Berlin-Lichtenrade

Zweijähriger Junge baut mit Papas Auto Unfall

In Lichtenrade hat sich ein Junge unbemerkt die Autoschlüssel seines Vaters geschnappt, sich ans Steuer gesetzt und den Motor gestartet. Der Mercedes fuhr mit dem Kind los und rammte einen Obststand.

Seinen Eltern hat er einen großen Schrecken eingejagt. Den am Unfallort eingesetzten Polizeibeamten dürfte er hingegen ein Schmunzeln abgerungen haben. Ein gerade mal zwei Jahre alter Junge hat sich am Muttertag in Lichtenrade an das Steuer des elterlichen Mercedes gesetzt, den Wagen angelassen und ins Rollen gebracht. Weit kam er nicht – die Fahrt endete auf der gegenüberliegenden Straßenseite an einem Markisenstützpfeiler. Glücklicherweise wurde der Junge nicht verletzt.

„Ich war bei der Arbeit, als die Polizei anrief“, erzählt die Mutter des kleinen Mirancan. „Ihr Sohn ist Auto gefahren“, sagte der Polizist. „Das kann nicht sein, der ist erst zwei“, antwortete die Mutter. „Ihm ist nichts passiert“, sagte der Polizist. Die Mutter eilte nach Hause und war gleichermaßen schockiert und erleichtert, als sie dort eintraf – weil beide Aussagen des Polizisten zutrafen.

Mirancan geht gern auf Erkundungstour

Remzi A., der Vater von Mirancan, hatte sich von seiner Nachtschicht ausgeruht, als sich sein Sohn auf den Weg gemacht hatte. „Es ist nicht das erste Mal, dass Mirancan ausgebüxt ist“, sagt er. „Er ist sehr wissbegierig und vital und hat leider ein Händchen für Schlüssel.“ Sobald sich eine Tür öffne, würde Mirancan verschwinden. Ans Steuer habe er sich an diesem Sonntag allerdings das erste Mal gesetzt. „Ich bin unglaublich erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert ist.“

Wie genau der Zweijährige, der im Juni drei Jahre alt wird, die Spritztour angegangen ist, haben Polizisten zu rekonstruieren versucht. Demnach brachte das Kind zunächst den Fahrzeugschlüssel in der in einem Hochhaus an der Skarbinastraße gelegenen Wohnung an sich. Sodann begab sich Mirancan allein mit dem Fahrstuhl aus dem elften Stock hinunter auf die Straße und weiter zu dem auf der gegenüberliegenden Seite in einer Parkbucht abgestellten Mercedes T-Modell. Der Wagen stand mit der Front zur Fahrbahn. Der kleine Junge öffnete ihn offenbar per Fernbedienung und kletterte auf den Fahrersitz.

Mit den Worten „danach muss er den Schlüssel ins Zündschloss gesteckt haben“, erklärte ein Polizeisprecher am Sonntag das, was nicht so recht vorstellbar ist. Das Dieselfahrzeug, das ein Schaltgetriebe hat, sprang an und rollte zehn Meter weit über die Straße, bis es auf der gegenüberliegenden Seite am Markisenstützpfeiler des Ladens „Obst und Gemüse Paradies“ zum Stehen kam. Beim Zusammenstoß knickte der Pfeiler weg.

Der Inhaber hört es krachen

Drei Passanten beobachteten den Unfall. Da der Junge kaum bis zum Steuer ragte, gingen sie zunächst davon aus, dass der Mercedes unbesetzt war. Erst als sie nähertraten, bemerkten sie den kleinen Autofahrer. Zwischenzeitlich alarmierte Polizisten berichteten, Mirancan sei „erstaunt, aber nicht erschüttert“ gewesen.

Auch Senol Bicer, Inhaber des Gemüselandens, hatte es Krachen gehört. Er ist ein Nachbar der Familie A. und rannte vom fünften Stock hinunter auf die Straße. Bicer kennt Mirancan flüchtig. Er trifft ihn häufig, wenn der Kleine zum Kindergarten gebracht wird. „Als er heute am Steuer saß und mich gesehen hat, hat er sich gefreut“, sagt der Ladenbesitzer. Statt sich über den beschädigten Pfeiler zu ärgern, fügt er lachend hinzu: „Der Kleine ist einfach losgedüst, da kann man nichts machen.“ Wenig später seien auch die Eltern des Jungen eingetroffen und hätten ihr Kind in den Arm genommen.

Am Nachmittag ist in der Skarbinastraße nicht mehr viel zu sehen von dem Unfall. Der Mercedes weist kaum Schrammen auf. Vor dem Obst- und Gemüseladen von Senol Bicer flattert ein Absperrband der Polizei. Die Markise wird zurzeit von den restlichen drei Pfeilern gestützt. Ein Polizeisprecher kommentiert das Geschehen auf Anfrage so: „Kein alltäglicher Fall, dass ein so junger Fahrer unterwegs ist, aber wir sind froh, dass dem Jungen nichts passiert ist.“