Berliner Perlen

Im „Heaven’s Cake“ gibt's Süßes für den Adventstisch

Seit drei Jahren verwöhnt Meister-Konditor André Haughton seine Gäste in seinem Café „Heaven’s Cake“ am Kranoldplatz.

André Haughton, Lena Sester, Billy (Juniorchef) im Heaven's Cake

André Haughton, Lena Sester, Billy (Juniorchef) im Heaven's Cake

Foto: Massimo Rodari

Nicht nur Kerzenglanz und Glühwein, auch verführerische Plätzchen gehören zur Adventszeit. Die wenigsten von uns haben aber in der hektischen Wochen vor Weihnachten die Muße, selbst zu backen. Wenn es schmecken soll wie aus heimischer Manufaktur, muss man zum Konditor. Das Heaven’s Cake, Café und Konditorei in einem, hat alles, was das Herz begehrt. Im Schaufenster laden Baisers in Weihnachtsbaum-Optik, kleine Keks-Schneemänner und Lebkuchen neben vielen anderen Köstlichkeiten ein. Dem herrlichen Duft, der schon vor dem Laden in der Luft liegt, kann man ohnehin nicht widerstehen.

Während die Gäste es sich vorn im Café gut gehen lassen, verzieren Chef André Haughton und Azubi Lena Sester hinten in der Backstube Lebkuchen. Hochkonzentriert in atemberaubender Geschwindigkeit. Die meisten Hobby-Bäcker dürften angesichts ihrer Akkuratesse vor Neid erblassen. Der farbige Zuckerguss dazu kommt aus einer sehr dünnen Spritztülle. Etwas für Feinmotoriker. Meister-Pâtissier Haughton schaffte es sogar, nebenbei lässig zu plaudern. Er verrät beim Dekorieren der appetitlichen Kekse sein Erfolgsgeheimnis: „Das Filigrane beim Backen lag mir immer schon am meisten.“

Dass er mal Konditor würde, hätte Haughton aber nicht gedacht. Sein erklärter Traumberuf war ursprünglich Reiseverkehrskaufmann. 1967 geboren und aufgewachsen in Tempelhof als Sohn eines US-Amerikaners und einer Deutschen, ging er dort auch zur Schule. Nach dem Abschluss empfahl ihm ein Freund, sich als Konditor zu bewerben. So landete Haughton durch Zufall in jenem Handwerk, das seine Berufung werden sollte. Doch der Start war schwer. „Ein Sprung ins kalte Wasser. Besonders die ersten Wochen waren hart. Ich hatte einen strengen Lehrmeister, der mir sofort klar machte, dass Handwerk kein Zuckerschlecken ist“, erinnert sich Haughton. Der Spaß am Job kam im ersten Gesellenjahr. „Drei Jahr später saß ich in der Meisterschule. Erst da hat es richtig gefunkt“, gesteht der 49-Jährige.

Der Konditor liebt die Ruhe in den frühen Morgenstunden

Nach diversen Stationen in der Gastronomie und einer Backwarenfabrik, hatte Haughton eine eigene Feingebäck-Produktion, belieferte damit bis zu siebzig Restaurants und Bäckereien. „Das war zu groß und kaum möglich, die Qualität zu halten. Daher habe ich mich für etwas kleineres, beschauliches entschieden“, erzählt Haughton. 2013 eröffnete er sein Café nahe des Lichterfelder Kranoldplatzes in einer ruhigen Seitenstraße. Ein Familienbetrieb im besten Sinne. „Meine Frau hält mir den Rücken frei, in dem sie alle administrativen Aufgaben übernimmt, im Verkauf hilft oder die Schaufenster dekoriert. Auch auf mein Team kann ich mich verlassen“, so Haughton. Nachwuchssorgen muss er sich nicht machen. Sein zehnjähriger Sohn Billy fühlt sich bereits pudelwohl in Café und Backstube, ist jetzt schon stolzer „Juniorchef“.

Die Arbeitszeiten, in der Lehre noch eine Last, schrecken den Senior schon lange nicht mehr. Je nach Auftragslage geht zwischen 1 Uhr nachts und 5 Uhr früh los. Haughton liebt die Ruhe in den frühen Morgenstunden, um an eigenen Kreationen zu arbeiten. Etwa an der Balsamico-Kirsch-Trüffeltorte oder der Spekulatius-Cheesecake-Torte.

Neben eigenen Rezepten findet man auch viele Klassiker im Heaven’s Cake. Wie die Sachertorte oder die Esterhazy-Torte. Die ungarische Cremetorte ist sonst eine eher seltene Spezialität. Besonders begehrt ist der Prasselkuchen. „Der weckt bei vielen Kindheitserinnerungen“, weiß der Konditor. Die Streusel des Kuchens sind so beliebt, dass sie auf vielfachen Kundenwunsch mittlerweile einen Stammplatz im Plätzchensortiment haben. Genauso wie Heidesand, Butterkekse oder Vanillekipferl kann man „Omas Streusel“ nun in der handlichen Tüte mit nach Hause nehmen. Die aufwendigen Torten können für Anlässe wie Geburtstag, Taufe oder Hochzeit als Sonderanfertigung bestellt werden. Dann zeigt sich die ganze Meisterschaft von André Haughton. Egal, ob es sich um einen Teddybären, Shaun das Schaf, Prinzessin Lillifee oder die Minions handelt, er verwandelt jedes Thema in ein Kunstwerk.

Hingucker zur Weihnachtszeit ist die Lebkuchenpyramide

Für manche der aufwendigen Kreationen muss man allerdings tief die Tasche greifen. Wie bei Star-Wars-Ikone Meister Yoda. Die ging als Tortenstatue für 200 Euro über den Ladentisch. Ein besonderer Hingucker zur Weihnachtszeit ist aber vor allem die Lebkuchenpyramide. Der Erlös aus dem Verkauf geht an das Kinderhaus Bolte. Auch sonst zeigt der Konditor, wie gelebte Nächstenliebe aussieht: Mit den Kuchenresten beliefert er die Arche.

Es gibt auch Herzhaftes

Neben Süßem gibt es im Café auch herzhafte Quiches, Tartes und Suppen. Natürlich hausgemacht. Gebacken wird ausschließlich mit Butter. Billigen Ersatzfetten oder Backmischungen erteilt André Haughton eine klare Absage. So gelingen ihm auch Blechkuchen vorzüglich. Die mögen anderswo trocken oder pappig sein. Bei ihm sind sie luftig und saftig. Schließlich gilt beim Meister-Pâtissier die Devise: „Wir produzieren für den Genuss.“

Heaven’s Cake Ferdinandstraße 31, Tel.
60 93 59 74 oder 0177/224 50 12, Mo., Di., Do. & Fr. 9.30-17.30 Uhr, Mi. & Sbd. 9.30-14.30 Uhr

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