Pizza-Krieg

Lieferheld verschärft Preiskampf der Pizza-Portale

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René Gribnitz

Der Berliner Restaurant-Bestelldienst hat eine millionenschwere Werbekampagne und hohe Rabattaktionen angekündigt. Finanziert das aus einer neuen, 85 Millionen Dollar großen Kapitalspritze.

Im Wettrüsten der Lieferdienstportale hat der Berliner Anbieter Delivery Hero (Lieferheld) 85 Millionen Dollar von einem bislang ungenannten US-Wagnisfinanzierer erhalten. Damit haben Investoren seit Gründung des Unternehmens mehr als 285 Millionen Dollar in das Unternehmen gepumpt. Zuletzt investierten Wagnisfinanzierer unter Führung des US-Investors Insight Venture Partners im Januar mehr als 88 Millionen Dollar in Delivery Hero.

Mit der Kapitalspritze kündigte Lieferheld Rabattaktionen und eine millionenschwere Werbekampagne in Deutschland an. Das Unternehmen reagiert damit auf die Übernahme des Berliner Konkurrenten Lieferando durch den holländischen Anbieter Takeway (Lieferservice.de) zu Monatsanfang, die eine neue Runde im deutschen Pizza-Krieg eingeläutet hat. Marktführer in Deutschland ist noch pizza.de, dahinter liefern sich Lieferando/Takeway und Lieferheld ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Immer mehr Bestellungen über das Internet

Die Lieferdienstportale setzen darauf, dass immer mehr Menschen Essen über das Internet statt per Telefon bestellen. Die Portale listen Restaurants und Lieferdienste in der Umgebung auf, bei denen die Kunden dann online bestellen können. Für die Vermittlung erhalten sie von den Restaurantbetreibern eine Provision. Das Geschäft gilt als lukrativ.

Weil sich das Geschäftsmodell aber nicht wesentlich unterscheidet, müssen die Anbieter in Spitzentechnologie und Restaurant-Akquise investieren, um schnellstmöglich eine Vielzahl von Kunden gewinnen und damit Vorteile gegenüber den Rivalen erringen zu können. Oder sie kaufen Konkurrenten dazu.

Delivery Hero strebt Börsengang an

Das alles verschlingt viel Geld, das die Unternehmen bislang vor allem von Wagnisfinanzierern erhalten. „Wir haben nach einem Investor Ausschau gehalten, der eine langfrisitige Vision für den Markt hat, und gleichzeitig die finanziellen Möglichkeiten mitbringt, bei Bedarf auch weiteres Kapital einzusetzen“, sagte Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg. Delivery Hero erwägt, im nächsten Jahr an die Börse zu gehen. Zumindest soll das Unternehmen bis 2015 börsenreif sein.

Damit würde Delivery Hero den Konkurrenten Just Eat aus Großbritannien und Grubhub aus den USA folgen. Grubhub, der größte amerikanische Essensdienstleister, war im März an die New Yorker Börse gegangen und ist dort inzwischen 2,77 Milliarden Dollar wert. Die britische Just Eat wird an der Londoner Börse mit 1,5 Milliarden Pfund bewertet.

Delivery Hero ist in insgesamt 14 Ländern aktiv, darunter Deutschland, Großbritannien, Schweden, Südkorea, China und Indien, und beschäftigt 700 Mitarbeiter. Mehr als 340 davon arbeiten in der Berliner Zentrale in der Mohrenstraße. Das Unternehmen sieht sich mit sechs Millionen Kunden in 2013 als Weltmarktführer.

Im vergangenen Jahr wurde über die Delivery-Hero-Portale Essen im Gesamtwert von mehr als einer halben Milliarde Euro vermittelt. Gut zehn Prozent der Einnahmen dürften als Provision in der Kasse des Unternehmens landen. Im vergangenen Jahr hatte Delivery Hero gemeldet, in seinen Kernmärkten profitabel zu sein.