Verschwörungstheorie

Chemtrails- Die vermeintlichen Beweise

Klimakollaps durch angebliche Wettermanipulation? Die vermeintlichen Beweise der Chemtrail-Verschwörungstheorie auf dem Prüfstand.

Einige Menschen halten Kondensstreifen für Chemtrails

Einige Menschen halten Kondensstreifen für Chemtrails

Foto: iStock

Beim Thema Chemtrails scheiden sich die Geister . Die Kondensstreifen sollen als Geo-Engineering den Treibhauseffekt stoppen oder aber Gesundheit, Geburten und Gedanken negativ beeinflussen. Die Ängste mancher Bürger sind groß. Wir fassen die Fakten zusammen und stellen klar, ob von Chemtrails wirklich eine Gefahr ausgeht.

Chemtrails: Aluminium, Bariumsalze oder Bakterien

Für die Einen sind die weißen Streifen am Himmel schlichte Kondensstreifen, also lediglich ein Gemisch aus feuchter Luft und Abgase.

Eine andere Erklärung sieht in den weißen Streifen eine Verschwörung der Mächtigen gegen die Schwachen. Der Grund, warum sich diese weißen Streifen nicht auflösen, sei, dass sie gefährliche Substanzen enthalten, etwa Aluminium und Bariumsalze oder sogar Bakterien und gefährliche Giftstoffe.

Diese "Chemtrails" – zusammengesetzt aus dem englischen Wort für Kondensstreifen "Contrails" und dem Wort Chemikalien – sollen mit Absicht versprüht werden und keine normalen Abgase und Wasserdampf aus Flugzeugturbinen sein. Also was ist dran an der Theorie?

Angebliche Wirkung der Chemtrails: von positiv bis fürchterlich

Tatsächlich gab es Versuche, bei denen Chemikalien aus Flugzeugen versprüht wurden. Die USA wollten die Klimaerwärmung mithilfe von Geo-Engineering abbremsen. Dabei sollten winzige Metallteilchen in die Atmosphäre eingebracht werden, etwa Aluminium. Diese reflektieren das Sonnenlicht und funktionieren wie ein künstlicher Schutzschild für die Erde.

Die Idee wurde allerdings schnell wieder verworfen, weil sie viel zu teuer war und sich die Folgen nicht abschätzen lassen. So müssten besonders große Mengen von Substanzen nach oben gebracht werden, die Teilchen würden in alle Richtungen reflektieren und irgendwann kommen sie schließlich wieder zur Erde zurück.

Woher die Chemtrail-Idee stammt

Begonnen hat alles bereits in den 40er Jahren. Damals versuchten die USA, mit dem sogenannten "Wolkenimpfen" das Wetter zu beeinflussen. Dabei versprühten Flugzeuge über kleinen Wolken Silberionen. Die Wolken sollten sich dann verdichten und ausgiebigen Regen spenden. Der Erfolg war jedoch mäßig, der Aufwand groß.

Heute wird die Methode nur noch selten eingesetzt, etwa zur Abwehr von Hagel. Wenn zu bestimmten Events besonders starker Hagel droht, werden vorher die Wolken mit Silberionen geimpft. Sie regnen ab, bevor sich große Hagelkörner bilden können. Die Silberrückstände dabei sind minimal und harmlos, weil es sich im Gegensatz zum Geo-Engineering um winzige Mengen handelt. Praktiziert wurde die chemische Regensteuerung unter anderem vor militärischen Paraden in Moskau und bei den Olympischen Spielen in Peking, um dort für regenfreies strahlendes Wetter zu sorgen.

Chemtrails-Fallout als Ursache für Krankheiten?

Die Anhänger der Chemtrail-Theorie gehen jedoch davon aus, dass Metalle in Nanopartikelgröße, Polymere und sogar Bakterien planmäßig in der Atmosphäre versprüht werden. Demnach soll der Fallout der Chemtrails eine ganze Palette von negativen Folgen haben, die von Erdbeben und Tsunami bis zu Geburtenrückgang reichen.

Aber auch Volkskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Alzheimer sollen von dieser schleichenden Vergiftung aus der Luft herrühren. Nicht zuletzt wird vermutet, dass Chemtrails die Psyche beeinflussen, zu Depressionen führen und die Gedanken steuern. Zweifelsfrei ein Horrorszenario.

