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Die bewegte Geschichte des Berliner Aquariums

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Das Aquarium in Berlin ist Teil des Berliner Zoos und hat inzwischen einen Anteil von 32 Prozent an der Besucherzahl

Das Aquarium in Berlin ist Teil des Berliner Zoos und hat inzwischen einen Anteil von 32 Prozent an der Besucherzahl

Seit der Eröffnung des Berliner Aquariums im Jahr 1913, hat dieser Publikumsmagnet eine bewegte Geschichte erlebt. Wir erzählen sie.

Auf dem Gelände des Hauptstadt Zoos verbirgt sich hinter der historischen Fassade dasgroße Berliner Aquarium. Statt nur Wasser und Fisch gibt es hier auch Terrarien, Amphibien, Insekten und Reptilien zu bestaunen.

Das große Schauaquarium existiert nun bereits seit über 100 Jahren und während dieser Zeit haben sich hier zahlreiche spannende Geschichten zugetragen.

Die spannende Geschichte des Aquariums.

Die Gründung des Aquariums vor über 100 Jahren ist einem Konflikt geschuldet. Der Zoo baute sein eigenes Aquarium erst, nachdem 1910 das von Alfred Brehm eröffnete Berliner Aquarium Unter den Linden geschlossen hatte.

Der Grund: Bauspekulation. Eine Versicherungsgesellschaft hatte Aquariumsaktien aufgekauft, weil sie auf dessen Boden bauen wollte. Da man sich auf keinen Neubau einigte, kamen alle Tiere in die Zoos Leipzig und Frankfurt am Main. Berlins Zoochef Ludwig Heck ließ seinen Direktionsassistenten Oskar Heinroth ein eigenes Aquarium planen. Bauzeit: 22,5 Monate. Es wurde 53 Meter lang, 35 Meter breit und drei Stockwerke hoch. Zu sehen waren hier Wassertiere und Reptilien und Amphibien. Diese Dreiteilung wurde bis heute beibehalten.

Highlight war und ist die Krokodilhalle

Mittelpunkt war die Krokodilhalle. Ein Novum in der Geschichte zoologischer Gärten. Erstmals konnten Besucher durch eine überdachte Freilufthalle gehen.

Nach Schließungen während des Ersten Weltkriegs machte Heinroth das Haus ab 1923 zum artenreichsten Institut weltweit. Im Jahr 1939 waren es 746 Arten mit 8.532 Individuen. Die Zahlen führt der Autor Goetz Kronburger in seinem Buch "Aquarium Berlin. Die schönsten Geschichten" an.

Bombenschäden im Krieg

Heinroth leitete das Haus bis zum vorläufigen Ende. In der Nacht auf den 24. November 1943 schlug eine Bombe in die Krokodilhalle ein. Das Wasser rauschte aus den Eingängen, die meisten Tiere starben. Das Gebäude wurde geschlossen. Heinroth starb am 31. Mai 1945. Seine Frau Katharina Heinroth übernahm die Leitung des Zoos, ihr nicht weniger legendärer Kollege Werner Schröder kümmerte sich um das Aquarium.

Von 1952 über 1956 bis 1959 wurde Stockwerk für Stockwerk wieder aufgebaut und eröffnet. Schröder besorgte viele Tiere auf Reisen, brachte ein weißes Krokodil aus Miami im Handgepäck zurück. Schröder war pfiffig und diplomatisch, intelligent und ein Freund von Künstlern. Walt Disney wollte ihn als wissenschaftlichen Berater anstellen, Mick Jagger lud ihn nach einer spontanen Führung zu einem Rolling-Stones-Konzert in die Waldbühne ein.

Haie, Quallen und Koralle bereicherten das Aquarium

1977 folgte Jürgen Lange als Aquariumschef, später wurde er Zoo-Direktor. Er holte Rainer Kaiser aus dem Zoo Stuttgart, der Wilhelma, nach Berlin zwecks Renovierung und Neubau. Das 1981 eröffnete Achteck im Osten des Altgebäudes beherbergt fünf große Landschaftsbecken für tropische Süß- und Seewassertiere plus Uferlandschaft und passender Vegetation. Kosten: 3,5 Millionen Euro.

Der Tierbestand veränderte sich. Viele Meerestiere wie Haie, Quallen und Korallen konnte man früher nicht halten, doch dann wurden neue Filter-, Strömungs- und Beleuchtungstechniken entwickelt. Die Tierpfleger um Marco Hasselmann in der Fischabteilung erfanden einen Quallenzylinder, Kaiser meldete ihn im Sommer 2012 als Patent an. Das Aquarium hat viele Anfragen von Ausstellungshäusern, Versicherungen und Banken und verdient mittlerweile sogar Geld mit seinen Erfindungen.

Eine Schabe namens Thomas Große

Die Mitarbeiter des Aquariums gehen ihrer Tätigkeit mit Hingabe nach. So wurde eine Schabe (Lucihormetica grossei) nach dem Aquariumsgärtner Thomas Große benannt. Er hatte sie 1997 in Venezuela entdeckt. Zu den Gewässern am Rand der Sahelzone publizierten Reviertierpfleger Marco Hasselmann und Quallenzüchter Daniel Strozynski in Fachzeitschriften.

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