Geburtstag

Herbert Ernst - ein Leben für Berlin

Herbert Ernst hat viel für die Stadt getan – und die Stadt für ihn. Er war Kameramann, Antiquitätenhändler, Gründer des ersten Berliner Flohmarkts und Gastronom. Am Sonntag feiert er 75. Geburtstag.

Foto: Amin Akhtar

Er wollte nicht sentimental werden. Das hatte sich Herbert Ernst fest vorgenommen. Ob nun 45 oder 75 – spielt doch keine Rolle. Er musste feststellen: spielt es doch. „Ich habe Angst, dass mir die Zeit davonläuft“, sagt er. Der Mann, der immer in Bewegung war, hat Angst, stehen zu bleiben.

Am 2. Mai ist Herbert Ernst, der Kameramann, der Antiquitätenhändler, Gründer des ersten Flohmarkts Berlins und der „Nolle“, 75 Jahre alt geworden. Heute will er das feiern. Und auch ein bisschen seine Stadt Berlin, die er hat sich wandeln sehen und die eng mit seiner Biografie verbunden ist. Er ist sich sicher: Berlin wird eine großartige Stadt werden. „Ich finde das alles sehr spannend, auch weil es so viele junge Leute hierher zieht.“

Er drehte als einziger Peter Fechters Tod

Herbert Ernst hat immer alles so genommen, wie es kam. Nur als die Mauer durch seine Stadt gebaut wurde, hat ihm das wehgetan. „Das hat mich doch sehr getroffen“, sagt er heute. Gleichzeitig begann für ihn als Kameramann bei der „Wochenschau“, eine sehr arbeitsreiche Zeit. Rund ein Jahr nach dem Mauerbau, am 17. August 1962, drehte Ernst, der mittlerweile frei arbeitete, als einziger Kameramann das Sterben und den Abtransport des 18-jährigen Peter Fechter, der versucht hatte, nach West-Berlin zu fliehen und mit mehreren Schüssen daran gehindert wurde.

Er verblutete im Todesstreifen, weil ihm niemand half. Ernsts Aufnahmen wurden zum Symbol der Grausamkeit des SED-Regimes. Ende der 60er-Jahre sattelte Ernst um. „Radikal wie ich bin, habe ich mir einfach was Neues gesucht.“ Er gründete Berlins ersten Flohmarkt und zog 1973 damit in den damals stillgelegten Hochbahnhof Nollendorfplatz und eröffnete das Restaurant „Nolle“. Alte U-Bahn-Waggons dienten als Geschäftsräume für Antiquitätenhändler. Seit 1992 sind Antikmarkt und „Nolle“ in den S-Bahn-Bögen Friedrichstraße. Wenn Herbert Ernst zurückblickt, ist er eigentlich auf alles stolz. „Ich möchte nichts missen.“

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