Bauprojekt

Neues Innenministerium in Moabit steht kurz vor dem Bezug

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Christine Eichelmann

Ende April ziehen 1400 Mitarbeiter in Moabit ein: Drei Jahre lang wurde an dem neuen Zweckbau gebaut, den Thomas de Maizière (CDU) und sein derzeit auf drei Standorte verteilter Stab beziehen werden.

Eigentlich war die Gastgeberin selbst nur Gast. Knapp zwei Monate vor Eröffnung des neuen Bundesinnenministeriums (BMI) lud Barbara Hendricks (SPD), als Bauministerin für dieses größte Bauprojekt der Bundesregierung zuständig, zur Besichtigung in den fast fertiggestellten Dienstsitz ihres Kabinettskollegen Thomas de Maizière (CDU). Ende April wird der Innenminister mit seinem Stab die neue Immobilie zwischen Kanzlergarten und Hauptbahnhof beziehen. „Damit liegen wir im Zeit- wie im Kostenplan“, sagte Hendricks.

Schlüsselübergabe in Berlin soll am 15. April sein. Drei Jahre lang war an dem architektonisch anspruchsvollen Zweckbau gearbeitet worden. Insgesamt 208 Millionen Euro flossen in eine Formation aus drei „Z“-förmigen Gebäuderiegeln, die sich um zwei Innenhöfe aneinanderschließen. Während Mitarbeiter und Besucher vom Norden her über die Straße Alt-Moabit ins BMI gelangen, finden protokollarische Empfänge auf der Südseite am Kanzlergarten statt.

Weil das 40.000 Quadratmeter große Grundstück von Nord nach Süd um sechs Meter abfällt, nehmen über den Querschnitt betrachtet Geschossanzahl und Gebäudehöhe ab. Staatsbesucher blicken so, von Süden kommend, auf eine 36 Meter hohe siebenstöckige Fassade aus weißem, fränkischem Jura-Kalkstein. Wer von dort aus, beginnend im Erdgeschoss, das Haus nach Norden hin durchschreitet, gelangt dabei kaum merklich ins Untergeschoss. In jedem Gebäuderiegel reduziert sich zudem die Zahl der Stockwerke und die Gesamthöhe des Baus bis auf 23 Meter.

Erdwärme sorgt für ausgeglichene Energiebilanz

„Mit vier oberirdischen Geschossen passt sich der Bau an der Straße Alt-Moabit so der Umgebung an“, sagte Architekt Thomas Müller von Müller Reimann Architekten. Danken wird dem Bauherrn dies unter anderem das Nobelrestaurant Berlin-Paris. Der Fachwerkbau ist direkter Nachbar des BMI, die Gastronomen mussten während der Bauarbeiten jahrelang auf ihre Außenterrasse verzichten.

Nun soll auf dem geplanten Stadtplatz am Nordrand des bundeseigenen Grundstücks, über dem unterirdischen Ministeriums-Parkhaus für 218 Fahrzeuge, eine Terrasse entstehen, die laut Müller Reimann größer wird als die vorherige. Das Berliner Architekturbüro baute auch das Auswärtige Amt und hatte 2007 den Wettbewerb fürs BMI mit einem Entwurf gewonnen, der nun „eine zu eins umgesetzt wurde“, so Barbara Hendricks.

Besonderes Lob der Politikerin, die auch das Umweltressort verantwortet, fanden Nachhaltigkeit und energetische Ausgestaltung des neuen Innenministeriums unter anderem mit Geothermie. Über die 100 Erdwärme-Sonden, die fast 100 Meter tief in den Boden gebohrt wurden, werde nicht nur im Winter Wärme gewonnen, sondern im Sommer ebendiese auch wieder abgegeben.

Das sorge für eine ausgeglichene Energiebilanz im Boden, sagte Hendricks. Heizung und Kühlung durch Erdwärme sowie die Nutzung der Abwärme aus dem Rechenzentrum trage neben der modernen Sicherheitstechnik dazu bei, dass sich die Bauinvestition in 20 Jahre amortisieren werde, sagte BMI-Sprecher Tobias Plate.

Neuer Standort erhält modernste Sicherheitstechnik

Zu Schutzmaßnahmen am und im Ministeriumsneubau wollte sich der BMI-Sprecher nicht äußern. „Wir erfüllen aber alle Anforderungen auch in punkto Abhörsicherheit und haben Gefährdungsanalysen vom Bundeskriminalamt und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik berücksichtigt“, so Plate. Von Festungsatmosphäre ist in dem Neubau allerdings nichts zu spüren: Luftig, hell und – mit stets wechselnden Aus- und Durchblicken – immer wieder überraschend wirkt das Ministerium. Hainbuchen sollen künftig nicht nur die Außenanlage, sondern auch die Innenhöfe begrünen. Und das nicht ohne Sinn für Humor: So bildet die labyrinthartige Beetanlage in einem der Höfe das Abbild eines Fingerabdrucks.

Großzügige Foyers in jedem Bauriegel, um die sich galerieförmig sämtliche Etagen des jeweiligen Gebäudetraktes schlängeln und den Blick bis zum Dach freigeben, sowie ein farbliches Orientierungssystem strukturieren die 75.000 Quadratmeter Geschossfläche. 1400 Arbeitsplätze entstehen hier in 1150 Büros. Den größten Teil besetzt das Berliner Personal.

Auch dessen Zusammenführung dürfte sich in Zukunft kostensenkend im Budget von Thomas de Maizière auswirken: Bisher sind seine Mitarbeiter nicht nur im Glasturm am Moabiter Spreebogen, sondern zusätzlich in zwei Außenstellen im Bundeshaus an der Bundesallee sowie am Fehrbelliner Platz untergebracht. Zum Berliner Stab stoßen im Sommer 2015 weitere 90 Mitarbeiter aus Bonn. 20 Verwaltungskräfte werden im Gegenzug nach Bonn wechseln, wo auch zukünftig 212 Stellen des Innenministeriums für Verwaltungsdienstleistungen erhalten bleiben.

Was im bisherigen Hauptsitz des Ministeriums am Spreebogen entstehen soll, konnten BMI-Vertreter nicht sagen. Das Büro- und Dienstleistungszentrum des Unternehmers Ernst Freiberger war von der Bundesregierung nur gemietet worden, der Mietvertrag läuft noch bis Ende 2016. Seine Behörde habe bereits ein Sonderkündigungsrecht genutzt. Außerdem „muss man bei einem Neubau ja immer einen Zeitpuffer einrechnen“, sagte BMI-Sprecher Tobias Plate.