Kommentar

Warum die Olympia-Pläne des Senats ein Kommunikationsdesaster sind

Berlin will sich um die olympischen Sommerspiele bewerben. Doch anders als versprochen geht es dabei bislang kaum transparent zu. Das schafft den Eindruck von Geheimniskrämerei, meint Jochim Stoltenberg

Foto: Paul Zinken / dpa

Die Pläne scheinen wieder vernünftig. Wie schon die des Senats zur Randbebauung des Tempelhofer Felds. Aber der Senat – wer immer im Einzelnen verantwortlich ist – hat aus dem überwältigenden Votum der Berliner gegen die Regierungspläne für das ehemalige Flughafengelände nichts gelernt. Trotz des Versprechens, bei einer Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 alles besser zu machen und die Berliner frühzeitig einzubeziehen, ist jetzt ein Geheimpapier aufgetaucht, das die Versprechen des Senats geradezu Lügen straft.

Danach steht nämlich schon weitgehend fest, wo in Berlin an welchen Sportstätten die Jugend der Welt in zehn Jahren ihre Kräfte messen soll.

Gegen solche Überlegungen bis hin zu konkreten Planungen ist prinzipiell nichts einzuwenden, zumal Berlin in Konkurrenz mit Hamburg bis Ende August einen Fragenkatalog des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) beantworten muss, wie die Stadt Olympia 2024 zu organisieren gedenkt. Aber warum – verdammt noch mal – so ein Geheimnis darum? Die Berliner müssen sich schon wieder von der Politik getäuscht fühlen.

Ohne die mehrheitliche Unterstützung der Bürger aber ist eine erneute Bewerbung so aussichtslos wie die gescheiterte 2000er-Kampagne. Eine herausragende Chance für Berlin – das sind die Olympischen Spiele zweifellos – droht ein zweites Mal leichtfertig verspielt zu werden.

Hat der Senat etwa vor den Berlinern Angst?

Wieder ist es ein Kommunikationsdesaster. Der Senat hat am Dienstag die jetzt bekannt gewordenen Pläne zustimmend zur Kenntnis genommen. Was nur hat ihn angesichts seines Versprechens für Transparenz und Bürgerbeteiligung gehindert, die Pläne sogleich auch öffentlich zu präsentieren? Das wäre ehrlich und überzeugend gewesen, hätte den Eindruck erneuter Geheimniskrämerei vermieden.

Wann denn hätte der Senat seine Pläne den Berlinern präsentieren wollen? Wer hatte und warum ein Interesse daran, die Pläne unter der Hand weiterzugeben und sie damit zu Geheimpapieren zu stilisieren? Etwa Furcht vor der Hamburger Konkurrenz? Dann hätte der Senat aus verständlichen taktischen Gründen seine Antworten an den DOSB bis Ende August sicher unter Verschluss halten müssen.

Das „Geheimpapier“ reiht sich ein in einen vertrauten Trend zur Unprofessionalität. Gerade hat der Senat eine Online-Befragung zur Haltung der Berliner zu Olympia 2024 gestartet. Aber die entscheidende Frage, ob sie dafür oder dagegen sind, dürfen sie nicht beantworten. Wovor hat der Senat bei dieser Bewerbung Angst? Etwa vor den Berlinern?