Studie

Berliner tolerieren Vielfalt - aber immer weniger Migranten

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Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Schwule und Lesben haben gute Karten, wenn es um die Toleranz der Berliner geht. Die Offenheit gegenüber Zuwanderern hat aber abgenommen, heißt es in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Bei einem Bundesländer-Vergleich zum Zusammenhalt in der Gesellschaft landet Berlin nur im Mittelfeld – auf dem achten Platz. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung vertrauen die Berliner zwar ihren Mitmenschen und sind offen gegenüber gesellschaftlicher Vielfalt. Die Toleranz gegenüber Migranten, die ihren gewohnten Lebensstil beibehalten, ist aber gesunken. Und nur 40 Prozent der Hauptstädter sind der Meinung, dass sie einen gerechten Anteil am Wohlstand haben. Bundesweit glaubt das immerhin jeder Zweite. Nur die Bürger der ostdeutschen Länder denken in diesem Punkt noch negativer als die Berliner.

Auch bei der Identifikation mit ihrer Stadt schneiden die Berliner eher unterdurchschnittlich ab – Spitzenreiter unter den Stadtstaaten ist Bremen, heißt es in der Studie, die am Montag veröffentlicht wurde. Auch mit der Anerkennung sozialer Regeln nimmt es der Berliner eher nicht so genau – bei Betrug oder Körperverletzung liegen die Quoten deutlich höher als im Bundesschnitt. Eher überraschend ist dann wieder, dass die Hauptstädter im Unterschied zu früher großes Vertrauen in Institutionen haben, zum Beispiel in Justiz und Polizei.

Das soziale Netz sei in Berlin schwächer geknüpft als in anderen Stadtstaaten, fanden die Forscher heraus. So geben zum Beispiel rund 76 Prozent der Berliner an, außerhalb ihrer Familie enge Bezugspersonen zu haben. In Hamburg waren es 81 Prozent.

Offenheit gegenüber gesellschaftlicher Vielfalt

Seit 1990 gehört Berlin bei der Offenheit gegenüber gesellschaftlicher Vielfalt zu den Bundesländern mit der höchsten Akzeptanz-Rate. Die Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben ist seit 1990 sogar noch gewachsen und liegt bundesweit nur noch in Hamburg höher. Mit dem Blick auf Zuwanderer ist die Offenheit aber gesunken. In der Hauptstadt stimmten zwei Drittel der Befragten der Aussage zu, dass sich Zuwanderer dem Lebensstil der Deutschen anpassen sollten – früher war es rund die Hälfte.

Der Untersuchung „Radar Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ liegt ein Index zugrunde, den ein Forscherteam der Jacobs University Bremen für die Bertelsmann-Stiftung entwickelt hat. In die Auswertung fließen seit 1990 unter anderem Interviews und amtliche Statistiken ein. Gefragt wird zum Beispiel nach der Größe des Freundeskreises, der Akzeptanz von Minderheiten, dem Gerechtigkeitsempfinden und freiwilligem Engagement.

( dpa/jkw )