Berliner Perlen

In Kreuzberg einfach mal Italien-Urlaub machen

Fast alle Genüsse, die man auf Reisen in Italien kennenlernt, lassen sich auch in Berlin finden. Bei Rossella Cestaro Mouafo in Kreuzberg gibt es Öle, Liköre, Wein und mittags warme Gerichte.

Foto: (3) / Jörg KRAUTHöfer

Italien kann sehr idyllisch sein, selbst wenn es mitten in Kreuzberg liegt. Auf dem Bürgersteig vor dem kleinen Feinkostladen namens „Pepita“ parkt eine weiße Vespa. Neben dem Eingang steht eine handbeschriebene Schiefertafel, die als Speisekarte dient. Dort steht, dass man hier mittags mit Spinat und Ricotta gefüllte Ravioli essen kann oder Gnocchi mit Rucola. Die Szenerie ist so anheimelnd, dass sich ein Touristenpaar aus Neapel ausgiebig vor dem Laden fotografiert. Dann setzen sich die beiden an die Tischdecken mit den rot-weiß karierten Decken und beginnen ein Gespräch mit der Inhaberin.

„Pepita“ ist ein Sehnsuchtsort. Für die Kunden, die hier authentisches mediterranes Flair finden und ihre Erinnerungen an Italienurlaube aufleben lassen. Aber auch für die Inhaberin Rossella Cestaro Mouafo, die das Unternehmen vor zehn Jahren gründete. „Ich wollte mich hier ein bisschen mehr zuhause fühlen“, sagt sie. „Viele Lebensmittel aus Italien fehlten mir in Berlin.“ Rossella Cestaro Mouafo stammt aus dem Friaul und ist eigentlich studierte Violinistin. Der Lebensmittelhandel liegt ihr aber dennoch im Blut: Ihre Tante betrieb in ihrer Heimat ein Feinkostgeschäft.

Nudeln im Korb

Das Innere des kleinen Ladens ist nicht weniger charmant als sein Anblick von außen. Bis unter die hohe Decke stapeln sich Weinflaschen, in Körben werden Nudeln, Kekspackungen und Kräutermischungen angeboten. Dicht an dicht stehen Olivenöle, Kastanienhonig, seltene Essige, Bonbons, Liköre, Tomatenkonserven und Reis in den Regalen. Fast alle Produkte sind in Verpackungen gehüllt, die entweder zeitlos oder hinreißend gestrig aussehen: Goldene Schriften zieren die Etikette der Marmeladengläser, gemalte Kindergesichter mit roten Wangen strahlen von den Kaffeetüten. Kein Wunder dass die Spezialität des Hauses nicht etwa eine Produktgruppe ist, sondern die bunten Geschenkkörbe, die Rossella Cestaro Mouafo individuell zusammenstellt.

„Ich habe viel von meinen Kunden gelernt. Sie fragen mich immer wieder nach Dingen, die sie im Urlaub gegessen haben“, erzählt sie. „Durch meine Stammkunden habe ich die sizilianische Modica-Schokolade und einige Honigsorten entdeckt, die ich vorher nicht kannte.“ Im Internet forscht sie dann nach Bauern und Manufakturen, lässt sich Produktproben schicken und nimmt die Ware, wenn sie ihr gefällt, ins Sortiment auf. Auch im Italien-Urlaub forscht die Mutter von drei Söhnen nach interessanten Produkten. „Immer kommt etwas Neues dazu“, sagt sie.

Die meisten Produzenten, deren Waren sie verkauft, kennt sie persönlich. Ein Freund von ihr ist Olivenöl-Bauer. Seine Öle, abgefüllt in groben Glasflaschen, stehen gleich am Eingang.

Vor allem Stammkunden kommen zu ihr und Touristen. „Ich mag die Atmosphäre. Es ist sehr lebendig hier und abends sind Musiker unterwegs.“ Lange hat sie nach geeigneten Räumen gesucht. „Moderne, nüchtern eingerichtete Geschäfte gefallen mir nicht“, sagt sie. „Ich mag es lieber gemütlich.“ Das sieht man jedem Winkel ihres Geschäfts an, das nicht größer ist als ein durchschnittliches Wohnzimmer.

Die vielen bunten Verpackungen fordern dort ihren Raum, die Wege sind schmal. Das fällt besonders auf, wenn Gäste zum Mittagstisch kommen und Rossella Cestaro Mouafo in einer Mini-Küche im hintersten Winkel des Ladens werkelt. Dann bewegt sie sich mit schlafwandlerischer Sicherheit zwischen Kisten mit Bier und Limonade, und holt frische Nudeln und selbst gemachtes Tiramisu aus einem Kühlschrank. Ein wenig Zeit muss man schon mitbringen, da sie fast immer allein im Laden steht und nichts in der Mikrowelle zubereitet.

Aus Großmutters Zeiten

In einer Ecke des Ladens hängen pastellfarbene Töpfe, Siebe und Schöpfkellen aus Emaille, die aussehen als stammten sie aus Großmutters Zeiten. Das Küchengerät stammt nicht aus Italien, sondern aus Österreich, passt aber optisch großartig in den nostalgisch anmutenden Laden. Rossella Cestaro Mouafo schwört auf die altmodischen Töpfe. „Ich benutze sie jeden Tag“, sagt sie. In der dunkel gefliesten Küche bilden die Töpfe Farbtupfer. Nur in einem Punkt wird der Laden dem Italien-Klischee nicht gerecht: Die Inhaberin redet weder schnell noch laut. Ihre Produkte preist sie kaum an, weil sie ihrer Ansicht nach für sich selbst sprechen.

„Im Winter sieht es hier ganz anders aus“, sagt Rossella Cestaro Mouafo und lächelt. „Dann ist der ganze Laden voller Schokolade.“ Die Gäste, die zum Mittagstisch oder auf einen Cappuccino kommen, steigen dann eine kleine rote Wendeltreppe hinauf und landen auf einer Zwischenetage. Dort stehen vor dem Fenster zwei kleine Tische. Dann ist es dann noch ein wenig enger im „Pepita“ – aber sicherlich nicht weniger gemütlich.

Pepita, Kohlfurter Straße 2, Kreuzberg, Tel. 616 56 223, Mo.-Sbd. 11-20 Uhr, Mittagstisch 12–19 Uhr, pepitashop.de