Verschwörung statt Beweise: Wer hinter Chemtrails stecken soll

Verantwortlich für die Chemtrails sollen Regierungen sein, allen voran die der USA. Die Nato, Freimaurer, die Vereinten Nationen oder Illuminaten stehen für die Chemtrails-Anhänger ebenfalls als Verursacher unter Verdacht. Auch Greenpeace sei eingeweiht, so die Befürworter dieser Verscxhwörungstheorie. Letztendlich gehe es den Verantwortlichen darum, eine neue Weltordnung zu schaffen, die Überbevölkerung zu bremsen und nur eine Elite überleben zu lassen. Spätestens dadurch enttarnt sich das Chemtrail-Szenario als Verschwörungstheorie.

Wie gefährlich sind Kondensstreifen?

Es gibt erwiesenermaßen keine Chemtrails. Es handelt sich bei den Erscheinungen am Himmel lediglich um Kondensstreifen. Bei bestimmten Wetterlagen ist die Luft in großer Höhe manchmal recht feucht. Allerdings nicht feucht genug, um dort Wolken entstehen zu lassen. Wenn ein Flugzeug dann in besagter Höhe fliegt, genügt der zusätzlich freigesetzte Wasserdampf in Kombination mit unter anderem Ruß der Triebwerkabgase, um zunächst kleine Wassertröpfchen zu bilden. Da in solchen Höhen eine Temperatur von -50 Grad herrscht, gefrieren diese kleinen Wassertröpfchen und werden als kleine Wolken sichtbar werden.

Die angeblichen Beweise der Chemtrails-Befürworter

Laut einer internationalen Studie glauben etwa 17 Prozent der Menschen, dass etwas an der Theorie der „Chemtrails“ dran sein könnte. In dieser Studie wurden 77 Experten zum Thema Chemtrails befragt. 76 von ihnen sehen keinerlei Beweise für die beschriebenen Chemtrail-Programme, es gebe nicht mal den geringsten Anhaltspunkt für Belege dieser Verschwörung. Lediglich ein Befragter antwortete, er sei in einer abgelegenen Gegend, in welcher der Boden normalerweise wenig Barium enthalte, auf einen hohen Wert des Elements in der Luft gestoßen. Ein direkter Beweis für Chemtrails ist dies jedoch nicht, lediglich Ausdruck wissenschaftlicher Präzision auf Seite des Expertens.

Zu den mutmaßlichen Beweisen für Chemtrails gehören zum Beispiel Fotos von Kondensstreifen, die ungewöhnliche Formen haben, in Gruppen auftreten oder besonders lange am Himmel verbleiben würden. Auch die Zunahme der Kondensstreifen am Himmel wird als eindeutiger Beleg gewertet.

Doch sind die Kondensstreifen nun wirklich harmlos?

Manchmal vergrößern sich die länglichen Spuren am Himmel und sehen dann wie zerfließende Wolken aus. Wenn sich die Streifen auflösen, können sie darüber hinaus verschiedene Formen annehmen. Ursache sind Turbulenzen in der Atmosphäre. Doch egal, in welcher Form sie erscheinen und wie lange sie bestehen: Sie enthalten kein Aluminium und keine Bakterien, sie sind in diesem Zusammenhang also kein Gesundheitsrisiko.

Mehr Flugverkehr, mehr Kondensstreifen – aber keine Chemtrails

Eines steht jedoch fest, wenn es um Weltklima und Gesundheit durch Flugverkehr geht: Niemals zuvor gab es so viel Luftverkehr und damit auch weiße Streifen am Himmel. Und Kondensstreifen bestehen nicht nur aus harmlosem Wasserdampf, sondern vor allem aus dem Treibhausgas Kohlendioxid und Stickoxiden im Abgas der Maschinen.

Letztendlich sind Kondensstreifen doch gesundheitsgefährdend

Damit Flugzeuge möglichst wenig teuren Treibstoff verbrauchen, fliegen sie in großer Höhe, weil dort die Luft dünn ist. Gut für die Fluggesellschaft, weil sie damit Sprit spart, aber schlecht für das Klima auf der Erde. Nach Schätzung des Weltklimarates IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) wirken die Klimakiller Kohlendioxid und Co. in großer Höhe bis zu viermal stärker, als wenn sie am Boden ausgestoßen würden. Die Erderwärmung nimmt dadurch an Tempo zu. In diesem Zusammenhang sind Kondensstreifen also ein sichtbares Zeichen, dass der zunehmende Flugverkehr die Klimaerwärmung vorantreibt, was wiederum mit verschiedenen Gesundheitsrisiken einhergeht.

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