Eröffnung

Neuer CityCube kann geschlossenes ICC komplett ersetzen

Die neue Messe- und Kongresshalle CityCube ist auf dem Gelände der ehemaligen Deutschlandhalle eröffnet worden. Am Wochenende wird als erstes der Deutsche Gewerkschaftsbund darin tagen.

Foto: Bernd Settnik / dpa

Ob Hauptstadtflughafen, Staatsoper oder der Weiterbau der U-Bahnlinie 5 – Berlins große Bauvorhaben zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Zeit- und Kostenrahmen deutlich sprengen.

Kurz vor dem Eröffnungsrundgang am Montag durch den neuen CityCube, der neuen Messe- und Kongresshalle am Messedamm Ecke Jafféstraße in Charlottenburg, konnte sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dann auch eine Anspielung nicht verkneifen.

Die Festreden würden doch hoffentlich nicht vor dem noch verschlossenen Gebäude in der Kälte gehalten, weil der Cube noch nicht fertig sei, wollte der Regierende von Messe-Chef Christian Göke wissen. Doch Göke konnte beruhigen: Trotz zweier schneereicher Winter und der Insolvenz einer der am Bau beteiligten Firmen werde man, wie geplant, vom 11. bis 16. Mai 2014 den Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) als erste Veranstaltung im Neubau begrüßen.

CityCube wurde aber teurer

Der Kostenrahmen jedoch wurde auch bei diesem Projekt überschritten: Statt der ursprünglich angesetzten 75 Millionen stehen auf der Schlussrechnung nun 83 Millionen Euro. Angesichts der Kostenüberschreitungen bei Airport, Oper und U-Bahn ein spektakulär niedriger Betrag.

Bei der anschließenden Führung durch das Gebäude konnten Wowereit und DGB-Chef Michael Sommer dann erleichtert feststellen, dass sowohl Licht- und Tontechnik und auch die Rolltreppen – mit einer Ausnahme – funktionierten.

„In Berlin muss man immer optimistisch sein“, witzelte Sommer, der nach zwölf Jahren an der Spitze des Gewerkschaftsbundes seinen Vorsitz nach dem Kongress abgeben wird. „Insofern bin ich sehr glücklich und stolz darauf, dass unser Kongress den CityCube eröffnen wird“, so der scheidende Gewerkschaftsboss.

Gesamtkapazität für bis zu 11.000 Teilnehmer

Beeindruckt zeigte sich auch Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU). „Ich mag das Gebäude sehr, es ist sehr modern, Ausdruck der Architektur unserer Zeit und vor allem sehr funktional“, lobte sie die Mehrzweckhalle. Die riesige Kiste mit den Maßen 100 mal 87 Meter verschreckte indes noch vor wenigen Tagen Anwohner, Passanten und Autofahrer, weil sie mit einer tiefschwarzen Fassade depressive Stimmung verbreitete. Doch inzwischen ist das Schwarze hinter einer schimmernden, hellgrauen Textilfassade verschwunden.

Nicht wirklich fröhlich, doch zumindest nicht mehr düster-abweisend präsentiert sich die Halle nun von außen. Auch im Inneren des Gebäudes dominiert helles Grau – und strenge Funktionalität: Die Wände sind aus Sichtbeton, der Boden, wo er nicht mit einer nüchternen grauen Auslegeware bedeckt wurde, ebenfalls, und unter der Decke verlaufen gut sichtbar die Versorgungsleitungen.

Dafür bietet die Halle eine Gesamtkapazität für bis zu 11.000 Teilnehmer. Durch Trennwände können zudem in der unteren Ausstellungsebene bis zu acht Konferenzsäle für 300 bis 400 Personen abgetrennt werden. In der oberen Ebene ist eine säulenfreie Halle mit einer Höhe von rund zwölf Metern für Ausstellungen, Konzerte oder Plenarsitzungen vorgesehen, die bei Bedarf ebenfalls in acht Räume unterteilt werden kann.

Durch Wechsel keine Veranstaltung verloren

„Die neue Berliner Kongress- und Messehalle kann das geschlossene ICC komplett ersetzen“, versicherte Messechef Göke. Zu Baubeginn vor knapp zwei Jahren sei das Ziel gewesen, mit dem Neubau 80 Prozent des Veranstaltungsprogramms aufzufangen. Göke betonte, die Messe habe durch den Wechsel keine Veranstaltung verloren.

Der CityCube war zunächst als Ausweichstandort für die Zeit der Sanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC) vorgesehen worden, das technisch nicht mehr auf dem neusten Stand ist. Die Messe Berlin hatte allerdings nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie einen wirtschaftlichen Betrieb des ICCs mit seinen vielen Nebenflächen im Vergleich zur Nutzfläche nicht für möglich hält.

Das ICC war im April nach 35-jähriger Betriebszeit geschlossen worden. „Es war unseren Kunden nicht zuzumuten, den Komplex im laufenden Betrieb zu sanieren“, begründete Göke den Neubau der Mehrzweckhalle.

Die Sanierung des Congress Centrums will der Senat mit bis zu 200 Millionen Euro unterstützen. Was dann aus dem Gebäude wird, ist offen. „Wir haben für das ICC noch keine Lösung“, räumte Wowereit ein.