Berliner Perlen

Hier gibt es alles für die, denen ihr Brett die Welt bedeutet

Da muss das Geschäft eben warten: Thorsten Woites Surf- und Kiteshop in Charlottenburg ist von Freitag bis Sonntag geschlossen. Der Chef ist dann an der Ostsee – natürlich zum Surfen.

Foto: KRAUTHOEFER / Jörg Krauthöfer

Mit vier Jahren machen andere Kinder vielleicht ihr Seepferdchen und zum Geburtstag bekommen sie Bauklötze oder Kunststofftiere. Thorsten Woite bekam als Vierjähriger ein Segelboot, den sogenannten kleinen Optimisten. Vater Uwe war zu der Zeit schon mehrfacher Europameister in der O-Jolle, da lag es nahe, dass der Sohn noch vor der Einschulung das Segeln lernte. Das ist jetzt 46 Jahre her, und vom Wassersport ist Thorsten Woite seither nie wieder so richtig losgekommen. Nicht einmal beruflich: Nach der Schule studierte er zwar, wurde Vermessungsingenieur, aber dann eröffnete er doch seinen eigenen Laden, in dem es, natürlich, um Wassersport geht. Allerdings ums Surfen: Seit 1986 verkauft er bei „On Top“ in der Knobelsdorffstraße Boards und alles, was sonst noch zum Surfen dazu gehört.

Wobei Surfen, wenn überhaupt, nur noch eine Art Oberbegriff ist. Kite-, Wind- und Surfshop nennt sich „On Top“. Und das ist eigentlich auch schon wieder ein bisschen überholt, denn seit ein paar Jahren stehen SUP-Boards im Laden, auf denen man beim „stand up paddling“ stehend übers Wasser paddelt. Inzwischen bietet Thorsten Woite auch Hydrofoil-Boards an, Surfbretter mit einer Tragflügelvorrichtung. „Das ist gerade so richtig im Kommen“, sagt Thorsten Woite.

Den Naturgewalten ausgesetzt

Schon 1977 war er dem Trend voraus, als er vom Segelboot auf das Surfbrett umstieg, „weil man da den Naturgewalten noch direkter ausgesetzt ist“. Zwar war schon zehn Jahre zuvor erstmals ein Amerikaner auf einem Brett mit Segel vor New York über das Wasser gesurft. Aber bis der Sport in Europa angekommen war, vergingen noch ein paar Jahre. „Anfang der 80er-Jahre gab es einen Boom“, sagt Thorsten Woite, „damit wurde Windsurfen die erste große Trendsportart.“ Und er war mittendrin in der Surferszene, kannte die Firmen und die Boards, die besten Surfreviere sowieso, außerdem suchte er etwas, bei dem er Beruf und Freizeit so zusammenbringen konnte, dass genügend Zeit für seine große Leidenschaft blieb. Deshalb der Laden. Deshalb auch die Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag schließt er vormittags die Ladentür auf, freitags bis sonntags nicht: „Am Donnerstagabend geht’s zur Ostsee.“

Von Mitte März bis Mitte November verbringt er seine Wochenenden dort. Im Dezember nimmt er das Weihnachtsgeschäft mit, im Januar und Februar macht er zu und fährt nach Fuerteventura. „Wenn der Wind zu den Wellen passt, ist das eines der besten Surf-Reviere der Welt“, sagt Woite, der „schon fast überall war, wo perfekte Wellen laufen“. Nur auf Hawaii nicht.

Anfangs stand das Windsurfen im Mittelpunkt – bei Thorsten Woite und im Laden. Das hat sich geändert: Windsurf-Boards verkauft er heute nur noch auf Bestellung. Er selbst fährt längst nicht mehr mit Segel, sondern mit Schirm an die Ostsee. Das Kitesurfen, bei dem der Sportler von einem Lenkdrachen über das Wasser gezogen wird, setze sich immer mehr durch, gut 25 Jahre, nachdem ihm ein Vertreter im Laden zum ersten Mal ein Video der neuen Sportart gezeigt hatte. Er lockte mit dem Angebot einer kostenlosen Schulung in den USA, wenn Woite zehn Sets abgenommen hätte: „Aber ich hatte keine Idee, wem ich das Teil verkaufen sollte, das damals immerhin 5000 Mark kostete“, erinnert sich der heute 50-Jährige. Er wartete noch ein paar Jahre, bis die Nachfolgemodelle entwickelt waren, mit denen der Surfer aus dem Wasser gut starten konnte. „Dann hatte ich die ersten Modelle in Deutschland.“

„Die Kite-Boards verkaufen sich am besten.“ Aber er lebt nicht allein von den Kunden, die bei ihm Boards oder Trapeze begutachten. Sondern auch von denen, die nur ab und zu vorbeikommen, weil sie zum Beispiel einen Neoprenanzug brauchen oder ein Ersatzteil für ihr altes Surfbrett. Und auch von den Kunden, denen Wellen und Wind egal sind und die trotzdem die Boardshorts, Surfershirts und Flip-Flops tragen wollen, um auszusehen wie ein Surfer.

Kurzer Weg zur Autobahn

Dass Woite seinen Laden vor 26 Jahren im Danckelmann-Kiez eröffnete, lag nicht nur an der damals günstigen Ladenmiete. Sondern vor allem an der Nähe zur Autobahn, auf der seine Kunden gen Ostsee fuhren. Mit der Lage sei er immer noch zufrieden, der Kiez sei eine „richtig coole Location“. Nur die Namenswahl bereut er, „dafür könnte ich mich immer noch treten.“ Als er sein Geschäft 1986 taufte, war vom Internet noch nichts zu sehen. „Aber geben Sie mal ‚On Top‘ bei Google ein. Da finden Sie alles, nur nicht meinen Laden.“

On Top, Kite- Wind und Surfshop Knobelsdorffstr. 41, Charlottenburg, Tel. 3221020, www.ontop-berlin.de