Trotz neuer Verordnung

Nicht alle Berliner Taxis akzeptieren Kartenzahlung

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Harriet Schulz und Andrea Huber

Ab sofort müssen Taxifahrer auch Kreditkarten als Zahlungsmittel akzeptieren. Die Berliner Morgenpost wollte wissen, ob die Senatsverordnung schon in der Taxi-Realität angekommen ist. Sie ist es nicht.

Fahrgäste, die kein Taxi finden, weil sie nur Kreditkarten, aber kein Bargeld dabei haben: Das soll ab sofort der Vergangenheit angehören. Seit Freitag ist die Übergangsfrist vorbei, gilt die vom Senat Anfang des Jahres beschlossene Verordnung, nach der künftig jedes Taxi mindestens drei verschiedene Karten akzeptieren muss. „In einer Metropole wie Berlin muss bargeldloses Zahlen auch in Taxis möglich sein“, sagt Petra Rohland, stellvertretende Pressesprecherin von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel. Der Chef des „Taxi Verbands Berlin Brandenburg“ Detlev Freutel freut sich, „dass die Verordnung endlich da ist. Alles andere ist im Jahr 2015 nicht mehr zeitgemäß.“ Er hat dabei vor allem die Gäste aus dem Ausland im Blick, die oft mit wenig Bargeld anreisen und für die Kartenzahlungen zuhause selbstverständlich sind. Rund 97 Prozent der Taxis haben bereits die technischen Voraussetzungen für den bargeldlosen Zahlungsverkehr, sagt Freutel.

Eine Pflicht, Karten als Zahlungsmittel zu akzeptieren, gab es bislang schon ohne Verordnung am Flughafen Tegel. Doch immer wieder berichteten Fahrgäste, dass sich nicht alle Droschkenkutscher daran gehalten und mit Ausreden wie der vom kaputten Lesegerät auf einer Bargeldzahlung bestanden hätten. Schließlich können Bargeldflüsse leichter vor dem Finanzamt versteckt werden. Es gebe zu viele Fahrer, die es sich nicht leisten könnten, sich registrieren zu lassen, vermutet Verbandschef Freutel, warum es in der Zunft auch Widerstand gegen die Pflicht gibt, bargeldlosen Zahlungsverkehr anzubieten.

Morgenpost-Test am Hauptbahnhof und am Zoo

Ist die neue Verordnung schon in der Berliner Taxi-Realität angekommen? Bei einer Stichprobe am Bahnhof Zoo und am Hauptbahnhof zeigte sich beim Morgenpost-Test am Freitag ein unterschiedliches Bild. Auf die Frage, ob bargeldloses Zahlen möglich sei, antwortete ein Taxifahrer am Hauptbahnhof kühl mit „Nein“. Auf den Hinweis, dass dies jetzt Pflicht sei, erntet die Morgenpost-Testerin nur eine wegwischende Handbewegung – danach fährt der Droschkenkutscher weiter.

Von sechs befragten Taxifahrern wollten vier eine Kartenzahlung akzeptieren, auch wenn nicht alle von ihnen wirklich zufrieden dabei wirkten. Am Bahnhof Zoo berichtet ein Fahrer bereitwillig über seine Erfahrungen mit bargeldlosem Bezahlen: „Für meinen Kartenleser habe ich 800 Euro bezahlt“, sagt Winfred Brembach, der schon seit rund 30 Jahren taxi fährt. Einige Geräte gibt es aber auch deutlich billiger, wie Experten berichten. „Manche wollen auch noch über das Handy bezahlen“, so Brembach, „doch das können sie bei mir noch nicht“. Brembach hat auch schon negative Erfahrung mit Kartenzahlung gemacht. „Einmal fuhr ich einen Fahrgast zum Flughafen Tegel. Die 21 Euro wurden nicht richtig abgebucht, die Karte war nicht gedeckt.“ Brembach kennt die Vorbehalte vieler Kollegen und ist sich sicher, dass nicht alle – Verordnung hin oder her – bargeldloses Zahlen akzeptieren werden.

Immer mehr Fahrgäste wollen mit Karte zahlen

Was die Fahrgäste wollen, ist nach Darstellung von Freutel aber ganz eindeutig: Rund 15 Prozent würden schon heute mit Karten oder Coupons zahlen, die Tendenz gehe deutlich und schnell nach oben.

Das Argument, dass die Verordnung die Taxifahrer wegen der fälligen Gebühren stark belastet – die Kreditkartenunternehmen berechnen Sätze von bis zu drei Prozent – lässt Freutel übrigens nicht gelten. Er verweist auf die Senatsverordnung, nach der die Droschkenkutscher beim Zahlen ohne Bargeld einen Zuschlag von 1,50 Euro verlangen können. Für manchen Fahrgastunternehmer dürfte da noch etwas übrig bleiben.