Berliner Perlen

Hier basteln Sie in Berlin Ihren Schmuck selbst

Melanie Müller von Hindenburg verkaufte bereits mit 13 Jahren ihren Schmuck. Inzwischen hat sie ihren eigenen Laden in Berlin-Charlottenburg und hilft bei „bonitaperla“ den Kundinnen beim Fädeln.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Ein Mädchenparadies. Anders lässt sich der kleine Laden an der Leonhardtstraße in Berlin-Charlottenburg einfach nicht beschreiben. Wobei „Mädchen“ in diesem Fall nichts mit dem Alter zu tun hat. Dafür aber um so mehr mit dem Wunsch, sich sofort hinzusetzen und ein Armbändchen aufzufädeln. Und danach ein paar passende Ohrringe. Und noch ein Armband für die beste Freundin.

„80 Prozent meiner Kunden sind Frauen“, sagt Melanie Müller von Hindenburg, die „bonitaperla“ vor acht Jahren eröffnet hat. Männer machen nur ein Prozent aus, der Rest sind Kinder, überwiegend Mädchen.

Die schwierigste Aufgabe steht am Anfang: die Auswahl. 1500 Perlenkästchen. Allein 100 verschiedene Perlen in Türkis- und Blautönen. Ein ganzer Tisch voller Pink, Rosa, Rot. Ein anderer mit Brauntönen. Ein kleines Reagenzglas voll winziger Rocaille-Perlen kostet einen Euro, die teuerste Perle, eine edle Kostbarkeit aus Murano-Glas, verkauft Melanie Müller von Hindenburg für 65 Euro. Aber so viel geben wenige Kunden für ein Einzelstück aus. Die meisten sammeln Material für zehn bis 30 Euro aus den Döschen. Wenn es nicht bei einem Schmuckstück bleibt und man Lust auf mehr bekommt, wird es etwas teurer.

Verkauf in der Drehpause

Oder noch eines von denen dazu kaufen, die Melanie Müller von Hindenburg in ihrer kleinen Werkstatt hinter dem Laden selbst gemacht hat. Sie hat jahrzehntelange Übung, denn sie hat schon mit 13 Jahren Perlen gefädelt. „Freunde meiner Eltern hatten Boutiquen in Berlin, da durfte ich in einer kleinen Ecke meine Sachen verkaufen“, erzählt die 45-Jährige. Nach den ersten Geschäftserfahrungen machte sie die Perlen trotzdem erst einmal wieder zum Hobby und ging zum Film, als Regieassistentin. „In den Drehpausen bin ich auf Märkte gegangen und habe Perlen gekauft“, erzählt sie. Und wenn zwischen den Aufträgen mal ein wenig mehr Luft blieb, „dann habe ich gefädelt.“

Freundinnen bewunderten die Stücke, baten um Selbstgemachtes, die Idee nahm Formen an. Dann kam die Tochter in die Schule: „Da ändert sich ja noch mal alles“, sagt Melanie Müller von Hindenburg, „von da an konnte ich nicht mehr so herumreisen.“ Als plötzlich auch noch der Laden an der Leonhardtstraße leer stand, ging sie einfach mal vorbei und erzählte den Besitzern von ihrer Idee. Die waren begeistert, schrieben sich die Telefonnummer auf. Und ließen nichts mehr von sich hören.

Kunden aus der ganzen Stadt

Erst eineinhalb Jahre später klingelte das Telefon: Sie habe doch damals diese Idee für den schönen Perlenladen gehabt, ob sie denn noch Interesse habe? Am 15. November konnten Melanie Müller von Hindenburg und ihre Perlen endlich einziehen. Elf Tage später eröffnete „bonitaperla“, am 26. November 2005. Inzwischen hat sie Kunden aus der ganzen Stadt. „Aber es kommen auch viele aus dem Kiez hier“, sagt sie. Im Gebiet rund um die Leonhardtstraße ist sie verwurzelt. „Wir wohnen hier auch ganz in der Nähe.“

Normalerweise sind die Sonntage ebenso wie die Sonnabendnachmittage für Geburtstagsfeiern reserviert: Sechs Kinder, bei etwas älteren auch mal acht, können unter Anleitung selbst Schmuck basteln. 22 Euro Grundgebühr kostet so eine Party, die Eltern können dann festlegen, welchen Betrag die Gäste ausgeben dürfen.

Auch nachmittags nach der Schule kommen viele Kinder, „gemeinsam mit der Freundin“, um sich ein Armband oder Ohrringe zu basteln. Mütter kommen mit ihren Babys, Frauen mit der besten Freundin, die Großeltern mit dem Enkelkind, der Patenonkel mit der Patentochter. „Die meisten kommen mit einer festen Vorstellung“, erzählt Melanie Müller von Hindenburg, „viele wollen etwas basteln, was sie an jemand anderem gesehen haben oder in einer Zeitschrift.“ Sie berät, wenn es darum geht, die richtigen Perlen, Schnur oder den Verschluss zu finden. Und falls das gewünschte Stück nicht nachzumachen ist, hilft sie auch, eine Alternative zu finden.

Reparaturservice für Modeschmuck

Kundendienst eben. „Nur so kann ich gegen unsere größte Konkurrenz, das Internet, bestehen“, sagt Melanie Müller von Hindenburg. Wichtig sei auch, vorauszuahnen, was in der nächsten Saison am besten geht: „Deshalb fahre ich auch auf Modemessen, um zu sehen, welche Trends und Farben kommen“, sagt sie. Außerdem bietet sie einen Reparaturservice an: „Es gibt heute so viel Modeschmuck, an dem die Leute wirklich hängen und ganz traurig sind, wenn er kaputt geht. Sie sind ganz erleichtert, wenn sie hören, dass wir ihre Sachen reparieren können.“

Der Laden läuft. „Viele Leute denken: Das kann doch nicht sein, dass man von so einem Mädchenparadies auch noch leben kann. Aber das kann ich“, sagt Melanie Müller von Hindenburg. Viel wichtiger aber, das betont sie gleich mehrfach, sei ihr etwas anderes: „Die Freude. Aus diesem Laden geht jeder glücklich heraus. Es ist einfach wunderbar, das zu beobachten.“

Bonitaperla, Leonhardtstraße 4, Berlin-Charlottenburg, Tel. 31 80 15 65, Mo.–Fr. 11–18.30 Uhr, Do. 11–20 Uhr, Sbd. 10.30–16 Uhr