Rummelsburger Bucht

Berliner Senat verweigert Erlaubnis für schwimmende Häuser

In der Rummelsburger Bucht in Friedrichshain will ein Architekt acht Floating Homes bauen. Alle Behörden haben zugestimmt – bis auf eine. Jetzt werden die schwimmenden Häuser ein Fall fürs Gericht.

Foto: Massimo Rodari

Arthur Fischer, Architekt von Beruf, ist beharrlich. Der Schöneberger ist gern auf dem Wasser. Er liebt alte Schiffe. Und träumt von einem schwimmenden Haus, das in einer Bucht liegt. Seit sieben Jahren kämpft er für diesen Traum. Für Floating Homes in der Rummelsburger Bucht in Friedrichshain.

Alles ist vorbereitet. Alle Behörden haben zugestimmt – bis auf eine. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verweigert die wasserrechtliche Genehmigung. "Wir haben schon zu viel investiert, um das Vorhaben rückabzuwickeln", sagt Fischer. "Deshalb sind wir in Widerspruch gegangen."

Die Klage ist 2013 beim Berliner Verwaltungsgericht eingereicht worden. Ein Kammertermin sei derzeit noch nicht absehbar, sagte Gerichtssprecher Stephan Groscurth.

Alle anderen Ämter stimmen zu

Alle anderen Ämter haben zugestimmt. Die Baugenehmigung erteilte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. "Es gibt auch eine strom- und schifffahrtspolizeiliche Genehmigung", sagte der 52-Jährige. Der Erbbaupachtvertrag für 66 Jahre sei unterschriftsreif. Völlig unverständlich für Arthur Fischer ist: Die wasserrechtliche Genehmigung "hat der Senat schon einmal erteilt, für das Vorgängerprojekt", als ein anderes Unternehmen, Nordicon, die Floating Homes bauen wollte. Die Pläne scheiterten damals aus anderen Gründen. Doch jetzt werde diese Erlaubnis verweigert, sagt Fischer. "Obwohl sich die Parameter nicht verändert haben."

Geplant sind acht schwimmende Häuser. Bauten, die auf einem Ponton stehen und über einen Steg von der Halbinsel Stralau aus erreichbar sind. Fischer will selbst ein solches Floating Loft beziehen und hatte Interessenten für die anderen sieben Häuser. "Wir sind eine Baugruppe", sagte er. Jetzt seien es nur noch drei, die für das Vorhaben kämpfen. "Für mich ist das ein persönliches Desaster." Er habe das Geld für das Projekt zusammengehalten. Seit sieben Jahren sei diese Summe blockiert. "Man hätte viele andere Dinge damit tun können." Die Investition liege bei drei bis vier Millionen Euro.

Mit einer Größe von 120 bis 160 Quadratmeter sind die Floating Lofts geplant. Sieben Meter hoch insgesamt, mit zwei Stockwerken. Die Pontons sollen aus Beton und Styropor gebaut werden. Das Haus wird in Leichtbauweise errichtet. Ein Zugangssteg ist geplant, von dem zwei kleine Stichstege mit je vier schwimmenden Häusern abzweigen.

Senat ist eigentlich Vertragspartner

Schwer zu verstehen für Arthur Fischer ist außerdem: Der Senat, der die wasserrechtliche Genehmigung verweigert, "ist aber auch unser Partner, mit dem wir einen Vertrag geschlossen haben. In diesem Vertrag sind wir Bauverpflichtungen eingegangen". Er habe einen Parkplatz am Ufer kaufen müssen, für die Autos der künftigen Wasserbewohner. Man habe die Rechte für die Spundwand gekauft. Gutachten seien angefertigt worden. "Wir mussten nachweisen, dass wir diese Verpflichtungen erfüllt haben." Die zuständige Abteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung habe darauf gedrängt. Doch es war die Abteilung, die das Entwicklungsgebiet Rummelsburger Bucht betreute. Die Ablehnung kommt von einer anderen Abteilung – der Wasserbehörde.

"Wir haben unterschiedliche Bereiche in unserem Haus und die können unterschiedliche Ansichten zu einem Thema haben", sagte Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung. "Aber die Wasserbehörde hat immer das letzte Wort." Es müsse gesamtstädtisch über den Umgang mit den Gewässern entschieden werden. "Eigentlich steht die Bucht ja allen zur Verfügung. Das Vorhaben ist ein Eingriff." Man mache sich die Entscheidung nicht leicht. "Im Einzelfall wird sehr genau abgewogen, ab ein Vorhaben wasserrechtlich möglich und wünschenswert ist. Denn die Behörde hat die Aufgabe, die Gewässer zu schützen."

Grund der Ablehnung ist laut Kammergericht, dass Gesundheitsgefahren für die künftigen Bewohner der Floating Lofts bestehen. Beim Bau werden Pfähle, sogenannte Dalben, in den Boden gerammt. Dadurch seien Ausdünstungen von kontaminiertem Wasser zu befürchten. "Aber anderswo vor Stralau ist es erlaubt, die Dalben zu setzen, obwohl das Problem auch dort besteht", sagt Fischer. 180 Dalben seien für das Vorgängerprojekt Floating Homes geplant und von der Senatsverwaltung erlaubt worden. "Wir wollen nur zwölf Dalben setzen", sagt Fischer, "und dürfen nicht bauen." Er habe erwogen, das Projekt rückabzuwickeln. Doch man habe mehr als 400.000 Euro investiert. Nur einen geringen Teil würde er zurückbekommen. "Der Vertrag mit dem Senat über die Bauverpflichtungen müsste dann ebenfalls rückabgewickelt werden."

An Floating-Home-Projekten in Berlin arbeitet auch Ulf Baither, ebenfalls seit Jahren. Auch er wollte schwimmende Häuser in der Rummelsburger Bucht bauen, damals für die Firma Nordicon. "Es scheiterte daran, dass das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt nur einen Vertrag über 20 Jahre für die Wasserfläche abschließen wollte, während uns die Wasserstadt GmbH 50 Jahre zugesichert hatte." Deshalb sei die Bank ausgestiegen. Jetzt realisiert Ulf Baither als Projektmanager für ein Düsseldorfer Unternehmen ein weiteres Projekt.

Häuser behindern Strömung

Er hat die Genehmigung für Floating Homes an der Humboldtinsel im Tegeler Hafen beantragt. Zwölf dieser schwimmenden Einfamilienhäuser wollte das Unternehmen bauen, nur vier will die Wasserbehörde der Senatsverwaltung genehmigen. Verschattung des Seegrundes und Behinderung der Strömung seien amtliche Einwände gewesen, sagt Baither. Im Spätsommer oder im Herbst könne der Bau beginnen.

Einfacher scheint es zu sein, ein schwimmendes Ferienapartment zu bauen. Auf der Lichtenberger Seite der Rummelsburger Bucht, an der Gustav-Holzmann-Straße, liegen bereits zwei solcher Hausboote. Ein drittes geht in wenigen Tagen in Betrieb. Die Firma suite.030 vermietet es an Urlauber. "Ein Studioappartement, das auf dem Wasser liegt", so beschrieb es eine Mitarbeiterin. Mit Design-Möbeln, Küche und Kamin ausgestattet. Architekt Bertjan Diphoorn sagte, die Anlage verfüge über einen Außenbordmotor und sei als Sportboot genehmigt worden. Theoretisch könne man damit auch fahren. "Aber man ist ja nicht dazu verpflichtet."

Foto: ARTHUR FISCHER ARCHITEKTEN

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