ihrer Heimat als Innenarchitektin. „Dann wollte ich mich in Europa weiterbilden und kam im Jahr 2000 nach Deutschland, das mich immer sehr interessiert hat“, erinnert sie sich.

Zunächst studierte sie in Wismar, dann wechselte sie nach Berlin, studierte Kommunikationsdesign. Währenddessen begann sie nebenher in dem kleinen Teegeschäft zu arbeiten. Das wurde 1982 von Enno Beulich gegründet und ist eines der ältesten im Westteil der Stadt. „2009 habe ich es übernommen“, sagt Nan Yi.

Viele der alten Stammkunden sind ihr treu geblieben. Das liegt nicht nur der charmanten Art von Nan Yi und ihrem fein ausgewählten Sortiment, sondern auch am großen Hintergrundwissen, das sie zu den rund 300 Tees bietet. Wie etwa über das Klima, die Höhenlage und die Bodenbeschaffenheit der Anbaugebiete, was letztlich entscheidend ist für Qualität und Geschmack. Zwei Kriterien, die auch beim Kauf meist an erster Stelle stehen. Es gibt aber auch Kunden, die auf andere Eigenschaften setzen. Eine Frau und ihre Tochter, die gerade hereinkommen, möchten einen Tee, der wach macht. Sie haben gehört, Matcha sei das Mittel der Wahl. Nan Yi führt etwa zehn davon aus Japan, Südkorea und Taiwan.

Matcha-Tee wird nicht bitter

Sie erzählt, was den edlen Halbschattentee, der zu Pulver vermahlen wird, so außergewöhnlich macht: „Er enthält viele Catechine und Vitamine. Eine Tasse Matcha Moringa Maca wirkt so belebend wie sieben Gläser frisch gepresster Orangensaft. Der Tee schmeckt lieblich. Man kann ihn ziehen lassen, so lange man will, ohne dass er bitter wird.“ In ihre Erläuterungen flicht Nan Yi gleich noch ein, dass die Qualitätsunterschiede beim Matcha groß sind wie beim Wein: „Die besten sind lieblich, fein und cremig, die weniger guten herb und bitter.“

Für einen hochwertigen Matcha kann man recht tief in die Tasche greifen. Richtig teuer wird es bei einigen Pu-Erh-Tees. Besonders exklusiv sind die gepressten Teescheiben. Viele Jahre gelagert, kosten 400 Gramm schon mal 1119 Euro.

Die Teeblätter dafür pflücken die Chinesen von 500 Jahre alten Bäumen. Die Ergiebigkeit dieser Tees ist so unvergleichlich, wie ihr Geschmack. Nur drei Gramm genügen für immerhin rund 20 Aufgüsse. Jeder von ihnen schmeckt anders. „Ein naturbelassener, geheimnisvoller Tee“, beschreibt Nan Yi die Kostbarkeiten, die sie nach den Laboranalysen in China stets ein zweites Mal in Deutschland auf Rückstände testen lässt.

Benannt sind diese einzigartigen PuErh-Tees nach den alten Teebäumen, die im Chinesischen Gu Shu heißen. Nan Yi bietet für 25 Euro pro Person Verkostungen am 13. und 27. Januar an. Anmelden kann man sich online oder direkt im Geschäft.

Das Teegeschirr wird aus Fernost importiert

Es gibt aber nicht nur teure Spezialtees im kleinen Geschäft. „Wir haben auch gute geprüfte Qualität für 3,50 Euro pro 100 Gramm“, erklärt Nan Yi. Das Teegeschirr im Laden importiert sie ebenfalls aus Fernost. Darunter sind beispielsweise japanische Grünteekannen aus Ton, die sogenannte Yokode Kyusu mit dem speziellen seitlichen Griff, und die winzigen Kannen sowie gerade mal Eierbecher-großen Schalen der chinesischen Teekultur. Zwischen den Waren stehen kurioserweise Krötenfiguren in den Regalen. Sie stellen Wohlstand und ein langes Leben dar. Für das sonstige Wohlbefinden empfiehlt sich indes ein guter Tee.

Teefachgeschäft Nan-Yi-Tee Westfälische Str. 66, Halensee, Tel. 891 72 75, Öffnungszeiten Di.-Do. 11– 18 Uhr, Fr. 10–17 Uhr, Sbd. 10–14 Uhr. nan-yi-tee.de

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