Gewerkschaft

Ärzte an Berliner Vivantes-Kliniken wollen streiken

Am Mittwoch legen Ärzte an sieben Berliner Krankenhäusern die Arbeit nieder. Patienten müssen damit rechnen, dass Termine ausfallen, auch leichtere Operationen können verschoben werden.

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Nachdem vier Gesprächsrunden ohne Ergebnis blieben, erhöhen die Ärzte nun den Druck: Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat zum Warnstreik an den Vivantes-Kliniken aufgerufen. Am Mittwoch sollen sieben Häuser bestreikt werden, unter anderem das Vivantes Klinikum Neukölln und das Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg.

Von sieben Uhr am Morgen an legen die Ärzte ihre Arbeit nieder, die Gewerkschaft rechnet mit rund 1000 Beteiligten. „Für die Ärztinnen und Ärzte ist eigentlich der wichtigste Punkt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, sagte der Sprecher der Gewerkschaft, Reiner Felsberg. Dies sei leider oft nicht möglich, weil zum Beispiel Dienstpläne nicht eingehalten und immer wieder spontan geändert würden. Außerdem machten viele der bei den Vivantes-Kliniken angestellten Ärzte Überstunden in einem unvertretbaren Maße, so Felsberg. Oft würden diese am Ende nicht einmal bezahlt.

Neben der Einhaltung der Dienstpläne fordert die Ärztegewerkschaft von der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH eine adäquate Bezahlung. Die liegt laut Marburger Bund zehn Prozent unter dem, was an anderen Berliner Krankenhäusern gezahlt wird. Auch die Arbeitsbelastung gerade älterer Kollegen werde immer höher – was letztlich auch ein erhöhtes Risiko für die Versorgung der Patienten bedeute.

Arbeit in Wochenendbesetzung

Die letzte Verhandlungsrunde hatte am 4. April stattgefunden. Hier legte Vivantes ein Angebot bis Ende 2015 vor. Ab dem 1. April soll es zwei Tariferhöhungen geben: 2,8 Prozent zum 1. April 2014 und 2,1 Prozent zum 1. April 2015. Doch die Gewerkschaft bemängelt hier, dass es sich real nur um eine Erhöhung von 1,62 Prozent handele. Denn Vivantes möchte den Grundurlaub in den ersten sieben Berufsjahren um einen Tag kürzen. Dementsprechend niedriger, so die Gewerkschaft, falle dann die Tariferhöhung aus. Der Marburger Bund fordert außerdem eine höhere Vergütung der Bereitschaftsdienste. Die von Vivantes vorgeschlagene Erhöhung ab dem 1. Oktober 2014 um 2,8 Prozent und ein Jahr später noch einmal um 2,1 Prozent ist der Gewerkschaft nicht hoch genug. Die Tarifverhandlungen sind unterbrochen und auf den 8. Mai vertagt worden.

Der Warnstreik am Mittwoch soll bis etwa 14 Uhr andauern. Für die Patienten wird es eine sogenannte Notdienstvereinbarung geben, die die Gewerkschaft am Freitag der Konzernleitung vorgelegt hat und nun auf eine Bestätigung wartet. Laut dieser Vereinbarung wird mit einer Besetzung wie an den Wochenenden gearbeitet. Auf Stationen mit besonders schweren Fällen mit voller Besetzung. Dazu zählen unter anderem die Intensivstation oder die Kinderstation.

Patienten müssen damit rechnen, dass bereits vereinbarte Termine ausfallen, auch leichtere Operationen könnten noch verschoben werden. „Wir garantieren natürlich, dass wir unserer ethischen Verpflichtung nachkommen“, betont Gewerkschaftssprecher Reiner Felsberg. Zum Beispiel würden Chemotherapien oder Bestrahlungen regulär stattfinden. Man versuche, alle Patienten vorab zu informieren.