Multikulti-Umzug

Karneval der Kulturen 2014 - Kürzere Strecke, mehr Akteure

Beim Karneval der Kulturen werden zu Pfingsten erneut Hunderttausende Besucher erwartet - und mehr Teilnehmer als 2013. Allerdings sorgen Baustellen in Kreuzberg für einen kürzeren Umzug.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Stelzenläufer, Masken, aufwendiger Kopfschmuck und ganz viel Schminke – der 19. Karneval der Kulturen am 8. Juni wird wieder bunt und laut. Noch mehr Wagen als im vergangenen Jahr sollen durch Kreuzberg rollen, noch mehr Tänzer, Akrobaten und Performer teilnehmen. Der Veranstalter, die Werkstatt der Kulturen, rechnet mit rund 700.000 Besuchern beim Straßenumzug am Pfingstsonntag, mit etwa 600.000 Besuchern beim dazugehörigen Straßenfest vom 6. bis 9. Juni. Viele reisen extra an, um den lauten und bunten Umzug zu sehen.

Neu in diesem Jahr: die kürzere Strecke des Umzugs. Wegen der Baustelle an der Yorckstraße führt der Straßenumzug am 8. Juni nicht – wie im vergangenen Jahr – bis zur Yorckstraße, sondern nur bis Gneisenaustraße Ecke Mehringdamm. Start ist um 12.30 Uhr am Hermannplatz, an der Wissmannstraße soll bereits die erste Tribüne stehen. Den ganzen Nachmittag und bis in den Abend hinein wird gefeiert, getanzt und getrommelt. Das Ende des Umzugs ist für 21 Uhr vorgesehen. Dann werden die Wagen geradeaus in das Stückchen Yorckstraße geleitet, in dem noch keine Baustelle ist. Die Fußgruppen biegen dagegen nach links in den Mehringdamm ab. So können sich die Menschenmassen in der Straße verteilen, ohne dass ein Stau entsteht.

Jury bewertet Darbietungen

Ein Jahr Zeit hatten die Akteure, sich auf den diesjährigen Umzug vorzubereiten. Sie entwarfen neue Kostüme und Tänze, gestalteten große Puppen und Anzüge für Stelzenläufer, präparierten die Wagen und entwickelten Choreographien und Bühnenprogramme. Schirmherren der Veranstaltung sind der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU).

In diesem Jahr werden noch mehr Künstler und Akteure dabei sein. 2013 waren es 4000 Teilnehmer und 70 Gruppen, die den Umzug gestalteten, 2014 sind es etwa 5400 Teilnehmer und 82 Umzugsgruppen, davon 29 Gruppen zu Fuß ohne Wagen. Zehn Kinder- und Jugendgruppen sind dabei, sowie zehn Percussion-Gruppen. Acht Gastgruppen sind darunter, sie kommen unter anderem aus China, Indonesien, Italien und Polen.

Eine neunköpfige Jury aus Künstlern und Kulturvertretern entscheidet am Südstern, welche Darbietungen zu den besten gehören. Beurteilt werden unter anderem Qualität und Kostüme, Wagen und Requisiten sowie Performance der Einzeldarsteller. Mehr als die Hälfte aller Gruppen haben sich beworben – der Sieg ist begehrt, es winken Preise bis zu 1000 Euro: für viele Vereine und Akteure dringend benötigte Unterstützung. Viele schafften es kaum, in diesem Jahr dabei zu sein, weil ihnen die eigenen Mittel fehlten, sagt Karnevals-Leiterin Vassiliki Gortsas. Insgesamt koste der Karneval der Kulturen in diesem Jahr 780.000 Euro. Davon übernehme die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen 247.000 Euro, die Standvermietung bringe 443.000 Euro ein. Etwa 70.000 Euro kämen von Sponsoren. „Aber es fehlen uns trotzdem noch 20.000 Euro“, so Gortsas. „Wir wissen noch nicht, wie wir sie aufbringen sollen.“

Ein Verein sagt aus finanzieller Not ab

Aus finanzieller Not hat bereits ein Verein angekündigt, nicht mitzumachen. Die Organisatoren des traditionsreichen Tarantella-Wagens konnten nach eigener Aussage kaum das Defizit aus dem vergangenen Jahr ausgleichen. Es fehle an einer grundsichernden Gruppenförderung und angemessenen räumlichen Bedingungen, so der Vorstand.

Bereits am Sonnabend, 7. Juni, startet der Kinderkarneval unter dem Motto „Wir sind Gorilla!“ um 13.30 Uhr am Mariannenplatz und führt zum Görlitzer Park, wo von 15 bis 19 Uhr das Kinderfest stattfindet. Etwa 5000 Kinder, Eltern, Erzieher und Besucher werden erwartet. Organisator ist die Kreuzberger Musikalische Aktion. Das Straßenfest vom 6. bis 9. Juni findet am Blücherplatz statt. Rund 350 Stände bieten Kunsthandwerk, Kulinarisches und Projektinformationen. Mehr als 800 Musiker und Künstler treten auf. Autofahrer sollten den Bereich wegen der Straßensperrungen weiträumig meiden. Wer zum Karneval will, sollte am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommen. „Wir wollen vor allem den Mehringdamm entlasten“, sagt Vassiliki Gortsas. „Am besten, Besucher fahren bis zum Platz der Luftbrücke und gehen dann zu Fuß.“

BVG-Mitarbeiter helfen

Auch die BVG stellt sich auf das Großereignis ein. „Nach Bedarf verstärken wir den U-Bahn-Verkehr der Linien U1 und U3“, so Sprecherin Petra Reetz. Mitunter würden einzelne U-Bahnhöfe im Bereich des Karnevals zeitweise gesperrt. „Das macht die Polizei immer dann, wenn zu viele Menschen zu den Bahnsteigen strömen. So hoffen wir zu verhindern, dass jemand auf die Gleise geschubst wird.“ Außerdem sind zahlreiche uniformierte BVG-Mitarbeiter unterwegs, um Fragen zu beantworten und den Weg zu weisen. „Die Kollegen arbeiten gerne dort“, so Petra Reetz. „Sie haben in den vergangenen Jahren immer berichtet, wie nett die Besucher sind und was für eine gute Stimmung herrscht.“