Kriminalität

Folgenschwere Computerpanne behindert Arbeit der Polizei

Die zentrale Datei mit Verbrecherfotos war Monate lang nicht direkt einsehbar. Im Februar wurde dieses wichtige Instrument zur Verbrechensbekämpfung sogar ganz abgeschaltet - bis letzte Woche.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Nach einer Computerpanne mussten Ermittler der Berliner Polizei über Monate hinweg auf eines ihrer wichtigsten Instrumente zur Aufklärung von Verbrechen verzichten. Die zentrale Datei mit Fotos verurteilter Verbrecher funktionierte nach dem Aufspielen einer neuen Software im Dezember vergangenen Jahres zunächst nur unzuverlässig. Ab Februar schaltete die Polizei das Programm ganz ab. Kriminalisten konnten es daher nicht mehr nutzen, um Zeugen Bilder zur Identifizierung möglicher Täter vorzulegen.

Mit dem Software-Update sollte das „Bidavis“ genannte Fotoarchiv mit dem polizeilichen Informationssystem „Poliks“ verknüpft werden. „Bei der Migration des umfangreichen Datenbestandes kam es – trotz systematischer Testverfahren im Vorfeld – bei der eigentlichen Datenübernahme zu Fehlern“, berichtet die Senatsverwaltung für Inneres. Seit vergangener Woche laufe das Programm wieder stabil.

„Ermittlungen massiv verzögert“

Die Folgen des Ausfalls beschreiben Polizei und Beamten-Vertreter unterschiedlich. Fotos möglicher Täter habe man auch ohne das System vorlegen können, versichert die behördliche Pressestelle. „Ermittlungsbehindernde Folgen der Schließung“ seien nicht bekannt. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter lässt das nicht gelten.

Bei Schwerstverbrechen wie nach einem Mord habe man Fotos zwar tatsächlich per Hand heraussuchen können, sagt der Berliner Landesvorsitzende des BDK, Michael Böhl. „Bei weniger schweren Fällen wie Wohnungseinbrüchen wurden Ermittlungen aber massiv behindert und verzögert.“

Wenn Pannen nicht auszuschließen seien, müsse die rund 15 Jahre alte Software ersetzt werden, fordert Böhl. Die Programme der Bundesländer müssten zudem vereinheitlicht werden. Denn direkten Zugriff hätten Ermittler bisher nur auf Fotos von Verbrechern, die im eigenen Zuständigkeitsbereich gemeldet sind. „Wenn der Täter in einem anderen Bundesland wohnt, müssen wir erst umständlich eine zentrale Datei einsehen, in der die Bilder nicht immer direkt zu sehen sind“, sagt Böhl.

Einheitliche Software für Bund und Länder schwer möglich

Die über Jahre nicht aufgeklärten Morde des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) hätten gezeigt, dass die Aufklärung durch nicht kompatible Computersysteme erschwert werde. „Die Innenminister sollten prüfen, ob die Systeme vereinheitlicht werden können“, sagt auch der Vorsitzende des Berliner Innenausschusses Peter Trapp (CDU). „Es kann nicht sein, dass das Foto eines Kleinmachnowers, der in Häuser in Zehlendorf einbricht, nicht im Berliner Polizeisystem erscheint.“

Die von Trapps Parteifreund Frank Henkel geführte Innenverwaltung reagiert verhalten auf den Vorschlag. Die Kompatibilität sei „über die einheitliche Beschreibung von Schnittstellen gewährleistet“, heißt es im Amtsdeutsch. Die Software der Länder und des Bundes zu vereinheitlichen, sei dagegen „aufgrund der Länderhoheiten und aus Wettbewerbsgründen nicht möglich“.