Bausenator

Protest gegen Zwangsräumung - Aktivisten in Senatsverwaltung

Ein Dutzend Demonstranten belagerten am Mittwoch das Vorzimmer von Bausenator Michael Müller. Sie protestierten gegen die Zwangsräumung einer Familie in Charlottenburg.

Aus Protest gegen die geplante Zwangsräumung einer Wohnung hat eine Berliner Initiative am Mittwoch das Vorzimmer von Bausenator Michael Müller (SPD) blockiert. Ein Dutzend Demonstranten ließ sich nach Angaben eines Initiativen-Sprechers im Sekretariat des Senators nieder. Müller solle die soziale Verantwortung der städtischen Wohnungsbaugesellschaften durchsetzen, hieß es. Die Räumung solle zurückgenommen werden.

Müller und sein Staatssekretär waren nach Angaben der Senatsverwaltung wegen Terminen nicht im Hause. Der Büroleiter des Senators habe sich dann das Anliegen angehört.

Nach Darstellung der Initiative soll an diesem Donnerstag die Wohnung einer Familie in Charlottenburg geräumt werden. Vermieter sei die Gesellschaft Gewobag. Es gebe keine Ersatzwohnung für das Paar mit Kind. Der Mann sei zudem schwerbehindert. Der Räumungsbeschluss beruht laut Initiative auf Mietschulden. Diese seien aber inzwischen beglichen, so der Sprecher.

Einen Grund zum Einschreiten gab es nicht

Dem widersprach die Gewobag vehement. Die Familie habe seit 2004 Mietschulden, sagte Unternehmenssprecherin Gabriele Mittag. Sie betonte zugleich die Verantwortung des kommunalen Unternehmens, Menschen in Not auch zu helfen: "Um keinen Mieter haben wir uns mehr bemüht als um diese Familie, um ihr den Wohnraum zu erhalten." Eine Räumung im Vorjahr sei ausgesetzt worden. Es habe seit zehn Jahren unzählige Angebote gegeben, Vereinbarungen seien aber nicht eingehalten worden. "Jetzt beenden wir das Mietverhältnis."

Laut Senatsverwaltung verließen die meisten Demonstranten am Nachmittag das Haus. Müller-Sprecherin Daniela Augenstein sagte, die Polizei sei nur informiert worden. Einen Grund zum Einschreiten habe es nicht gegeben.

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